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Freitag 23. Mai 2003, 19:36 Uhr
Nach Erdbeben in Algerien noch Überlebende geborgen
Algier (AFP)

Zwei Tage nach dem Erdbeben in Algerien haben Rettungskräfte noch etwa ein Dutzend Überlebende aus den Trümmern geborgen. Unter den Geretteten in der nordalgerischen Küstenstadt Boumerdes war auch ein 18 Monate altes Kleinkind, wie der algerische Rundfunk berichtete. Nach vorläufiger Zählung der Behörden im Katastrophengebiet östlich der Hauptstadt Algier mehr als 1600 Menschen ums Leben gekommen. Hunderte Menschen werden immer noch vermisst; die Hoffnung auf weitere Überlebende schwand zusehends.

Aus Furcht vor weiteren Beben verbrachten Hunderte von Menschen die zweite Nacht in Folge unter freiem Himmel. Am Morgen war ein weiterer Erdstoß zu spüren. Die Bergungskräfte lieferten sich einen verzweifelten Wettlauf mit der Zeit. Mit notdürftiger Beleuchtung suchten sie die ganze Nacht hindurch nach Überlebenden. In Algiers Vorstadt Réghaïa konzentrierte sich der Einsatz auf einen zehnstöckigen Wohnblock mit hundert Wohnungen, der unter dem Druck des Bebens am Mittwochabend in sich zusammengebrochen war.

"In Anbetracht der normalen Größe algerischer Familien gehe ich davon aus, dass zum Zeitpunkt des Einsturzes 400 bis 600 Menschen in dem Gebäude waren", sagte der örtliche Verwaltungsbeamte Hanafi Si Larbi. Experten am Unglücksort bemängelten die Bauweise des Wohnblocks, der 1959 ohne Erdbebensicherung in aller Schnelle hochgezogen worden sei.

Für die meisten Menschen gab es nach Befürchtung der Rettungskräfte kein Entkommen. Bei dem Erdbeben mit der Stärke von bis zu 6,8 auf der Richterskala wurden nach vorläufigen Angaben des algerischen Innenministeriums über 7200 Menschen verletzt.

Das Auswärtige Amt in Berlin will ein Transportflugzeug mit medizinischen Hilfsgütern auf den Weg in das Katastrophengebiet bringen. Zwei Vorausteams des Technischen Hilfswerks (THW) und des DRK seien bereits vor Ort und sollten weiteren Hilfsbedarf ermitteln, hieß es weiter.

Im Einsatz waren auch Hilfstrupps aus den USA, Italien, Spanien, Frankreich, Russland, Portugal, Schweden, Marokko, Südkorea und der Türkei. Erstmals beteiligte sich auch China an einer Hilfsaktion im Ausland. Das Rote Kreuz und der Rote Halbmond baten um Sofortspenden in Höhe von 1,5 Millionen Dollar (knapp 1,3 Millionen Euro), um mehr als zehntausend Betroffenen beizustehen. Die Telefonverbindungen nach Algerien waren nach wie vor weitgehend lahmgelegt.