Hallo, ich hoffe es ist okay, wenn ich mich mal relativ unbekannterweise in diese Diskussion bezüglich eines ja recht persönlichen Themas einmische:

Ich habe meinen Glauben an das Christentum auch schon längst aufgegeben. Spätestens, wenn man sich mit der Geschichte der "Heiligen" katholischen Kirche beschäftigt, wird man feststellen müssen, daß sie nicht nur ihre moralische Legitimität verloren hat, sondern auch noch völlig unglaubwürdig ist. Was man mit Jesus schon im Laufe der ersten Jahre nach seinem Tod angestellt hat, ist ja nicht mehr feierlich! Mußte man vielleicht, um die Religion zu verbreiten, um mehr Leute davon zu überzeugen, aber für mich ist das nichts.

Ich habe die Thora nicht gelesen, aber für mich als Christin ist es ja nichts besonderes, wenn der eigene Glaube als der allein seligmachende propagiert wird. Mich stören so viele andere Dinge im gelebten Judentum, daß ich einfach keinen Zugang dazu bekomme.
Der Islam wäre eine Religion, die durchaus für mich akzeptabel wäre. Ich sage immer, wenn überhaupt eine Religion, dann der Islam. Aber da kommt das aber. Ich finde alle Religionen schwierig. Nicht unbedingt in der Substanz, die mag im Islam ja überzeugen, aber bei einem Übertritt zum Islam schließe ich mich einer ganzen Glaubensgemeinschaft an. Und davor habe ich Hemmungen. Es ist doch wie in den anderen beiden Religionen auch. Es gibt immer Leute, die eine Religion zum Werkzeug machen und sie falsch leben. Das ist mit Religionen doch sehr leicht möglich, weil sie Menschen im Herz berührt und sie sind bereit, jede Dummeheit zu machen, wenn sie jemand davon überzeugt, daß es im Namen ihrer Religion geschieht.

Wenn ich sehe, was in der Geschichte durch Religionen alles für Unheil angerichtet wurde, da schließe ich den Islam eben auch ein, kann ich mich keiner Glaubensgemeinschaft anschließen, auch wenn mir die Religion als solche gefallen würde.

Ich glaube an Gott und lese die heiligen Schriften Bibel und Koran und ziehe das aus beiden heraus, was mich anspricht. Die Bibel enthält ja auch interessante Dinge, über die es sich lohnt nachzudenken. Dafür wurde sie ja auch gemacht. Und niemand hat jemals behauptet, jedenfalls nicht daß ich wüßte, und schonmal gar nicht in der Neuzeit, daß die Bibel Gottes Wort ist. Jeder weiß, daß sie von Menschen gemacht ist, aber sie hat eben einen Bezug zu Gott und die Inhalte sind teilweise gar nicht so doof.
Der Koran soll eben Gottes Wort sein, wobei ich auch das nicht ganz glauben kann, aber das bleibt ja jedem selber überlassen und die Bedeutung des Textes wird dadurch für mein Leben nicht geschmälert.

Ich möchte hierbei übrigens, weil mir der Koran eben sehr am Herzen liegt, jeden davor warnen, sich den Koran zu kaufen, sich ihn vorzuknöpfen und ein bißchen darin zu schmökern. Von der zweiten Sure wird man vielleicht noch eine Seite schaffen und ihn dann frustriert zur Seite legen. Stimmen die wirklichen Islam-Kenner mir da nicht zu?

Man braucht unbedingt einen Koran-Kommentar, um einen Zugang zu diesem schwierigen Buch zu bekommen. Sonst versteht man nicht, worum es überhaupt geht!

Viele Grüße
Tina