Hallo Oleyla,
Ich würde das so machen: Wenn ihr in Österreich leben wollt, würde ich warten, bis das Kind alt genug ist, bis es selbst entscheiden kann, welcher Religion es angehören will (vorausgesetzt, euch beiden ist eure Religion sehr wichtig). So kann es aus beiden Religionen etwas mitbekommen und ihr beide könnt dem Kind die Werte eurer jeweiligen Religion vermitteln. Und ich wette, das Kind wächst dann zu einem sehr toleranten und weltoffenen Menschen heran und würde unsere Gesellschaft bereichern, egal ob es sich für eine der Religionen entscheidet oder nicht. Darauf sollten die in Tunesien lebenden Verwandten keinen Einfluss haben, denn die Entscheidung liegt einzig und allein bei euch! Ich weiß, dass sowas viele Probleme mit sich bringen wird, aber das ist dir sicherlich klar und ich finde, das ist es wert!
Der veraltete Gedanke "dem Islam dürfen keine Nachkommen abhanden kommen" stammt noch aus einer Zeit, als es um das Überleben in einer feindlichen Welt ging, in der Menschen mit anderer Religionszugehörigkeit als Bedrohung galten. Auch wenn dieser Gedanke in vielen Köpfen (sowohl bei Christen als auch bei Muslimen) auch heute noch vorhanden ist, man sollte sich davon frei machen.
Mir liegt dieses Thema sehr am Herzen denn ein Freund von mir ist Theologiestudent und mit einer Muslimin zusammen. Beiden ist ihre Religion wichtig und trotzdem wären die beiden sehr glücklich miteinander, wenn der Vater der Frau nicht geistig im Mittelalter leben würde und seinen Töchtern Beziehungen zu Andersgläubigen verbieten würde. Die schlimmste aller Religionen ist wohl die Intoleranz
Wenn ihr dauerhaft in Tunesien leben wollt, sieht das sicherlich anders aus: Hier würde ich mich wohl anpassen, damit das Kind von den Verwandten akzeptiert wird. So ganz gefällt mir der Gedanke nicht, aber ich glaube, für das Kind wäre das besser.
Wie gesagt, das ist alles nur meine persönliche Meinung. Die Entscheidung liegt natürlich bei euch!
Gruß Jens