Samstag 22. September 2001, 15:13 Uhr
USA wollen afghanische Zivilbevölkerung verschonen
Washington/Peshawar/Dubai/London (dpa) - Die USA verfügen nach Angaben von Außenminister Colin Powell über genügend Beweise, um dem mutmaßlichen Terroristenchef Osama Bin Laden in den USA den Prozess zu machen. Schon vor den Anschlägen in New York und Washington hätten genügend Beweise für eine Anklage ANZEIGE
wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgelegen, sagte Powell Freitagabend der BBC.
Powell kündigte an, die USA wollten bei möglichen Konsequenzen gegen Afghanistan die Zivilbevölkerung so weit irgend möglich schonen. «Wir werden nicht die afghanische Bevölkerung verfolgen», sagte er. «Wir werden sehr, sehr darauf bedacht sein, nicht Unschuldige zu treffen.»
Bei einer Militäraktion zur Aufspürung Bin Ladens in Afghanistan wollen die USA und Großbritannien nach einem Bericht der «Financial Times» im Alleingang handeln. Nach Informationen des Blattes sind sich Präsident George W. Bush und Premierminister Tony Blair einig, dass für eine derartige Militäraktion eine «straffe Kommandostruktur» notwendig sei. Derweil ging der militärische Aufmarsch der USA weiter. Mehrere B-52-Langstreckenbomber starteten im US-Bundesstaat Louisiana mit unbekanntem Ziel. In Fernost verließ der Flugzeugträger «Kitty Hawk» seinen japanischen Stützpunkt.
Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union bekräftigten Freitagabend auf einem Sondergipfel in Brüssel ihre Bereitschaft, den USA im Kampf gegen den Terror uneingeschränkt zur Seite zu stehen. Über militärische Details sei allerdings nicht gesprochen worden, teilte Bundeskanzler Gerhard Schröder mit. Er betonte, dass es nicht um einem Kampf gegen den Islam oder die arabische Welt gehe.
Millionen Fernseh-Zuschauer in der ganzen Welt haben in der Nacht zum Samstag eine gigantische Benefiz-Show für die Opfer der Terrorattacken in den USA verfolgt. Die berühmtesten US-Stars aus der Musik- und Film-Szene traten gleichzeitig an geheimen Orten in New York und Los Angeles auf die Bühne und erinnerten in Kurzgeschichten an heldenhafte Helfer und tragische Einzelschicksale während der Anschläge vergangene Woche.
31 amerikanische TV-Kanäle und mehr als 8000 Radiosender übertrugen die Veranstaltung. Auch in Deutschland wurde die Show von den großen Fernsehsendern live übertragen. Schon bis kurz nach der Live-Sendung im Osten der USA seien 116 Millionen Dollar (244 Mio Mark/128 Mio Euro) an Spenden eingegangen, sagte ein Teilnehmer. Eine endgültige Spendenbilanz steht erst in einigen Tagen fest.
Afghanistan meldete am Samstag den Abschuss eines unbemannten ausländischen Spionageflugzeugs und eines mit Munition beladenen Hubschraubers in der Nordprovinz Samangan. Taliban-Sprecher Abdul Hayee Motmaen sagte in Kandahar, die Herkunft der «Drohne» sei unbekannt. Das Pentagon in Washington lehnte jede Stellungnahme ab.
In der kanadischen Stadt Toronto ist nach Medienberichten ein Mann festgenommen worden, der am 11. September mit mehreren falschen Pässen und einer Flugbegleiter-Uniform nach Chicago fliegen wollte. Wie der Nachrichtensender CNN meldete, befand sich der Mann an Bord einer Lufthansa-Maschine, die nach den Terrorattacken nach Kanada umgeleitet wurde. In Großbritannien wurden am Freitag drei Männer und eine Frau unter dem Verdacht der Terror-Beihilfe festgenommen. In Deutschland erließ die Bundesanwaltschaft Haftbefehle gegen zwei flüchtige Hamburger Studenten arabischer Herkunft.
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben am Samstag die diplomatischen Beziehungen zum Taliban-Regime abgebrochen. Man habe die Taliban gedrängt, der Forderung nach Auslieferung des gesuchten Osama Bin Laden nachzukommen, verlautete aus dem Außenministerium. Da keine positive Antwort gekommen sei, sei der Abbruch unvermeidlich gewesen. Die VAE waren neben Pakistan und Saudi-Arabien die Einzigen, die die Taliban-Regierung in Kabul anerkannt hatten.
auch das finde ich für alle sehr interessant
Claudia
steht auch im Allgemeinen Teil .
Claudia