Osama
Osama ist der erste Spielfilm, der nach dem Ende der Taliban-Herrschaft in Afghanistan gedreht wurde:
Nach der Machtübernahme durch die Taliban stehen in Afghanistan tausende Witwen und alleinstehende Frauen vor einem unüberwindlichen Problem: Wie sollen sie ihren Lebensunterhalt verdienen, wenn sie nur in Begleitung männlicher Verwandter das Haus verlassen dürfen? Stellvertretend für dieses Schicksal steht das eines jungen Mädchens: Eine 12-jährige wird von der Großmutter angehalten, sich als Junge zu verkleiden. So getarnt kann sie dir Mutter zur Arbeit im Krankenhaus begleiten und so kann sie auch selbst zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Die männlichen Familienmitglieder sind alle tot, also werden der Kleinen die Haare geschnitten, sie schlüpft in Hosen und geht bei einem Milchmann in die Lehre. Schon bald tauchen jedoch die ersten Schwierigkeiten auf, weil dem Mädchen die Sitten der Männerwelt so völlig fremd sind. Sie kennt weder die Vorgehensweise bei religiösen Waschungen, noch weiß sie sich in der Mochee richtig zu benehmen. Als die Taliban sie schließlich gemeinsam mit anderen Jungen in die Koranschule holen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie auffliegt…
In seiner poetischen Sprache macht der Film den physischen und psychischen Terror spürbar, dem Frauen unter dem extremistischen Regime ausgesetzt waren. Dabei umgeht Barmak allerdings jede Schwarz-Weiß-Malerei und zeigt, dass auch Männer vom Regime unterdrückt und instrumentalisiert wurden. Das Werk ist ein Stück Aufarbeitung und Bewältigung jüngster afghanischer Geschichte. Siddiq Barmak, der Regisseur und Drehbuchautor, wurde für dieses Werk in Cannes mit Standing Ovations gefeiert.
Afghanistan/ Irland/ Japan 2003
Regie/ Buch: Siddiq Barmak
Drama, ab 12 Jahren, Golden Globe 2004