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Nicht ohne seinen Vater #95609
21/05/2002 12:04
21/05/2002 12:04
Joined: May 2001
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Claudia Poser-Ben Kahla Offline OP
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Claudia Poser-Ben Kahla  Offline OP
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Nicht ohne seinen Vater
Der Sohn des libyschen Diktators stellt in Berlin seine Werke aus
Gaddafi ist ein Freund der Deutschen. Wer das noch nicht wußte, ist nach dem Besuch der Ausstellung „Die Wüste schweigt nicht“, seit gestern im ehemaligen Staatsratgebäude zu sehen, schlauer. Überlebensgroß empfängt der libysche Diktator dort den Gast mit einem Zitat von 1978, das ihn als ersten öffentlichen Forderer der deutschen Einheit präsentiert. Überraschende Erkenntnis? Nicht unbedingt. Doch zeigt schon diese erste Begegnung, mit wem man es hier zu tun hat. Welches vergleichbare Land kann sich schon des Erfolges rühmen, in einem mitteleuropäischen, demokratischen Staat die Besucher einer Ausstellung antiker und zeitgenössischer Kunst mit einem überlebensgroßen Bild seines Diktators begrüßen zu können?
Eine Brücke von der Antike in die Moderne, von Nordafrika in die Hauptstädte der Welt - das Konzept der Wanderausstellung klingt vielversprechend. Die Büsten, Mosaike, Statuen und andere Kunstgegenstände, Leihgaben verschiedener libyscher Museen, vermögen zu begeistern. Sie verweisen auf die Vergangenheit, auf die Hinterlassenschaften der Römer und anderer antiker Hochkulturen. Strikt getrennt und ohne die gemeinsamen Verbindungen zum erklärten Leitmotiv „Wüste“ aufzuzeigen, hängen im nächsten Raum die zeitgenössischen Werke. Drei Künstler sind vertreten. Dominant und in der Überzahl sind die Arbeiten das Ehrengasts Saif al-Islam Gaddafi, dem zweitältesten Sohn des libyschen Staatsoberhaupts.

Saif al-Islam – ein Künstler?

Als studierter Architekt beschäftigt der 30jährige sich jeden Tag mit Zeichnungen und Design. Daher, so erklärt er, sein Interesse an der Malerei. Die teils kollagenartigen Bilder lassen keinen einheitlichen Stil erkennen, wirken auf den Betrachter eher wie Experimente mit Farbe und Textur. Handwerklich präzise und bedeutungsschwanger, ist eine intellektuelle Auseinandersetzung mit moderner Kunst nicht unbedingt bemerkbar. Beim Rundgang gab sich Saif al-Islam Gaddafi selbst eher wortkarg. Warum er malt: „I am an architect. I like colours.“ Ob Kunst politische Vorurteile vermindern kann: „Very difficult.“ Ob er sich weiterhin der Malerei widmen will: „I stopped, but I might continue.“ Mehr als einem Satz läßt er sich nur auf die Frage hin entlocken, ob Kunst Brücken bauen könne. „Paintings challenge different perceptions. So it is good to meet here and explain these perceptions.“ - Sagte er und verschand, hofiert von einer Entourage aus wichtigen Persönlichkeiten, im VIP-Bereich. Saif al-Islam – ein Künstler? Sicher nicht ohne seinen Vater.

Arabisches Zauberwort: „naft“

Als standesgemäß kann die Eröffnungsfeier im Staatsratsgebäude ohne weiteres bezeichnet werden. „naft“ – Erdöl - das arabische Zauberwort zeichnet schließlich nicht nur verantwortlich für das bizarr anmutende Geflecht aus wirtschaftlichen, politischen und diplomatischen Interessen, das sogar gestandene Personen aus dem Auswärtigen Amt dem jungen Künstler beim Rundgang bekennen ließ, wie sehr ihre Gattinnen seine Kunst bewunderten... Die Sponsorenliste aus Erdöl verarbeitenden oder verwandten Industriekonzernen spricht für sich und ermöglichte eine Fülle von gratis Informationsmaterial für die Gäste sowie ein exklusives Catering vom Nobel-Restaurant Borchards. Keine Selbstverständlichkeit für die wirklich große Gesellschaft, zu der neben den „Professionellen“ offenkundig auch viele Kunst- oder anderweitig interessierte Berliner gehörten.

Propaganda in Bestform: Die Wallerts.

Die Wüste schweigt nicht – und der libysche Diktator schon gar nicht. Seit Jahren versucht Muammar al-Gaddafi schließlich auf verschiedenen Wegen mit Erfolg, seine internationale Position zu verbessern. In diesem Kontext ist natürlich auch die Ausstellung in Berlin zu sehen. Sie entstand in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt und unter gemeinsamer Schirmherrschaft der Deutsch-Arabischen Gesellschaft und der Gaddafi International Foundation for Charity Association. Dies ist ein „nicht-staatlicher Verein, der moderne und vorwärtsgerichtete Konzepte in der Arbeit von Freiwilligen in der ganezn Welt“ mit Saif al-Islam Gaddafi als Vorsitzendem und Büros in Tripolis, Tahiti, Tschad, auf den Philippinen und in Deutschland. Besonders machte die Organisation durch die Befreiuung der Abu Sayyaf-Geiseln auf den Philippinen von sich reden. Die dankbare Familie Wallert war eigens angereist, um die Gelegenheit zu nutzen, sich nochmals bei Gaddafi Junior zu bedanken. Vater, Mutter und Sohn zeigten sich als emsig beflissen, mit ihren - wohl begründeten - Dankbarkeitsbekundungen das Image des Wüstenstaates zu verbessern. Auch Festredner Rudolf Kraus, parlamentarischer Staatssekretär a.D., MdB und Vizepräsident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft, war des Lobes voll. Als beispielhaft führte er die Bewässerungsprojekte in der libyschen Wüste, Gaddafis Bemühungen um Volksbildung und die in der arabischen Welt einzigartige Gleichbehandlung der Frauen an. Kritik an diktatorischer Staatsführung, Verwicklung in diverse terroristische Aktivitäten und so weiter – kein Thema für Auswärtiges Amt und Deutsch-Arabische Gesellschaft. Alles in allem kann man den libyschen Lobbyisten zu dem gelungenen Auftritt also nur gratulieren. Die Ausstellung selbst gehört allerdings in einer Metropole nicht zu den künstlerischen Highlights.

Barbara Kräutlein
16.5.2002

Re: Nicht ohne seinen Vater #95610
21/05/2002 12:13
21/05/2002 12:13
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Tiiina Offline
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Hallo,

weiss jemand, bis wann diese Ausstellung in Berlin zu sehen ist?

Gruß
Tina

Re: Nicht ohne seinen Vater #95611
21/05/2002 12:25
21/05/2002 12:25
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Claudia Poser-Ben Kahla Offline OP
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Claudia Poser-Ben Kahla  Offline OP
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Leider weiß ich es noch nicht, wenn ich es erfahre sage ich euch bescheid.

Claudia

Re: Nicht ohne seinen Vater #95612
21/05/2002 12:46
21/05/2002 12:46
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dschadda Offline
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Gummizelle
Hallo,

ich weiß es, da ich am Wochenende da war:

15.5.-9.6.; 15.6.-30.06.,
täglich 10-18 Uhr, Eintritt frei (wie schön), und man kann Postkarten mit den Bildern mitnehmen (auch umsonst, auch schön).

Ist im ehemaligen Staatsratsgebäude am Schloßplatz.

Zu den Bildern von Gaddafi junior fällt mir nicht allzuviel ein (eher von der Art: was will uns der Autor/Maler damit sagen? Gruselfrage aus der Schule, politische Kunst...), es sind aber auch noch Bilder anderer lybischer Künstler zu sehen, die sind einfach nur "schön".

Viele Grüße,
Birgit