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Debatte um Sorgerecht für Kind ermordeter Hatun Sürücü
Berlin (dpa) - Im Streit um die Integration von Ausländern nach dem «Ehrenmord»-Urteil steht die Familie der getöteten Hatun Sürücü im Kreuzfeuer der Kritik. SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz sprach sich vehement dagegen aus, dass die Familie das Sorgerecht für den Sohn der Ermordeten bekommt.
Eine Schwester des Opfers hatte angekündigt, das Sorgerecht für den Sechsjährigen zu beantragen, der seit dem Tod seiner Mutter bei Pflegeeltern lebt.
Wiefelspütz sagte der «Berliner Zeitung», es sei unvorstellbar, dass deutsche Behörden der Familie das Sorgerecht zusprächen. Das Kindeswohl müsse im Vordergrund stehen. «Da gibt es doch wohl erhebliche Zweifel, um nichts Schlimmeres zu sagen, ob das Wohl des Kindes durch eine solche Sorgerechts-Entscheidung wirklich angemessen berücksichtigt wird», sagte er dem Fernsehsender N24. Die seit Jahrzehnten in Deutschland wohnende und aus Ostanatolien stammende Familie auszuweisen, sei «nicht so ganz einfach».
Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hatte die Familie zum Verlassen Deutschlands aufgefordert, da sie nur scheinintegriert sei und hiesige Wertvorstellungen nicht akzeptiere. Dies sei aber zuerst ein moralischer Appell, da lange hier lebende Ausländer nur schwer auszuweisen seien, sagte Körting-Sprecherin Henrike Morgenstern am Dienstag der dpa. Zudem habe ein Teil der Familienmitglieder die deutsche Staatsbürgerschaft.
Das Berliner Landgericht hatte am Donnerstag den jüngsten Bruder des Opfers wegen Mordes an seiner Schwester zu neun Jahren und drei Monaten Jugendhaft verurteilt. Er hatte die 23-Jährige wegen ihres westlichen Lebensstils erschossen und wollte mit der Tat aus Sicht des Gerichtes die Ehre der ostanatolischen Familie wiederherstellen. Zwei mitangeklagte Brüder wurden wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. Im Urteil hieß es, die Familie sei nie wirklich in Deutschland angekommen. Das Urteil wurde von der Familie mit Jubel aufgenommen.
18. April 2006 | 12:05 Uhr | Quelle: dpa"
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