... Hier ist die Religion völlig aus dem Leben der Menschen verschwunden. Ich persönlich finde das sehr schade...
und weshalb ist das schade? Was hat Religion jemals, vielleicht mit der Ausnahme bestimmter asiatischer Strömungen und weniger Naturreligionen, anderes gewollt, als Menschenmassen zu einem bestimmten Verhalten und Denken zu bewegen, welches stets den Ausdruck der Überlegenheit der eigenen Gruppe zu Ziel hatte und hat?
Es mag in Zeiten erodierender Werte und Sozialnormen naheliegen, die Religion als vermeintlichen Anker zu romantisieren (Gruppenerlebnis, erhabene Bauten, Prunk und Protz, Zuhören und Fürsorge), doch sind dies ja nur momentane Facetten aus mehrtausendjährigen Geschichten.
Im Namen der Religionen sind (und werden) Millionen getötet, verbrannt, zerstückelt und gefoltert (worden), Abermillionen wurden und werden in natürlichen Rechten beschnitten, von der Bildung ausgeschlossen und körperlich versehrt.
Und dies alles zum Wohle der Dominanz einer vermeintlich privilegierten Gruppe (nämlich dieser Religion)? Zum Wohle eines höheren Wesens, welches ja ach so praktisch daherkommt, um persönliches Versagen und Vergehen zu entschuldigen oder ein unterprivilegiertes und duldsames Leben nach dem Tode in vollem Glanze zu überstrahlen? Zum eigenen Wohle, um die eigene Existenz nicht so unbedeutend und zufällig erscheinen zu lassen?
Wenn es jemandem wirklich auf die Religion ankäme, dann kann er dieser für sich selbst frönen, er braucht dazu keine anderen, die sich gegenseitig der Regel-Folgsamkeit rück-versichern, er braucht dazu nicht seine Regeln der Familien-oder Stammesgemeinschaft kraft seiner Autorität (die er wo her genau hat - von der Religion? welcher Zufall...) aufzuerlegen, er ist nicht dafür verantwortlich, Familienmitglieder dem rechten Glauben zuzuorden und er ist insbesondere weder kompetent noch berechtigt, den Glauben anderer Menschen komparativ (besser/schlechter) zu bewerten, denn der Glauben ist ohnehin eine völlig metaphysische Angelegenheit, die allein aus dem Grunde des Macht- oder Wohlstandgewinnes materialisierbar ist und öffentlich sichtbar wird.
Meinetwegen soll jeder glauben was er will, und wenn jemand meint er müßte sich sich mit einem Bärenfell kleiden, in der Wüste leben und ausschließlich gesegneten Whisky trinken, oder nackt in der Arktis auf allen Vieren herumlaufen und nur Gras essen, so mag er dies tun - so lange er nicht versucht, andere Menschen durch Ausnutzung ihrer Abhängigkeit, ihres fehlenden Wissens oder fehlender bzw. falscher Information zu seiner Auffassung zu bekehren (was z.B. Kinder von Missionierung vollständig ausschließen würde).
Im anderen Falle nämlich ist er lediglich ein Anhänger einer Gruppe, die die vermeintlich eigene Überlegenheit mit Mitteln zu erreichen und perpetuieren versucht, die dem natürlichen Recht des Menschen auf Informiertheit und qualifizierter Selbstbestimmung zuwiderläuft.