Die Welt wird immer verrückter. Terror, Menschenverachtung, Hass, wohin man schaut. Aber auf der anderen Seite auch unfassbare Sorglosigkeit, Unbefangenheit, Nachlässigkeit, die (gerade bei jungem Menschen) fast bis zur Todessehnsucht reicht. Es werden Risiken eingegangen, die nicht mehr kalkulierbar sind, kalkulierbare Risiken werden bewusst ausgereizt bis zum Anschlag.
Solange Alles gut geht, ok. Aber wenn es dann doch schief geht: Suchen wir uns schnell einen Schuldigen!
Verantwortung für sich selber mag kaum noch einer übernehmen. Lieber verlässt man sich auf Rechtsanwälte, Produkthaftungsgesetze, Ersatzansprüche....

Was dem kleinen Jungen passiert ist, ist sicher schrecklich, ohne jeden Zweifel. Das sein Leben ruiniert ist - steht auch ausser Frage. Aber wer - ausser den Idioten, die diesen Tankzug in die Luft jagten - kann wirklich etwas dafür? TUI? Seine Eltern? Gott? Ich weiss es nicht. Nur das der Wahn auf dieser Welt immer grösser wird, das wird mir täglich klarer.
Wir leben in einem Zeitalter, wo Raucher (die ja wohl freiwillig rauchen -ich jedenfalls) Zigarettenkonzerne verklagen können, wenn sie Lungenkrebs kriegen.
Wo Adipositöse MacDonalds verklagen können, wenn sie sich (ja wohl auch wieder freiwillig) an Hamburgern gesundheitsschädigend fett gefressen haben.

Menschheit, was willst du eigentlich? Das Rundum-Sorglos-Paket, egal, welchen Mist du machst, welches Risiko du eingehst - immer einen Allzwecksündenbock für jede Eselei, die du begehst? Wirst du nicht finden.... Jeder ist letztlich doch für sich verantwortlich. Oder brauchen wir jetzt auf jedem Flugticket, Videospiel, Fertigmenü auch den Hinweis: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie....

Es mag hart klingen, aber was Adrian passiert ist, ist gemeinhin wohl das, was man Schicksal nennt. Die wirklich Schuldigen werden keinen Cent für ihn zahlen - man kann nun nicht krampfhaft andere Schuldige suchen. Dann könnte man gleich das Auswärtige Amt verklagen - schliesslich haben sie keinen Warnhinweis auf ihrer Seite gehabt... Aber woher hätten sie das auch wissen sollen?

Als ich in den Libanon flog, wurde ich verständnislos angeschaut, wie ich so ein Risiko eingehen könnte. Ich schaute genauso verständnislos zurück: Welches Risiko? Zu sterben? Einem Anschlag zum Opfer zu fallen? Nein, davor hatte ich keine Angst. Da habe ich mehr Angst, mich um 23.47 h am Frankfurter Hauptbahnhof aufzuhalten. Vor Terror sind wir heute nirgendwo auf diesem Planeten mehr sicher. Nicht mal in den eigenen vier Wänden, wenn man es ganz eng betrachtet. Wir können uns davor nicht verstecken, ihm nicht entkommen, wenn er uns treffen soll, wird er das tun. So wie es viele Asylanten und Flüchtlinge schon traf, die in der Hoffnung auf Sicherheit nach Deutschland kamen - und hier in den Flammen starben, die deutsche Terroristen (auch als Neo-Nazis bekannt) in ihren Unterkünften entfachten.

Es ist an der Zeit, mit Schuldzuweisungen aufzuhören und etwas zu ändern. Wir Alle sind verantwortlich für das, was auf dieser Welt geschieht. Hören wir auf, den Kopf abzuwenden, die Ohren zuzuhalten, nicht betroffen zu sein. Wir sind es mittlerweile - ausnahmslos. Es liegt an uns, aus dieser Welt wieder einen besseren Platz zu machen...
Fangen wir an? Übernehmt wieder Verantwortung, baut Brücken, schafft Verständnis - und setzt auch wieder bewusst Grenzen, auch, wenn das manchmal unbequem ist...

In diesen Sinne uns Allen einen schönen Tag - einen neuen, bewussteren, verantwortungsvolleren Tag, als Gestern war...