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Mein Weg zum Islam

Eigentlich wollte ich mit dem Niederschreiben meines Weges zum Islam noch warten bis mein IMAN so weit gestärkt ist, und ich den nächsten schweren Schritt in meinem Leben bewältigt habe. Aber nach einiger Zeit kam ich zu dem Schluss, dass vielleicht auch andere vor einer schweren Entscheidung für den Islam stehen und ich möchte ihnen Mut machen, denn ich spüre innerlich täglich die Kraft mit der ALLAH (t) mein Leben erfüllt.

Nach der Geburt meines zweiten Sohnes 1996 befand ich mich erst unbewusst auf der Suche nach dem wirklichen Sinn meines irdischen Daseins. Bis dahin habe ich als Katholikin in der Pfarrei mitgearbeitet. Ich zog mich jedoch mehr und mehr zurück, da ich immer mehr das Gefühl hatte immer weniger zu verstehen, was ich in den Sonntagsmessen hörte. So begab ich mich langsam auf die Suche indem ich Bücher über den Buddhismus, das Judentum und auch über den Islam las. Anfang 1999 stieß ich auf eine deutsche QUR´AN-Übersetzung und las zum ersten, Mal darin. Nach kurzer Zeit legte ich das Buch wieder weg. Im Sommer fuhr ich mit meiner Familie nach Zypern und kam dort das erste Mal bewusst mit einer Muslima aus Kanada, die dort Verwandte besuchte, ins Gespräch. Im Nachhinein ist mir klar wieso ich an diesem Tag unbedingt in die Stadt fahren musste. ALLAH (t) führte mich an diesem Tag mit dieser Frau zusammen. Nach einer kurzen allgemeinen Unterhaltung tauschten wir Adressen aus, obwohl ich sonst eher zurückhaltend bin und verabschiedeten uns.

Von da an ging es Schlag auf Schlag. Als ich nach der Reise nach Hause kam las ich erneut in der QUR' AN-Übersetzung und plötzlich hatte ich das Gefühl, ich spüre wie sehr diese Worte mein Herz berühren. Ich fühlte in mir eine endlose Kraft einen ungeheuren Tatendrang mehr über den Islam zu erfahren. Ich hatte nach 3jähriger Suche das Gefühl das ist mein Weg.

Langsam begann ich mich an die Ernährungsvorschriften zu halten. Ich aß kein Fleisch mehr, woher ich Halal-Waren beziehen konnte wusste ich nicht, aber irgend etwas zu essen was haram ist kam für mich nicht in Frage. Obwohl ich ganz gerne ab und zu einen saftigen Hähnchenschenkel gegessen hätte. Die Qur´an-Übersetzung gehörte von da ab zu meiner täglichen Lektüre. Da bekam ich im September Post von der in Kanada lebenden Muslima aus dem Urlaub mit einem kleinen Büchlein, dem letzten Teil des heiligen QUR' AN mit englischer Übersetzung und Aussprachehilfen des Arabischen, einer Anleitung des Gebetes und einem kleinen Brief mit einer herzlichen Einladung nach Pakistan, wo ein Teil ihrer Familie lebt. Nebenbei stellte Sie mir die Frage, ob ich mir schon Mal überlegt hätte Shahada zu sprechen. Ich hatte ein wenig Angst vor diesem Schritt, da ich mir nicht sicher war, ob ich innerlich so weit war und wann ich so weit sein werde Sie beruhigte mich und sagte ich werde es spüren, wenn der richtge Zeitpunkt ist. Deshalb dachte ich nicht weiter darüber nach, aber was die Einladung nach Pakistan betraf spürte ich diesen inneren Drang wieder diese Einladung anzunehmen. Leider wollte mein Mann die Einladung nicht annehmen (unvorstellbar für ihn in ein solches Land zu fahren.). Die innere Kraft trieb mich jedoch erneut voran und ich fuhr Ende Oktober allein nach Pakistan. Zehn unvergessliche Tage die mich zum letzten Schritt führten.

Als ich zurückkam spürte ich eine innere Unruhe die mich jedoch mit grenzenloser Freude erfüllte. Ich begann das Münchener Telefonbuch zu durchsuchen und rief kurz entschlossen bei einer Telefonnummer an die nach Islam klang. ALHAMDULILLAH ich war richtig. Die Frau am Telefon konnte mir weiterhelfen und lud mich für ein paar Tage später am 19.11.1999 nach München zum Frauentreffen ins Islamische Zentrum ein. Als ich meinem Mann sagte, dass ich Shahada sprechen werde, brach für ihn eine Welt zusammen. Es machte mich unendlich traurig, dass er an meiner Freude nicht teilhaben konnte. Für mich war bis dahin klar, dass ich mit meinem Mann zusammen alt werde. Wir verstanden uns bis zu diesem Tag bestens, eine glückliche Familie mit zwei gesunden Kindern. Ich fuhr also leider am 19.11.1999 allein nach München und sprach fest entschlossen Shahada. Ich bekam unter anderem als Geschenk einen Gebetszeitenkalender. Ich fühlte mich befreit und leicht. Eine Woche später kaufte ich mir einen Gebetsteppich und setzte mich darauf, ohne zu wissen was ich zu tun habe. Deshalb bat ich ALLAH (t) um Rechtleitung und stand wieder auf. Am nächsten Tag fiel mir ein, dass ich eine Anleitung zum Gebet einige Monate zuvor geschenkt bekam. An diesem Tag begann ich mit dem Buch in der Hand zu beten. Am Anfang brauchte ich 20 Minuten und ich dachte ich kann mir den Ablauf des Gebetes nie einprägen. Aber ich hatte den festen Willen in mir, zu lernen. Inzwischen war Ramadan (mein erster Ramadan) ich fastete und hatte bis Ende des Ramadan das Gebet vollständig gelernt. Am Ende des Ramadan stand ich mit Tränen in den Augen beim Isha-Gebet. Ich fühlte mich grenzenlos glücklich und aufnahmefähig für alles was den Islam betraf. Im Ramadan las ich im QUR'AN über die Bedeckung der Frau. Ich stolperte also langsam über das Thema Kopftuch. Das was ein Punkt mit dem ich mich nicht recht anfreunden konnte. Mein Äußeres „verstecken" wollte ich nicht. Eines Abends jedoch konnte ich es kaum glauben wuchs in mir der Wunsch, Kopftuch zu tragen. Da es Winter war fiel das am Anfang nicht auf. Aber als das Frühjahr kam, wurde es auch dem Letzten klar, ich trage Kopftuch und nichts mehr kann mich dazu bewegen das Kopftuch abzunehmen. Je mehr ich mich für den Islam öffnete, desto größer wurde der innere Widerstand bei meinem Mann. Er spürte diesen Widerstand auch und kämpfte auch hart gegen das Unverständnis seiner Familie und das der Umwelt, da er sich als leitender Standesbeamter auch in der Verpflichtung sah ,eine gute Ehe zu führen. Er wollte allen beweisen, dass es möglich ist zusammenzuleben, auch wenn man nicht die gleichen Glaubensauffassungen hat.

Mein Mann wurde immer öfter auf mein verändertes Äußeres angesprochen. Ich versuchte zu diesem Zeitpunkt auch meinen Mann etwas an den Islam heranzuführen, um ihm begreiflich zu machen aus welchen Gründen ich das alles tue. Es war mir jedoch nicht möglich sein Herz für den Islam zu öffnen. Im April 2000 stellte ich Antrag auf Namensänderung unter Protest meiner Familie. Seit 4.7.2000 bin ich also auch offiziell Sajida. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich auch einige unangenehme Begegnungen mit meinen Mitmenschen. Von Beschimpfungen auf der Straße bis zum Anspucken war alles dabei. Ich sollte mich schämen als deutsche Frau zum Islam zu konvertieren. Zu diesem Zeitpunkt distanzierte sich auch meine Mutter von mir, der meine Entwicklung zu schnell ging. Sie orientierte sich zu sehr an den negativen Berichten über den Islam. Einige Wochen herrschte Funkstille. Sie konnte mich nicht verstehen. Eine schlimme Zeit für mich die bis September anhielt. Ich stand bei meiner Familie allein da mit meiner Begeisterung für den Islam. Stundenlange, kraftraubende Diskussionen mit meiner Mutter folgten. Dann begann Sie zumindest meinen Weg zu akzeptieren. Und ich hatte das Gefühl wir verstanden uns täglich besser. Was leider beim Rest der Familie nicht der Fall war. Die vollkommene Ablehnung kam mir entgegen.

Am 27.12.2000 war Eid-ul-Fitr und ich lud meine Mutter zum Festgebet und zur Feier ein. An diesem Tag fielen die letzten Schranken zwischen uns. Meine Mutter sagte mir, dass Sie schon lange nicht mehr so einen schönen Tag verbracht hatte und wollte zu Eid-ul-Adha wieder mitkommen.

Leider verstarb meine Mutter am 29.01.2001 bei einem schweren Verkehrsunfall. Für mich ein schwerer Schlag, nachdem wir uns jetzt so gut verstanden. Ich danke ALLAH (t), dass wir im Guten auseinander gingen -ALHAMDULILLAH. Ich wurde das erste Mal so nah mit dem Tod konfrontiert. Ich sah das als Bestätigung, meinen Weg weiterzugehen und nichts auf irgendwann zu verschieben.Am Tod meiner Mutter wurde mir bewusst, wie schnell die Chance vorbei sein kann, an mir zu arbeiten. Im Februar reichte ich schweren Herzens die Scheidung ein, da sich mein Mann dem Islam nach 1 1/4 Jahren nicht geöffnet hatte und mir klar wurde, dass wir, wenn wir zusammenbleiben, fiüher oder später beide innerlich zerbrechen werden. Bis dahin war für mich eine Scheidung unter allen Umständen undenkbar, aber mehr und mehr kam ich zu dem Schluss, dass ALLAH (t) anderes mit mir vor hat. Mein Mann sieht das jedoch anders, nach seiner Glaubensauffassung hat man nachdem man sich das Ja-Wort einmal vor Gott gegeben hat für immer zusammenzubleiben, auch wenn man die Trennung für ALLAH(t) macht.. Das ist der schwerste Schritt den ich in meinem Leben bis jetzt tun muss. Meine Ehe ist am Ende und ich zerstöre das Familienglück meiner Kinder. Aber INSHA ALLAH wird diese schwere Entscheidung nicht ohne Lohn bleiben, denn ALLAH(t) weiß, dass ich diesen Schritt tue, um nach seinem Gesetz zu leben. In dieser Situation musste ich an Ibrahim (a.s.) denken, der sich von seinem geliebten Vater trennen musste. Ich bin für alles offen und INSHA ALLAH leitet ALLAH (t) mich auf dem geraden und gerechten Weg. Ich befinde mich täglich in meinem kleinen Jihad. Aber aus jeder Prüfung auf dem Weg zu ALLAH(t), merke ich seit Anfang an, gehe ich gestärkt hervor und so bin ich mir sicher, dass ich auch aus der Trennung von meinem Mann - INSHA ALLAH gestärkt hervorgehen werde.

Ich hoffe ich kann durch die Beschreibung meines Weges einigen Schwestern und Brüdern Mut machen, die Anstrengung auf dem Weg des Islam auf sich zu nehmen. Die Anstrengung in diesem Leben mag groß sein und manchmal hart und unüberwindlich erscheinen, aber dieses Leben ist so kurz und der Lohn für diese Anstrengungen wird unvorstellbar groß sein.
April 2001 Sajida

Ps:bei Fragen bezüglich der islamischen Begriffe:bitte stellt sie.