Hallo alle zusammen! [winken2]

Ich verfolge bereits seit längerem die Diskussionen hier im Forum und habe mich jetzt dazu entschlossen, inschaAllah in Zukunft auch ab und zu einen Beitrag beizusteuern.

Zunächst ein paar Worte zu meiner Person, damit ihr meine Beiträge inschaAllah besser verstehen und einordnen könnt.
Ich bin Deutsche,22 Jahre alt und bin vor ca.2 Jahren zum Islam konvertiert.Tunesien kenne und liebe ich bereits seit meiner Kindheit und seit kurzem bin ich auch mit einem Tunesier....sehr glücklich [Lächeln] alhamdulillah...verheiratet. (Um euch die Frage zu ersparen: Nein, ich bin nicht meinem Mann zuliebe zum Islam konvertiert!! Ich war schon immer ein eher religiöser Mensch und "irgendwie anders" als die meisten Menschen hier in Deutschland; mit dem Islam beschäftige ich mich, seit ich 14 bin.)

Mialania (Hallo erstmal [winken3] ), ich habe das Problem mit deinem Freund die letzten paar Tage hier im Forum verfolgt und kann deine Gefühle und Ängste (wie aber auch die deines Freundes) wirklich gut nachvollziehen.
Bevor ich jedoch meine Meinung abgebe, will ich nur noch kurz feststellen, dass ich hier wirklich keinen verurteilen oder irgendwie besserwisserisch belehren will (dazu habe ich weder das Recht, noch bin ich dazu in der Lage... und Allah swt weiß es am besten); ich rede hier nur innerhalb meines (relativ beschränkten)Wissens und bitte Allah swt darum, dass er mir meine diesbezüglichen Fehler verzeihen möge, falls ich, insbesondere was islamische Fragen angehet, irgendetwas falsches sagen werde.

Mialania, du fragst dich natürlich, was dein Kais denn plötzlich von dir verlangt; schließlich hat er dich ja so kennengelernt, wie du jetzt bist, was ihn ja offenbar nicht davon abgehalten hat, mit dir eine Beziehung einzugehen. Und jetzt sollst du plötzlich eine 180° Drehung machen, und ihm zuliebe den Islam annehmen, damit er dich dann ja heiraten könne, obwohl du vom Islam ja gar nicht überzeugt bist.

Was diese "rechtliche Sache" angeht:
Allah swt erlaubt in der Regel einem muslimischen Mann die Ehe mit einer christlichen oder auch jüdischen Frau einzugehen, weil diese als "ahlu-lkitab" (d.h. "Leute des Buchs", was besagt, dass ihre religiöse Lebensweise auf einer von Allah swt geoffenbarten Schrift, sprich Thora und Evangelium, beruht),innerhalb der Kuffar eine gewisse Sonderstellung einnehmen: dies wird damit begründet (wie bereits erwähnt), dass ihre Schrift wie auch ihre Religion eigentlich göttlichen Ursprungs ist. Im Laufe der Zeit haben die Menschen jedoch diese ursprünglich göttlichen Schriften und die damit verbundene Gottesvorstellung, rel. Regeln und Vorschriften etc. verändert, nicht selten ihren eigenen Bedürfnissen angepaßt und somit verfälscht.

Der Beweis für die Legitimation einer solchen Ehe (wir machen hier nichts ohne Beweise [Winken] ) steht im Qur'an in der Sure "al-maida" (5:5), in der Allah swt (in ungefährer deutscher Übertragung) sagt:

Zitat:
.......und zur Heirat gelten für euch als erlaubt die Tugendhaften von den Mumin-Frauen (d.h. Musliminnen) und die tugendhaften Frauen von denjenigen, denen die Schrift vor euch zuteil wurde, wenn ihr ihnen ihre Morgengabe gegeben habt als Tugendhafte Ehemänner, nicht als Unzucht-Treibende und nicht als solche, die sich Geliebte nehmen. Und wer Kufr gegenüber dem Iman betreibt, dessen handeln ist zweifellos nichtig, und er gehört im Jenseits zu den Verlierern.
Dieser Qur'anvers zeigt, dass der Islam den Leuten der Schrift, obwohl er sie wegen ihrer Abirrung verantwortlich macht, dennoch tolerant gegenübersteht: ein Muslim darf also eine Jüdin oder Christin heiraten und sie somit als seine Gefährtin, Hausherrin und Mutter seiner Kinder nehmen. Die Frau darf hierbei ihre Religion behalten und das nicht nur in der Theorie sondern auch in der Praxis, denn sie hat selbstverständlich das Recht, ihre Religion frei auszuüben.

Der Sachverhalt benötigt sicherlich jedoch noch einiger Klärung [Winken] : wie im obigem Qur'anvers zu lesen ist, muß die christliche bzw. jüdische Frau "tugendhaft" sein, das heißt, sie darf nicht "zina" begehen, was etwa soviel wie "Unzucht" bzw. jeglicher außerehelicher Geschlechtsverkehr bedeutet, was im Islam verboten ist und auch sicherlich allgemein bekannt ist. (Dieses Verbot von "Zina" bezieht sich selbstverständlich auch auf den muslimischen Partner!!!)
Der Islam stellt außerdem als Bedingung an eine solche Ehe, dass die gemeinsamen Kinder nach dem Islam erzogen werden!
Dies ist sicherlch einer der Gründe, weshalb eine solche Verbindung dem Muslim zwar erlaubt ist, dennoch nicht gerade empfohlen wird, denn wie will denn bitte eine nichtmuslimische Frau (gerade die Mutter hat ja einen großen Einfluß auf die Kinder!) die Kinder nach einer Religion erziehen, von der sie zum einen nicht überzeugt ist, zum anderen auch wohl keine große Ahnung hat, ganz davon zu schweigen ob sie überhaupt gewillt ist, dies zu tun (was sich ja bei vielen Frauen hier im Forum zeigt).

Dem Muslim wird u. a. auch gerade deshalb empfohlen, eine gläubige, praktizierende Muslimin, die ihre Religion liebt zu heiraten, denn eine solche Frau ist - laut einer Aussage des Propheten sws - einer reichen, schönen oder auch einer Frau edler Herkunft vorzuziehen. Auch sagte er sws: "Nehmt die, die religiös ist und gedeiht." (Buchari)

Wenn ein muslimischer Mann die Befürchtung hat, dass eine nichtmuslimische Frau die Religion oder das Verhalten seiner Kinder oder ihn selbst negativ beeinflussen wird, muß er dieses Risiko meiden.

(Einer solchen Ehe wird insbesondere auch gerade dann abgeraten, wenn nicht sogar verboten, wenn die muslimische Bevölkerung in einem Land in der Minderheit ist; denn wenn die sowieso schon wenigen muslimischen Männer in dieser Lage auch noch Christinnen und Jüdinnen heiraten würden, kämen die Muslimischen Frauen ja kaum mehr zum Zug und wären somit ihres Rechts auf eine Ehe beraubt)

Eine weiterer Aspekt sollte ebenfalls nicht außer Acht gelassen werden, und zwar handelt es sich hierbei um die Frage, wen der Qur'an eigentlich genau mit Frauen der "ahlu-lkitab" (also Christinnen und Jüdinnen), die der muslimische Mann heiraten darf, bezeichnet: der Qur'an versteht hierunter christliche und jüdische Frauen, die an ihre Religion und somit natürlich auch an Gott glauben, und ihre Religion auch im Alltag praktizieren. Sogenannte "Weihnachtschristen", "Papierchristen" oder "Sonntagschristen" oder was es heutzutage sonst noch für Erscheinungen gibt (Bzw. irgendwelche Patchwork-Religionen, die sich ihre eigene Religion nach ihren eigenen Bedürfnissen und nicht nach Gottes Richtlinien gestalten, so nach dem Motto " etwas Weihnachten, Ramadan und buddhistische Meditation") und hierbei dann event. nicht einmal an Gott glauben, gehören ganz eindeutig NICHT zu den "ahlu-lkitab".

All jene, die etwas anderem als Gott (Allah swt) dem einzigen dienen, Ihn verleugnen, und Geld, irgendwelche Idole oder sich selbst in den Mittelpunkt ihres Lebens stellen und somit vergöttern, gehören zur Gruppe der "Muschrik", den "Mitgöttergebenden", mit denen es dem Muslim nicht erlaubt ist eine Ehe einzugehen.

Allah swt sagt hierzu im Qur'an, (in ungefährer deutscher Bedeutung):

Zitat:
Und heiratet nicht mitgöttergebende Frauen, bis sie gläubig geworden sind, und bestimmt ist eine gläubige Magd besser als eine mitgöttergebende Frau, selbst wenn sie in euch Bewunderung geweckt hat.........Diese rufen zum Feuer und Allah ruft zum Paradiesgarten und zur Verzeihung...(2:221)
Erst neulich habe ich auch eine "Fatwa" gelesen (weiß leider nicht mehr von wem sie war, kann aber inschaAllah nachschauen) die ganz klar besagte, das es dem Muslim NICHT erlaubt ist, irgendeine Europäerin, Amerikanerin etc. zu heiraten, mit der Begründung, dass diese eine sog. "Papierchristin" ist.

Ich will hier niemandem verletzen, irgendwie beurteilen oder zu jemandem sogar sagen: "Du bist Kafir bzw. Muschrik!" Das würde ich nie tun, astaghfirAllah! Was der einzelne im Herzen hat und zu welcher Gruppe er letzendlich gehört und gehören wird, weiß eh nur Allah swt. Jedoch kann jeder ja mal selbst über sich nachdenken und sich kritisch beäugen, insbesondere du, Mialania,( denn für dich ist diese Abhandlung ja in erster Linie gedacht [Lächeln] )auch was eines deiner Zitate anbelangt:

"Ich will niemanden zum Atheismus überreden, aber die, die glauben, dass da draussen ein Gott existiert, hört auf andere davon zu überzeugen und überlegt 'mal, ob Ihr auf Euer Herz hören wollt oder auf einen Gott, den Ihr nie gesehen habt."

Mialania, dein Kais, noch sonst irgendjemand auf dieser Welt hat das Recht, dich zum Islam zu zwingen, wenn du das nicht aus freier Entscheidung machen möchtest. Allah swt hat Seinen Geschöpfen Entscheidungsfreiheit gegeben und ihnen somit den freien Willen überlassen sich für, oder gegen IHN zu entscheiden. Er swt sagt im Qur'an:

<<Kein Zwang ist in der Religion....>> (2:256)

(Für die Konsequenzen dieser Entscheidung wird der einzelne jedoch vor Allah swt Rechenschaft ablegen müssen...)

Der Muslim, und somit auch der muslimische "Freund" ist natürlich dazu aufgefordert, zum Islam einzuladen indem er selbst mit einem guten Beispiel vorangeht (ob dieses "schöne Beispiel" durch den muslimischen Partner in der Praxis jedoch sooft gegeben ist, lasse ich jetzt mal dahingestellt....)

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