Für alle die nicht wissen um was für einen Prozeß es sich handelt hier die Infos dazu:

Stand: 01.09.2004
TUI weist Forderung von Djerba-Opfer zurück
Prozess um Schmerzensgeld für einen Jungen aus NRW

Hätte der Reisekonzern TUI von der Gefahr eines Anschlags auf Djerba wissen können? Um diese Frage geht es in dem Prozess, der am Mittwoch (01.09.04) vor dem Landgericht Hannover begonnen hat. Ein fünfjähriger Junge, der damals schwerste Verbrennungen erlitt, klagt gegen den Konzern. Die Richterin äußerte sich zurückhaltend zu den Erfolgsaussichten.

Eine Haftung der TUI-Tochter 1-2-Fly GmbH komme nur in Betracht, wenn das Unternehmen "konkrete Anhaltspunkte" für eine Gefahr gehabt habe, sagte die Vorsitzende Richterin der 13. Zivilkammer, Britta Knüllig-Dingeldey, in der mündlichen Verhandlung über die Schmerzensgeldklage. Die Kammer werde berücksichtigen müssen, dass das Auswärtige Amt im April 2002 nicht vor Reisen nach und in Tunesien gewarnt habe. "Die Frage wird sein, auch wenn es sich brutal anhört, ob sich hier ein allgemeines Lebensrisiko verwirklicht hat", sagte die Richterin unter Hinweis auf die gestiegene Terrorgefahr nach den Anschlägen vom 11. September 2001.

Video & Audio

Djerba-Opfer klagt gegen TUI
[Aktuelle Stunde (01.09.04), 3'01] (Video)
http://www.wdr.de/themen/_config_/bin/mkram.jhtml/mk.ram?rtsp://ras01.wdr.de/online/2004/ panorama/unfall/djerba_verhandlung_040901.rm

Prozessauftakt gegen TUI
[WDR 5 Echo des Tages (01.09.04), 1'33] (Audio)
http://www.wdr.de/themen/_config_/bin/mkram.jhtml/mk.ram?pnm://ras02.wdr.de/online/2004/ panorama/unfall/explosion_djerba/prozessauftakt_040901.rm

Reiseanbieter stärker in die Pflicht nehmen

Die Eltern des Jungen, der bei dem Anschlag schwere Verletzungen erlitten hat, werfen dem Reisekonzern hingegen vor, die Informationspflicht verletzt zu haben. Bereits im Vorfeld des Tagesausfluges auf Djerba habe es Hinweise auf eine Gefährdung gegeben. "Wenn wir die Informationen gehabt hätten, wären wir nicht zur Synagoge gefahren", sagte Vater Michael Esper, der auch Geschäftsführer des Deutschen Opferschutzbundes Djerba ist.

Er verlangt für seinen Sohn 100.000 Euro Schmerzensgeld sowie eine monatliche Rente und Betreuungskosten. Er betonte, dass es ihm bei seiner Klage darum gehe, die Reiseanbieter im Sinne der Produkthaftung stärker in die Pflicht zu nehmen. Der Veranstalter 1-2-Fly, der zum weltgrößten Reisekonzern TUI gehört, lehnt die Forderungen ab.

TUI-Anwalt: "Unruhen hat es in Tunesien nicht gegeben"

TUI-Anwalt Alfred Pesch sagte: "Die von Ihnen beschworenen Unruhen hat es in Tunesien nicht gegeben." Eine einzige Demonstration, die "aus dem Ruder gelaufen" sei und bei der einzelne Teilnehmer Steine geworfen hätten, sei "kein Anlass" für den Veranstalter, eine Reise oder einen Ausflug abzusagen. "Wir sind nicht der Geheimdienst", meinte Pesch weiter. Auch das Auswärtige Amt hatte noch am Tag vor dem Anschlag nur vor Kleinkriminalität in Touristenhochburgen gewarnt.

Adrian und seine Eltern hatten am 11. April 2002 bei einem Tagesausflug die Synagoge La Ghriba besucht. Vor dem Gebäude ließen Terroristen einen Tankwagen explodieren. 21 Urlauber und der Attentäter starben, Adrian erlitt schwerste Verbrennungen an 40 Prozent seiner Haut. "Er wird sein Leben lang auf Hilfe angewiesen sein", sagte Richterin Knüllig-Dingeldey. Vor Gericht war der Junge nicht erschienen. "Wir wollten ihm ein Spießrutenlaufen ersparen", sagte sein Vater nach der Verhandlung.

Keine gütliche Einigung vor der Verhandlung

Adrian vor dem Unglück

Vor der Verhandlung hatten sich die Familie aus Bergkamen und der Reisekonzern nicht gütlich einigen können. Das einzige Gespräch war ergebnislos abgebrochen worden. Nun wollen sich beide Seiten eventuell noch einmal außerhalb des Gerichtssaals unterhalten.

"Einen Vergleich kann man sich immer vorstellen", sagte Anwalt Pesch. Dies bedeute jedoch kein Schuldeingeständnis, sondern geschehe dann aus rein humanitären Gründen. Allerdings sei eine grundsätzliche juristische Klärung für alle Reiseveranstalter in Deutschland wichtig. Adrian Esper hat bereits 250.000 Euro aus einem Opferfonds der Bundesregierung erhalten. Richterin Knüllig-Dingeldey will am 27. Oktober eine Entscheidung verkünden.

Links zum Thema:

Djerba-Opfer klagt auf Schmerzensgeld
wdr.de vom 25.08.04
http://www.wdr.de/themen/panorama/unfall/explosion_djerba/klage_hannover.jhtml
Djerba-Opfer klagt gegen Reiseunternehmen
TUI weist die Vorwürfe zurück (12.04.04)
http://www.wdr.de/themen/panorama/unfall/explosion_djerba/klage.jhtml
Christian G.: Doch kein hoher El-Kaida-Mann?
Bundesgerichtshof: Kein Haftbefehl aus Deutschland (13.06.03)
http://www.wdr.de/themen/panorama/unfall/explosion_djerba/christian_g.jhtml
Djerba-Opfer aus Bergkamen - ein Jahr danach
Langer Weg bis zur Genesung (11.04.03)
http://www.wdr.de/themen/panorama/unfall/explosion_djerba/ein_jahr_danach.jhtml
Djerba-Opfer treffen sich mit Bundesjustizministerin
Gründung eines Schutzbundes geplant (12.06.02)
http://www.wdr.de/themen/panorama/unfall/explosion_djerba/dialog_bundesregierung.jhtml
Djerba-Opfer klagen an
Familie aus Bergkamen will Schadenersatz (10.05.02)
http://www.wdr.de/themen/panorama/unfall/explosion_djerba/schadenersatz/schadenersatz.jhtml
Verletzte Djerba-Touristen sind zurück
Schily: Indizien deuten auf einen Anschlag (12.04.02)
http://www.wdr.de/themen/panorama/unfall/explosion_djerba/index_1304.jhtml
Deutscher Opferschutzbund Djerba e.V.
Seite der Initiative von Opfern und Hinterbliebenen des Anschlags in Djerba
http://www.opferschutzbund.de

URL:

http://www.wdr.de/themen/panorama/unfall/explosion_djerba/prozessbeginn.jhtml

© WDR 2004