Puh, eigentlich müsste ich längst schlafen, aber ich fand die Diskussion hier sehr spannend und habe sie bis zuende gelesen. Mir ist wieder klar geworden, warum ich mich mit keiner Religion wirklich identifizieren kann (wohlgemerkt, ich bin KEIN Atheist, das ganze ist etwas komplizierter). Ich bin kein Islam-Experte und was das Judentum betrifft, da kenne ich mich auch kaum aus. Ich bin christlich erzogen worden und auch heute noch Mitglied der Kirche, obwohl ich mich wie gesagt, nicht mehr so ganz damit identifizieren kann.
Ich glaube nicht, dass eine der Religionen - Islam, Christentum, Judentum - besser oder schlechter ist als die andere und ich toleriere alle gläubigen Menschen, die ihr Leben nach ihrer Religion ausrichten, so lange dies nicht fanatisch ist. Fanatismus ist nicht an eine bestimmte Religion gebunden, diese Erscheinung gibt es bei allen dreien der aufgezählten Religionen, zum Glück sind das immer Minderheiten.
Mein Problem ist: Jede dieser drei Religionen definiert Regeln, die sicherlich zu irgendeiner Zeit an irgendeinem Ort mal ihren Sinn hatten. Jedoch ändern sich die Zeiten. Wenn der Papst die Pille in einer Zeit verbietet, in der sich die Weltbevölkerung unaufhaltsam vermehrt, dann kann das nicht richtig sein. Wenn muslimische Eltern ihrer Tochter verbieten, mit einem Christen zusammen zu sein, den sie liebt, dann verstehe ich nicht, wie das im Sinne eines Gottes sein kann, der Gutes für seine Gläubigen will. Mir ist so ein Fall bekannt: Ein Freund von mir ist mit einer Muslimin zusammen. Er selber studiert evangelische Theologie. Es ist eine glückliche Beziehung, aber sie muss vor den Eltern des Mädchens geheim gehalten werden. Das ganze ist eine sehr große Belastung für die beiden, das kann sich sicherlich jeder vorstellen.
Der Grund, warum ich ein gespaltenes Verhältnis zur Religion habe, ist, dass sie die Freiheit des Geistes einschränkt, indem sie Regeln definiert, die nicht hinterfragt werden dürfen. Warum gibt uns Gott den Geist, wenn wir ihn einsperren müssen? Ich kenne andere Beispiele sowohl von Muslimen als auch von Christen, die das offener sehen, die Regeln nicht wörtlich auslegen, sondern das ganze in Bezug auf die Geschichte und die Gesellschaft der Zeit sehen, in der diese Regeln entstanden sind. Für mich gibt es keine perfekte Religion. Man sollte sich mit möglichst vielen Religionen und Glaubensformen auseinandersetzen, aber bei Sätzen wie "Ungläubige kommen nicht ins Paradies", frage ich mich, ob gewisse Glaubenssätze (in der Bibel findet man sicherlich ähnliche Formulierungen) nicht hinterfragt werden sollen.
Ich hoffe, ich habe niemanden damit beleidigt, das war nicht in meinem Sinn. Ich wünsche mir ein friedliches Miteinander zwischen allen Religionen!
Oh je, es ist nicht die richtige Uhrzeit für so tiefschürfende Gedanken! Bis dann!