Original geschrieben von: Malcolm
sondern auch so einfach nur stinkegoistisch sind. Und das ist leider wahr, nur zu wahr. Es gibt diese Sorte Mensch, die einen Rolls Royce fährt und auf dem Mond Urlaub macht, aber noch dem ärmsten aller Bettler in die nackte Tasche greifen möchte.


Bei allem Verständnis für Deine Situation - ich habe übrigens schon mal eine Weile im Kofferaum eines Autos geschlafen - warum sollte man jemandem seinen Egoismus übel nehmen? Das ist eben seine Lebensauffassung, daß er sich und die Seinen zuerst versorgen will, und zwar bestmöglich. Auch dafür gibt es Gründe, ich kann mir sogar einige gute vorstellen, z.B. den Konkurrenzdruck, negative eigene Erfahrungen, etc.
Und - warum sollte nicht jemand mit seinem Geld seine teureren Wünsche erfüllen dürfen? Wer weiß es schon, wie lange das noch möglich ist...

Zum Problem wird das jedoch, wenn nicht mehr nur wenige einzelne so denken, es also eine Einzelerscheinung ist, sondern mehr und mehr, es also eine systemische Eigenschaft wird - und genau dies ist die Situation, die wir nicht nur in Deutschland erleben. Kostenoptimierung um jeden Preis oder das Anbieten von besonderem Service ist die eine Seite der Medaille, sinkende Reallöhne und staatliche Lohnkostensubventionierung die andere. Und obendrauf kommt dann das Argument "wenn Du rege bist, flexibel und gut lernst, dann verdienst Du auch etwas", das impliziert daß ein Minderverdienst stets auf charakterliche Mängel zurückzuführen sind.

Original geschrieben von: Malcolm

Ich denke, wenn ein Mensch nur auch ein bißchen inneren Reichtum hat, nicht ein Karrierist mit Dollarzeichen in den Augen, dann hat er auch dieses Bedürfnis, von seinem inneren Reichtum etwas abzugeben.

Wir leben nun einmal in einer Zeit, in der Geld, Popularität und Schönheit eine große Bedeutung haben - und ich kann nicht die Seitenbemerkung verhehlen, daß dies nicht zuletzt das Ergebnis von Erziehung und Propaganda und Mißinformation ist.

Und das dies so ist, wie es ist - warum sollte dann jemand den Wunsch verspüren, etwas abzugeben, von dem, was heute den Menschen ausmacht? Er würde dadurch ja "ärmer" und sein Status schlechter.

So werden zum Beispiel von politischer Seite stets die Exportüberschußrekorde Deutschlands als Ausweis seines Wertes bezeichnet, seiner Fähigkeiten, Arbeitskraft und des Arbeitswillens.
Daß die Exporte des einen die Importe des anderen sind, bleibt dabei unerwähnt (denn wo ein Überschuß ist, muß andernorts ja ein Mangel sein), und daß viele Exporte nur deshalb zu verkaufen sind, weil der Kredit, um sie zu bezahlen, gleich mitgeliefert werden muß (oder in Form von Buchgeld angeschrieben wird, siehe Target), ebenfalls.

So besitzen 50% der Deutschen (die arme Hälfte der Bevölkerung, also etwa 40 Millionen Menschen) weniger Vermögen als die zehn (10!) reichsten Deutschen. Und die reichsten 10% der Deutschen besitzen knapp Zweidrittel (65%) des privaten Gesamtvermögens, beide Werte, wohlgemerkt, mit langjährig steigender Tendenz.

Klingt das für Dich danach, als ob diejenigen, die etwas haben, es gerne abgeben? Abgeben tun in erster Linie die etwas, die schon wenig haben, und das geschieht aus Sympathiegründen mit denen, die gleich schlecht gestellt sind - vielleicht ist es altruistisch, wahrscheinlich aber nicht, denn Untersuchungen zufolge endet diese Teilungsbereitschaft, sobald jemand "mehr" hat.