Samstag, 18. September 2004
Mehr als man denkt
Gewalt in deutschen Ehen
In deutschen Beziehungen wird mehr geprügelt, vergewaltigt und gedemütigt als in vielen anderen europäischen Ländern. Etwa 58 Prozent der Frauen werden sexuell belästigt, 37 Prozent sind Opfer körperlicher Misshandlung. Das geht aus einer Untersuchung über Gewalt gegen Frauen in Deutschland hervor, über die das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtet.
Der Erhebung zufolge erlebt fast jede siebte Frau sexuelle Gewalt in Form von Vergewaltigung, versuchter Vergewaltigung oder Nötigung zu sexuellen Handlungen. Opfer würden vor allem Frauen, die ihre Partner verlassen wollten. "Trennung und Scheidung in einer Paarbeziehung scheinen mit einem hohen Risiko für die Frauen einherzugehen", heißt es in der Studie "Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland".
Im Auftrag des Bundesfamilienministeriums wurden für die Studie mehr als 10.000 Frauen im Alter zwischen 16 und 85 Jahren über ihre Lebenssituation befragt. Entgegen den allgemeinen Annahmen wird laut "Focus" in "Villenhaushalten ebenso geprügelt wie im Vororthochhaus". Auch spielten Alkohol und Arbeitslosigkeit keine so große Rolle, wie bisher gedacht. In 65 Prozent der Fälle habe der Täter im Berufsleben gestanden.
Und vor allem Frauen, die bereits in ihrer Kindheit Gewalt erlebten, werden demnach wieder zu Opfern. Dazu sagte Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD): "Das ist kein Zufall. Beziehungsmuster graben sich tief in die Seele. Frauen, die schon als Mädchen misshandelt wurden, haben Gewalt oft als Bestandteil von Liebe erlebt."
Die Ministerin kündigte eine bundesweite Notrufnummer an, die rund um die Uhr erreichbar sein würde und den Frauen die passenden Ansprechpartner in ihrer Stadt nennen könnte.
Adresse:
http://www.n-tv.de/5426364.html