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37º
Den Anschlag überlebt
Wenn Menschen zu Terroropfern werden
Dokumentation, Deutschland, 2005
"Seit diesem Tag ist nichts mehr wie es einmal war". Ein überstrapazierter Satz - und doch: Für Andrea (35) und Michael Esper (36) ist er zur traurigen Gewissheit geworden. Niemals werden sie jenen 11. April 2002 vergessen, als sie die La Ghriba Synagoge auf Djerba besuchen - und plötzlich zu Opfern jenes Terroranschlages werden, bei dem 19 Menschen sterben, davon 14 Deutsche. Andrea Esper hat Glück und bleibt fast unverletzt. Michael Esper erleidet Verbrennungen an den Beinen. Am schlimmsten trifft es jedoch ihren kleinen Sohn Adrian, der mitten in die Feuerwalze gerät: Mehr als die Hälfte seiner Haut verbrennt. Was folgt, ist ein wochenlanger Kampf um das Überleben des damals Dreijährigen, bislang rund 20 Operationen und ein Familienleben, das immer wieder um das grauenvolle Ereignis kreist und die Erinnerung nicht ruhen lässt.
Ähnlich ergeht es Verena Brunner. Sie ist dabei, als am 17. November 1997 Attentäter in den Hatschepsut-Tempel in Luxor stürmen und 61 Menschen töten. Darunter auch ihren Mann und ihre Mutter. Verena Brunner selbst ist nur leicht verletzt und hat in diesem Moment nur einen Gedanken: "Du musst weg hier, bevor die Terroristen wiederkommen, sonst haben deine beiden Kinder niemanden mehr." Auch ihr Alltag wird durch dieses Ereignis immer noch bestimmt. Nur durch psychotherapeutische Hilfe kann sie ihr Leben einigermaßen bewältigen. Der Film zeigt, wie ein Terrorangriff die Überlebenden traumatisiert, aber auch, welche Versuche sie unternehmen, das Erlebte zu verarbeiten: Wenn nach dem Anschlag das Leben wieder weitergehen muss, wenn die Anteilnahme verebbt, wenn die Medien das Ereignis längst vergessen haben.
LG
Andrea