Hallo,

es ist nicht so, dass nur ältere Leute nach Mekka zur Hajj oder zur Umra (kleine Pilgerreise ausserhalb des Monats dhu-al-hijja) fahren.
Es ist zwar Pflicht für einen Muslim, einmal im Leben Hajj zu machen (also in einem bestimmten, vorgeschriebenen Zeitraum die vorgegebenen "Stationen" zu absolvieren), vorausgesetzt, er hat die Mittel dazu. Aber viele der Muslime dieser Welt werden sich das nie leisten können, da es - wie Claudia schon schrieb - sehr teuer ist. Der finanzielle Aspekt ist sicher mit ein Grund, warum viele Menschen erst später dort hinfahren. Außerdem hat man als älterer Mensch, der nicht mehr arbeiten oder Kinder versorgen muss, vielleicht auch eher die Zeit dazu. Zeit und Mittel sind sicher ein Aspekt.

Aber wer weiß schon, wie alt er wird? Vielleicht stirbt man schon jung und hat dadurch nicht mehr die Möglichkeit, diese Pilgerfahrt zu machen, weil man immer sagt "später einmal"....?

Ich weiß von vielen jungen Muslimen, die schon in Mekka waren. Viele machen allerdings erst einmal die Umra und zu einem späteren Zeitpunkt die eigentliche Hajj. Besonders im Ramadan gehen viele zur Umra nach Mekka. Es ist zur Hajj-Zeit natürlich unglaublich voll in Mekka, was vielen etwas bedrohlich erscheint (und es passieren ja auch gelegentlich Unfälle wegen Panik), deshalb bevorzugen es manche Muslime auch (wenn sie das erste mal reisen) sich zu einem anderen Zeitpunkt des Jahres dort "umzusehen" und später noch einmal zur Hajj zu kommen.

Natürlich gehört eine gewisses "Bereit-Sein" dazu. Aber wer denkt, dass er erst im höheren Alter nach Mekka gehen will, damit er vorher noch "sündigen" kann, der ist mit Sicherheit wirklich noch nicht bereit...

Zur Hajj fährt man ja auch nicht "einfach so", man bereitet sich darauf vor, man lädt vorher noch einmal viele Leute ein, besonders auch dann, wenn beispielsweise noch ein Streit oder eine Unstimmigkeit offen sind. Alles Punkte, die es nachvollziehbar machen, warum man eine Hajj oft erst macht, wenn man älter ist. Aber Omra kann man ja auch in jungen Jahren und auch mehrmals machen (wenn man es sich leisten kann...).

Ich persönlich empfinde es nicht als bedrohlich, wenn ich die Bilder im Fernsehen sehe. Besonders im Ramadan kann man ja im Saudischen Fernsehen die Übertragung der Gebete verfolgen, ich finde es sehr ergreifend. Und ich wundere mich immer, wie so eine große Menschenmenge so geordnet und diszipliniert sein kann. Was Euch bedrohlich erscheint, sind vermutlich die Bilder von der Hajj, wenn ein großes Gedränge entsteht. Besonders an dem Tag, wo die symbolische Steinigung des Teufels stattfindet. Alle meinen, frühmorgens dort sein zu müssen, und dann entsteht natürlich ein riesiges Gedränge, dazu kommen die Emotionen gerade bei diese "Station". Das kann dann sicherlich nicht nur für den Zuschauer sondern auch für den, der mittendrin ist bedrohlich wirken.

Man kann sich wahrscheinlich schwer vorstellen, was es für einen Muslim, der dort hinfährt, bedeutet, welche Gefühle es in den Herzen der Gläubigen auslöst, deshalb kann man manches vielleicht nur schwer verstehen oder nachvollziehen und es wirkt befremdklich. Für einen Muslim aber ist es in der Regel ein Traum, nach Mekka zu reisen.

Ein wesentlicher Punkt der Pilgerfahrt ist ja auch, dass in diesem Moment alle "gleich" sind, auch in der Kleidung (ich meine das weiße Tuch aus einem Stück bei der Hajj). Arm, reich, schwarz, weiß, alt, jung...diese Unterschiede existieren in diesem Moment nicht. Frauen und Männer verrichten die Pflichten gleichermaßen. Ich finde das sehr beeindruckend und werde es - inschallah - hoffentlich einmal erleben...