Ich war in der Zeit auch in Tunesien, dennoch in meiner Heimatstadt Sfax. Meine Freude haben mir erzählt, es gab in den Wochen vor dem Einschlag ständig Demos gegen Israel und Amerika bzw. für Palestina. Diese Demos waren teilweise nicht mehr friedlich gelaufen. Die Synagoge in Sfax wurde auch in Flammen gesetzt, und viele alte Schriften wurden vernichtet. Man hat die Leute in der Synagoge noch rechtzeitig evakuiert(wurde mir berichtet). Es waren oft Studenten, die das taten (war also nicht organisiert von einer Terrorgruppe). Einen der Täter habe ich auch Tage später an der Uni gesehen, er wurde von Polizisten am Kopf geschlagen.Es gab überall mehr Militär auf den Straßen, besonders in Tunis(Avenue Habib Bourguiba), und es wurden Touristenbusse mit Steinen beworfen(hat mein Onkel bestätigt, er arbeitet selber als Touristenführer). Also kam der Anschlag in einer Zeit, wo die Menschen voller Wut waren gegen alles was westlich ist, und es wurde nicht unterschieden, woher diese Menschen kamen, was leider von einer intellektullen Unreife vieler Tunesier zeugt. Die Wutwelle schien allerdings vorbei zu sein, als der Jerba-Anschlag überraschend kam. Übrigens dachten viele, die Touristen die gestorben sind seien Juden, was ja nicht stimmt, die Synagoge ist eben eine der Sehenswürdigkeiten Jerbas, und der Besuch hatte keinen religiösen Hintergrund. Die Haltung der tunesischen Regierung ist einfach zu verstehen: man wollte vermeiden, dass Tunesien dadurch einen Image-Schaden erleidet, was sowieso nach dem 11. September der Fall war. Man hat versucht alles unter Kontrolle zu halten, und die Lage so zu halten, dass sie nicht eskaliert. Es ist leider nicht gelungen. Das Wetter war an dem Tag fast apokalyptisch, es hat Sand "geregnet" und der Himmel war so rot. Ich hoffe, so eine Tragödie passiert nicht nochmal, und dass es nur eine Ausnahme war. Es war traurig genug, dass Menschen sterben mussten, weil es Menschen gibt, die nicht richtig ticken, und die alles mit Gewalt regeln wollen.