Sawda, die zweite Mutter der Gläubigen

Der Verlust Chadidschas hat bei Muhammad (s.a.s.) großen Kummer und tiefe Trauer hinterlassen. Er trug die Last der Verantwortung für seine Botschaft und seine kleine Gemeinde,sowie für die Betreuung und Erziehung seiner Töchter. Unter der islamischen Gemeinde befand sich eine Frau namens Chaula bint Hakim. Diese bemühte sich, nach Ablauf der Trauerzeit, den Propheten (s.a.s.) von der Notwendigkeit einer neuen Ehe zu überzeugen. Sie faßte sich ein Herz und ging zum Propheten, um ihm einen Heiratsvorschlag zu machen.Der Prophet (s.a.s.) schaute Chaula an und sagte:" Wer nach Chadidscha?" Chaula erwiderte rasch:" Aischa, die Tochter des dir liebsten Menschen." Womit sie Abu Bakr meinte, den ersten Mann , der an Muhammad (s.a.s.) glaubte und seine Botschaft bestätigte. Da Aischa noch zu jung war, sollte sie den Propheten (s.a.s.) erst in zwei oder drei Jahren heiraten.Chaula hatte dies im voraus bedacht und kam mit zwei Hei-ratsvorschlägen. Bevor Muhammad (s.a.s.) Aischa heiratet,sollte Sawda, die Tochter des Zama, die Ehe mit ihm eingehen. Muhammad (s.a.s.) war mit diesen beiden Vorschlägen einverstanden. Daraufhin ging Chaula erst zu Abu Bakr, wo sie um Aischa bat und dann zu Zamza, um für Muhammad (s.a.s.) um die Hand Sawdas zu werben. Beide Bewerbungen waren erfolgreich. Sawda war die Tochter des Zama, Sohn des Qais, Sohn des 'Abd Sams, Sohn des Abd Widd aus dem Stamm Amir. Ihre Mutter war As-Samus, die Tochter Qais, aus dem Stamm Adei, aus dem Stamm An-Nagar. Nach einem anderen Bericht ist sie die Tochter Qais, Sohn des Zaid, Sohn des 'Amir. Sawda lebte in Mekka und war zuvor mit ihrem Cousin As-Sakran, Sohn des 'Amr verheiratet. Sie und ihr Mann zählten zu den ersten Muslimen. Sawda war Witwe. Sie und ihr Mann waren bei der Emigration nach Abessinien dabei, wo auch ihr Mann gestorben ist. Die zweite Ehe Muhammads (s.a.s,) wurde vollzogen, doch niemand in der islamischen Gemeinde wollte glauben, daß Sawda die zweite Ehefrau des Gesandten (s.a.s.) geworden war. Denn Sawda war bereits im fortgeschrittenem Alter. Die Situation im Hause des Propheten (s.a.s.) war für Sawda nicht einfach. Jeder Vergleich mit Chadidscha fiel zu ihrem Ungunsten aus, was Rang, Stellung und Vermögen betraf. Sie glaubte, daß der Prophet (s.a.s.) sie vor allem aus Güte und Barmherzigkeit geheiratet hatte. Sawda war dem Propheten (s.a.s.) eine freundliche, gütige, bescheidene und auch lustige Ehefrau. Oft hat sie ihm lustige Dinge erzählt. Sawda betreute länger als zwei Jahre allein das Haus, bis Aischa hinzukam. Dann räumte sie ihr die erste Stellung im Hause ein. Sawda bemühte sich Aischa zufrieden zustellen und kümmerte sich mit allen Kräften um sie. Diese Ehe mit Aischa lastete schwer auf Sawdas Seele, da Aischa jung und angesehen war. Sawda zeigte gegen Aischa und später auch gegen die anderen Ehefrauen des Propheten (s.a.s.) keine Eifersucht. Zur Zeit ihrer Ehe mit Muhammad (s.a.s.) war Sawda, nach einem Bericht zufolge, um die hundert Jahre alt. So ist es verständlich, daß der Prophet (s.a.s.) keine zärtliche Neigung für sie empfand. Doch der Prophet (s.a.s.) hatte Mitleid mit ihr und wollte nicht, daß Sawda das demütige Gefühl habe, sie sei nicht gleich mit den anderen Frauen. Immer wieder versuchte der Prophet (s.a.s.) ihr sein Herz zu öffnen, doch gehorchte ihm seine menschliche Natur nicht. Er konnte gerecht sein, was Unterhalt, Wohnung und der ihr zustehenden Nacht betraf, jedoch Liebe und Neigung konnte er nicht gewähren. Als einmal ihre Nacht gekommen war, schlug Muhammad (s.a.s.) Sawda vor, sich von ihm scheiden zu lassen. Sie lehnte diesen Vorschlag ab und sagte` Oh, bei Allah, ich lege keinen Wert darauf, Ehemänner zu bekommen, jedoch wünsche ich mir, daß Allah mich am Jüngsten Tage als Ehefrau des Gesandten wiederauferstehen läßt. Ich werde meine Nacht Aischa schenken." Muhammad (s.a.s.) war tief beeindruckt von ihren Worten und widerrief seinen Scheidungsvorschlag. Aischa war sehr dankbar für die zusätzliche Nacht. Sawda führte ein ruhiges Leben im Hause des Propheten (s.a.s.) und überlebte ihn sogar. Sie selbst verstarb - so ein Bericht - am Ende der Regierungszeit des zweiten Khalifen'Umar ihn Al-Hattab. Nach dem Tode Sawdas sagte Aischa " Es gibt unter den Menschen niemanden, den ich wegen seines Charakters mehr liebe als Sawda, obwohl sie etwas Schärfe hatte."