Frage:
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As salamu alaikum!
Ich persönlich brauche keine Beweise für die Echtheit des Qurans, es gibt aber in verschiedenen Dialogen mit Christen verschiedene Argumente, um ihnen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Wenn ich beispielsweise davon spreche, dass die Bibel bekannterweise gefälscht ist, kommt natürlich die Gegenfrage, wie ich beweisen kann, ob der Quran noch genauso ist wie zur Prophetenzeit. Ich hoffe ihr versteht nun warum es für mich wichtig ist hier Bezugsquellen zuhaben.
Dschezeke Allahu khairan.
Wassalam S.
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Antwort :
Liebe Schwester!
Die Garantie, dass der Quran authentisch, unverändert und unverfälscht geblieben ist, geben uns nicht die erhaltenen Exemplare. Vielmehr ist es die Art des Erlernens und Bewahrens des Quran, die uns diese Sicherheit gewährt. Sie bestätigt uns ohne jeden Zweifel, dass der Quran, den wir heute in Händen halten, derselbe ist, der Muhammad (s.) offenbart wurde.
Der Zeitraum, in welchem der Prophet (s.) Offenbarungen erhielt, umfasste insgesamt 23 Jahre, manchmal nur einzelne Verse, dann wieder ganze Suren. Unmittelbar nach jeder Teiloffenbarung lernten die Prophetengefährten diese auswendig. Gleichzeitig betraute der Prophet (s.) einige Schreiber damit, die Offenbarungen unter seiner Aufsicht schriftlich korrekt festzuhalten, indem er jeweils zweien von ihnen die Offenbarungen diktierte und sich das Geschriebene von ihnen wieder vorlesen ließ, um sicherzugehen, dass das Geschriebene mit der Offenbarung exakt übereinstimmte.
Der Prophet (s.) gab Anweisungen, welcher Vers wo hinkam, genau wie er es vom Engel Gabriel mitgeteilt bekommen hatte. Immer dann, wenn ein neuer Vers offenbart wurde, ordnete der Prophet (s.) an, in welche Sure und vor oder nach welchem Vers der neue Vers zu stehen hatte. Die Reihenfolge der Verse wurde also mitoffenbart. Das Aufschreiben der Offenbarung geschah unter der Aufsicht des Propheten (s.) selbst, und die Gefährten hielten sich an seine Anweisungen.
Sogar die Schreibweise des Quran ist "tawqifi", d. h. von der Offenbarung festgelegt und darf nicht verändert werden. So wird überliefert, dass der Prophet Wörter im Quran bewusst anders schreiben ließ, als es die Araber in anderen Texten gewöhnt waren. Auch die Gefährten nach ihm hielten diese Schreibweise exakt bei. Dies ist der Grund, warum auch in den heutigen Quran-Exemplaren viele Wörter anders geschrieben werden, als es in der üblichen arabischen Rechtschreibung der Fall ist.
Den Gefährten wurde untersagt, vom Propheten etwas anderes als den Quran niederzuschreiben. Nur wenige erhielten die Erlaubnis, Hadithe aufzuschreiben, dies jedoch erst kurz vor dem Tod des Propheten (s.). Zweifelsfreie Hadithe überliefern uns diese Vorgehensweise. Hinzu kommt, dass der Engel Gabriel dem Propheten (s.) jedes Jahr zu Ramadan das bereits Offenbarte noch einmal vortrug, im Todesjahr des Propheten (s.) sogar zweimal. All dies erfahren wir aus zweifelsfreien Hadithen, so dass die Vollständigkeit der Offenbarung eine ebenfalls zweifelsfreie Angelegenheit ist.
Der Quran wurde bereits zu Lebzeiten des Propheten (s.) in seiner Gesamtheit niedergeschrieben, und zwar auf unterschiedlichen Materialien, wie Palmblätter oder Tierhaut. Er war zu diesem Zeitpunkt also schriftlich fixiert, existierte allerdings noch nicht in Buchform.
Entscheidend ist hierbei auch die Tatsache, dass die Gefährten ganz erpicht darauf waren, die Quran-Verse direkt aus dem Munde des Propheten zu hören und sofort auswendig zu lernen. Es entstanden auch unter ihnen Zirkel, um den Quran in der richtigen Rezitation gemeinsam auswendig zu lernen. So geschah es, dass die Ayat des Quran nicht nur schriftlich dokumentiert waren, sondern zu Lebzeiten des Propheten bereits in hundertfacher Form in den Herzen der Gefährten bewahrt wurden.
Auch nach dem Tod Muhammads (s.) sahen seine Gefährten zunächst noch nicht die Notwendigkeit einer Buchform für den Quran, denn sie konnten ja die Offenbarung auswendig. Als dann in der Schlacht von Yamama viele Prophetengefährten, die den Quran auswendig kannten, ums Leben kamen, wollte man die Bewahrung der Offenbarung für die kommenden Generationen sicherstellen, so dass Umar Ibn al-Khattab (r.) den Kalifen Abu Bakr (r.) darauf aufmerksam machte, den Quran als vollständiges Buch zu bewahren.
Daraufhin beauftragte dieser Zaid Ibn Thabit (r.), einen sogenannten "Offenbarungsschreiber" (Katib Wahy), der die Offenbarungen bereits direkt vom Propheten (s.) diktiert bekommen hatte und den Quran auswendig kannte, mit der Sammlung des Quran. Es wird überliefert, dass Zaid (r.) daraufhin sagte: "Es wäre für mich leichter gewesen, wenn der Kalif mich damit beauftragte hätte, Berge zu tragen als den Quran als Buch zu fertigen." Auch Umar (r.), ebenfalls Schreiber der Offenbarungen, wurde mit dieser Aufgabe betraut, wie es im Buch "Al-Itqan fi Ulum Al-Quran" von Al-Sayuti erwähnt wird. Abu Bakr (r.) sagte ihnen, dass sie sich vor das Tor der Moschee setzen und sich von den anderen Schreibern der Offenbarungen die bereits zu Lebzeiten des Propheten (s.) angefertigten Schriften aushändigen lassen sollten, sofern diese zwei glaubhafte Zeugen mitbrächten, die bestätigten, dass das vorgelegte Schriftstück in der Gegenwart des Propheten (s.) verfasst worden ist. Sogar damit begnügte man sich nicht. Vielmehr akzeptierte Zaid erst dann ein Schriftstück, wenn es bei einem Gefährten in schriftlicher Form vorhanden war und ein Gefährte den Inhalt des Schriftstücks auswendig kannte. Die gesammelten Schriften, die die gesamte Offenbarung enthielten, wurden bei Abu Bakr (r.) aufbewahrt und nach seinem Tod bei Umar (r.). Als Umar (r.) starb, bekam seine Tochter Hafsa (r.), die Frau des Propheten, diese Sammlung.
Zur Regierungszeit von Uthman (r.) traten Streitigkeiten in der richtigen Lesart des Quran auf, die sich lediglich auf Unterschiede in der Aussprache bezogen und nicht von inhaltlicher Art waren. Dies geschah, nachdem man viele entfernte Gebiete für den Islam eröffnet hatte, in denen Nichtaraber Muslime wurden. Huthaifa Ibn al-Yaman berichtete dem Kalifen von diesen Streitigkeiten unter den Nichtarabern, so dass Uthman (r.) beschloss, mehrere Exemplare des Quran anfertigen zu lassen, um den neuen Muslimen das richtige Lesen zu ermöglichen. Er bat Hafsa (r.) um die Aushändigung des bei ihr befindlichen Exemplars.
Erneut wurde Zaid (r.) mit der Aufgabe betraut, zusammen mit anderen Schreibern mehrere Exemplare zu fertigen. Uthman sagte hierzu: " Wenn ihr uneinig werdet, dann schreibt nach der Zunge der Quraisch, denn der Quran ist in ihrer Aussprache offenbart worden." Nachdem sie den Quran gefertigt hatten, erhielt Hafsa (r.) ihr Exemplar zurück. Die restlichen Exemplare, die vor dieser Zusammenstellung existierten, wurden vernichtet. Die angefertigten sieben Quran-Exemplare wurden im gesamten Staat verteilt.
Uthman (r.) handelte in dem Einverständnis aller anderen Gefährten. Als Ali (r.) in Kufa war und ein Mann seinen Widerspruch gegen Uthman (r.) einräumte, sagte Ali (r.) zu ihm: "Sei still, er hat alles vor unseren Augen getan, und wenn ich an seiner Stelle gewesen wäre, wäre ich ebenfalls seinen Weg gegangen."
Die Art der Bewahrung des Quran bietet bereits eine Sicherheit für sich. Unabhängig davon, welches Exemplar wir aus der Vergangenheit nehmen, so ist es identisch mit jedem Exemplar von heute. Vergleichen wir die Niederschrift des Quran mit jener der Bibel, so haben die vier Evangelisten, die nicht einmal Zeitgenossen von Jesus (a.) waren, lediglich die Lebensgeschichte von Jesus niedergeschrieben, in einer Zeit, in der niemand mehr die Richtigkeit des Textes bestätigen konnte. So bestätigen christliche Quellen, dass die frühesten schriftlichen Aufzeichnungen - die heute gar nicht mehr vorhanden sind - erst um 150 n. Chr. entstanden sind.
Anders als beim Quran, wo sogar die Personen, die ihn schriftlich niedergeschrieben bzw. mündlich weitergegeben haben, namentlich und in ihrer Biographie bekannt sind, weiß man über die Überlieferer der Bibel fast überhaupt nichts. Wo ist da die Sicherheit, dass der Bibeltext authentisch ist? Die Tatsache, dass der Bibeltext von Menschenhand immer wieder ergänzt, verändert und umgestaltet worden ist, wird nicht einmal von christlichen Theologen angezweifelt (siehe hierzu die Zitate von O. Culmann und den Ausschnitt aus dem zweiten Vatikanischen Konzil in dieser Ausgabe).
Am gewichtigsten ist aber hierbei das Faktum, dass es sich bei allen heute auf der Welt befindlichen Bibelausgaben lediglich um indirekte, über mehrere Sprachen erfolgte Übersetzungen handelt und es kein einziges Exemplar mehr gibt, das authentisch in der Originalsprache den offenbarten Text wiedergibt. Jede Übersetzung - und das ist allgemein bekannt - unterliegt in nicht geringem Maße der Interpretation des Übersetzers. Bei den heutigen Bibelexemplaren handelt es sich also durchwegs um solche Interpretationen, von denen man nicht einmal weiß, ob der Übersetzer den zu übersetzenden Text richtig verstanden hat.
Der Quran ist aber noch immer - und zwar ausschließlich - in der Originalsprache vorhanden und nur in dieser Sprache als "Quran" zu bezeichnen. Einen "Quran" in einer anderen Sprache als Arabisch gibt es nicht, in diesem Fall sind es eben "ungefähre Bedeutungen" oder "Übersetzungen" aber kein "Quran". So hat Allah (t.) im Quran gesagt:
"(Wir haben ihn) als einen arabischen Quran (hinabgesandt), ohne Widersprüchlichkeiten und Schwächen, auf dass sie gottesfürchtig sind." (Sura Al-Zumar 39, Aya 28)
Entscheidend bei der Beweisführung der Authentizität des Quran ist die Tatsache, dass jeder quranische Vers von einer Vielzahl an Muslimen direkt aus dem Munde des Propheten erlernt und von Generation zu Generation an eine ebensolche Vielzahl unabhängig voneinander und absolut deckungsgleich bis zum heutigen Tage weitergegeben worden ist. Wenn ein Bericht über ein oder zwei geschlossene Personenketten überliefert worden ist, so kann rein rational ein Irrtum oder Übertragungsfehler noch unterstellt werden. Wird aber der gleiche Bericht, von Hunderten geschlossenen Personenketten, die noch dazu voneinander unabhängig sind, in absolut identischer Weise übertragen, so ist nach dem rationalen Verstand ein Fehler oder Irrtum ausgeschlossen. Genauso stellt es sich mit dem Quran dar.
Denn das perfekte Auswendiglernen und -lehren des Quran unter professioneller Aufsicht in zahlreichen Quran-Schulen brach und bricht niemals ab. Auch wenn wir unzählige identische Kopien des Quran in schriftlicher Form besitzen, so ist die Offenbarung im Gedächtnis und im Herzen von Millionen Gläubigen bewahrt geblieben.
Nach diesen ausführlichen Darlegungen sollten wir uns nur noch das göttliche Versprechen in Erinnerung rufen, das Allah uns persönlich gegeben, hat als Er sagte:
"Wahrlich, Wir haben die Mahnung herabgesandt, und Wir werden sie auch erhalten!" (Sura Al-Hijr 15, Aya 9)
Aus dem Explizit leseforum.
Gruss saladin