Den Begriff "Islamist" kann ich wirklich nicht mehr hören. Ich habe heute auch mal Wikipedia konsultiert. Ergebnis: Genau das, was Du sagst, der Begriff ist letztenendes schwammig. Meiner Meinung nach ist es nur ein Kampfbegriff der Xenophoben.
In der öffentichen Betrachtung wird schnell von einem auf den anderen Begriff gesprungen, sobald der Eindruck entsteht, daß etwa negatives mit einem Begriff verbunden wird. Das fördert, speziell in den westlichen Staaten, ganz beträchtlich die Entwicklung des von Orwell beschriebenen "Neusprech" und "Doppelsprech".
Siehe hierzu auch diesen Artikel:
http://www.presseurop.eu/de/content/article/97151-huete-dich-vor-doppelsprechIn Deutschland gab es im Laufe der Zeit schon viele Begriffe für Menschen islamischen Glaubens, vom Muselmann über den Mohammedaner über den Moslem und Muslim hin zum Islamisten. Gemeint war zwar immer dasselbe, doch die Benutzer der Worte glauben eben, daß, ähnlich wie bei einer Bürste, sich ein Begriff verbraucht oder "schmutzig" wird und dann ein neuer her muß.
Aber ist Ennahdha wirlich "islamistisch"? Oder doch einfach nur "dezidiert islamisch"? Sowieso scheinen die nicht die absolute Mehrheit bekommen zu haben, also was soll die ganze Aufregung.
Islamisch - keine Frage, denn der Terminus "-ist(isch)" wird meist verwendet, wenn er auf eine negative Eigenschaft des Grundwortes hinweist (das kommt aus dem medizinischen Wortgebrauch und hat sich in die Allgemeinsprache eingeschlichen). "Islamisch" ist die Grundform, "islamistisch" ist es, wenn jemand in negativer Weise islamisch ist, also streng konservativ, extrem (wobei hier die Frage erlaubt ist, wieso das automatisch negativ sein muß...).
Die absolute Mehrheit haben die islamischen Parteien übrigens sehr wohl gewonnen. Für die Mehrheit werden 109 Stimmen benötigt, die Ennahda hat ca. 85 alleine und die Al Aridha (populistisch-islamisch) etwa 30, hinzu kommen noch die kleineren islamzugewandten Parteien mit einem Sitz hier und einem anderen dort, sowie Parteien, die sich von einer Zusammenarbeit Vorteile erhoffen.
Doch davon einmal ganz abgesehen - ein religiöser Staat übt nicht nur auf mich eine abschreckende Wirkung aus, die dort gültige Religion ist zweitrangig. Letzten Endes ist Religion in der Politik ein Ausdruck von Supremitätsdenken, und wenn das eifrig nach außen zur Schau gestellt wird, dann ist das selten positiv.
Anderersiets aber handelt es sich bei dem Wahlergebnis um den expliziten Ausdruck des Volkswillens. Und solange nicht das ausländische Wesen am westlichen Weltblick genesen soll, solange sollte man eher mit Spannung darauf schauen, was die Politiker dort mit IHREM Land für IHRE Bürger anstellen - daß der eine oder andere Westler da sein Billig-Urlaubsparadies in Gefahr sieht, wird weder das Volk, noch die Politiker dort sonderlich beeindrucken.
