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Strafe für ein verrutschtes Tuch #51532
24/07/2004 16:58
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Ayscha Offline OP
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ON BIRGIT CERHA, 07:00h

Die Konservativen wollen das Volk wieder unter die Knute der Moralapostel zwingen.

Zehn Millionen Rial (etwa 1000 Euro) bezahlte der junge Iraner, um Roshanak, seiner 27-jährigen Frau, die dritte Nacht in Polizeigewahrsam zu ersparen. Die Frau durfte heimgehen. Doch nun droht ihr ein Prozess. Und - so befürchtet der hinzugezogene Anwalt - unzählige Hiebe mit einer geflochtenen Lederpeitsche auf den nackten Rücken. Denn Roshanak hatte sich - so der Vorwurf - „sittenwidrig“ verhalten, als ihr beim Einparken ihres Autos das Tuch vom Kopf gerutscht und ihre volle Haarpracht zutage getreten war.

Bärtige Bassidsch-Milizionäre hatten sie eilig abgeschleppt. Nicht die Konfrontation mit den USA, die Problematik der atomaren Aufrüstung oder das gewalttätige Chaos im irakischen Nachbarstaat, sondern die sich immer mehr häufenden Übergriffe der „Sittenwächter“, die Frage, wie sich iranische Frauen heute im „Gottesstaat“ bekleiden dürfen, beherrschen derzeit die Diskussionen in der „Islamischen Republik“. Verlieren die Iraner nun nach dem politischen Scheitern des Reformkurses auch die sozialen Freiheiten, die ihnen vom siebenjährigen Reformexperiment noch geblieben sind?

Seit die Traditionalisten durch manipulierte Wahlen im Februar wieder das Parlament beherrschen und damit alle wichtigen Institutionen des Staates, ist der Machtkampf zwischen Reformern und Konservativen zunächst entschieden. Die Reformbewegung ist zersplittert und zermürbt, führende Köpfe sitzen im Gefängnis. Präsident Khatami, in seinem letzten Amtsjahr, ist machtlos, isoliert, diskreditiert. Das Volk hat sich von seinem einstigen Idol abgewandt, bitter enttäuscht über dessen Unfähigkeit, die verheißenen Liberalisierungen auch durchzusetzen. Nun können die Konservativen wieder uneingeschränkt im Iran nicht nur das politische Geschehen, sondern auch die Lebensregeln bestimmen.

Sie sind entschlossen, „die soziale Korruption“, die sich ihrer Ansicht nach in der Reformzeit ausgebreitet hatte, nicht länger zu dulden, das Volk wieder unter die Knute der Moralaposteln zu zwingen und damit ihre Macht abzusichern. Unzählige Frauen, die allzu farbenprächtige Kopftücher trugen oder Haarsträhnen nicht verdeckten, die ihre Nägel rot lackierten, die Lippen bemalen, Liebespärchen, die Hand in Hand durch den Teheraner Melat-Park schlenderten, werden in Minibussen auf Polizeireviere gezerrt. Manche können sich freikaufen, andere müssen versprechen, zu Kursen über islamische Lebensregeln wiederzukommen, andere warten auf ihren Prozess.

In den Nobelgeschäften Nord-Teherans beschlagnahmte die Sittenpolizei modische Frauenkleider, insbesondere eng geschnittene Manteaus, wie die Iraner die Mäntel nennen, mit denen sich die Frauen umhüllen müssen. In Isfahan verbot die Polizei Frauen gar den Zugang zu öffentlichen Plätzen, weil sie nicht strikt nach islamischen Vorschriften gekleidet waren. Bei öffentlichen Empfängen wird, wie in den ersten Revolutionsjahren, wieder Live-Musik untersagt. Immer häufiger stürmen Sittenwächter Wohnungen, treten Haustüren ein, wenn sie Jugendliche verdächtigen, sich mit Tanz und Alkohol auf Partys zu vergnügen.

Diese Kampagne der „Sittenpolizei“ wird von heftigen Grundsatzdebatten in konservativen Führungskreisen begleitet. Lokale Medien berichten von der Absicht des Innenministeriums, neue Richtlinien für den „Hejab“ (die islamische Bekleidung) zu erlassen. Für viele Iranerinnen bedeutet die Diskussion über die Länge ihrer Mäntel, die Frage, ob sie Sandalen und Ohrringe tragen dürfen, eine ernsthafte Gefahr für die kleinen Freiheiten, die sie errungen hatten.

Präsident Khatami hatte 1977 seinen überwältigenden Wahlsieg vor allem durch das Versprechen erlangt, die von den Geistlichen aufgezwungenen strikten Lebensregeln zu lockern. Die konservativen Geistlichen stellten sich - wiewohl widerwillig - diesen Liberalisierungen nicht in den Weg. Durch solch kleine Freiheiten hofften sie die großen (politischen) Unfreiheiten zu mildern, die Iraner von den politischen Grundproblemen abzulenken. Die liberalere Handhabung auch der Geschlechtertrennung diente als Sicherheitsventil, um eine soziale Explosion zu verhindern. Doch nun, da die Konservativen ihre Macht wieder gesichert haben, brauchen sie all das nicht mehr.

Die Iraner sind der Revolutionen und des politischen Kampfes müde geworden, lethargisch, apathisch, frustriert. Mehr und mehr ziehen sie sich in ihr Privatleben zurück. Einen politischen Führer, hinter den sie sich scharen könnten, sehen sie nicht. Viele befürchten den Beginn einer neuen Phase der Repression. Ein eigenes „Ministerium zur Förderung der Tugend“ ist im Gespräch. Die Beschlagnahmung von Autos, die Konfiszierung von Führerscheinen wird erwogen, um Frauen zur Einhaltung der Vorschriften zu zwingen. Und doch gibt es Streit unter den Konservativen. Die Pragmatiker haben begriffen, dass sie einen massiven politischen Rückschlag in einer Gesellschaft erzielen könnten, in der 70 Prozent unter 30 Jahre alt sind und nichts so sehr ablehnen wie die stete moralische Gehirnwäsche der Gottesmänner.

Re: Strafe für ein verrutschtes Tuch #51533
27/07/2004 18:10
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Claudia Poser-Ben Kahla Offline
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Claudia Poser-Ben Kahla  Offline
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Es ist schlimm was da los ist und ich werde meinen aller Besten Freund auch dazu noch mal anrufen und fragen nach aktuellen Infos da er ja im Iran lebt und selbst Iraner ist.

Claudia

Re: Strafe für ein verrutschtes Tuch #51534
30/07/2004 09:54
30/07/2004 09:54
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tornado Offline
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Claudia
Das ist daily business im Iran! Die haben echt einen an der Waffel!
Gruss Tornado