Ramsi, unser letzter Reisebetreuer, erzählte, das Tourismusministerium versuche jetzt bei den Händlern aufklärend zu wirken („Es ist doch in deinem Interesse, dass Touristen nicht schlecht von dir erzählen, wiederkommen und vielleicht auch noch Freunde mitbringen.“).

Tunesienneulinge sind immer wieder frappiert über - na, ich nenn sie mal Schlepper.
Als Schlepper betätigt sich fast jeder in Tunesien. Es ist Teil des Geschäfts, dass der, der es angebahnt hat, Provision erhält. Das muss nicht allein der Taxifahrer sein, der dich irgendwo hingebracht hat, wo man dann auf geheimnisvolle Weise weiss, woher du kommst und dass du Deutsch sprichst.
Du wirst angesprochen:
„Ich bin Student, studiere Deutsch und möchte üben.“ „Ich kenne Sie von Ihrem Hotel. Dort bin ich Kellner (der Schwindler!) und habe jetzt meinen freien Tag.“ Alle haben natürlich gerade Zeit, erzählen dir von der Familie (ich war mir nie sicher, ob es wirklich die eigene oder eine erfundene war), vom Leben in Tunesien und bieten eine kleine Führung an, die zuletzt zu einem privaten Museum führen soll, das durch eine Hintertür betreten wird und - sich als Laden entpuppt.
oder
-„Heute ist das ‚Total-Erfunden‘-Fest, da erhalten alle Touristen, die erstmals hierher kommen von der Stadt ein Geschenk.“ Nimmst du es an, wird ein Gegengeschenk fällig. Du hast nichts im gleichen Wert? Oh, doch! Geld!
noch ein Gschichterl:
-„Du kommts aus Österreich? – Dich schickt der Himmel! Ich muss Freunden einen Brief schreiben und mache immer so viele Fehler. Bitte schreibe ihn für mich.“, schon schreibst du an Silke und Rolf, die eher in Kassel als in Wien wohnen (wie er behauptet). Was ihm aber viel wichtiger ist: du sitzt in seinem Geschäft!
Was gerne gesagt wird, ist, dass du einen besonders guten Preis bekommst, weil du der erste Kunde des Tages wärst und ein alter Aberglaube sage, dass den ganzen Tag nur gute Kunden kämen, wenn der erste zufrieden war. Das stimmt mal, mal auch nicht.
Es macht aber unsagbar Spaß, wenn du dich beim Einkauf auf das Handeln einlässt und deinerseits eine vorher präparierte Geldbörse mit nur wenigen Dinaren herzeigst, erzählst, dass du eigentlich nur einen Kaffee an der nächsten Ecke trinken wolltest, aber das Schmuckstück, das man dir zeigt wäre zu schön, aber viel zu teuer und morgen kannst du nicht mehr kommen, da bist du schon abgereist ... Auch wenn dann jeder weiß, dass der andere Märchen erzählt, bleibt es für alle Beteiligten ein Riesenspaß, bei dem der Preis auch mal auf 1/4 (!) fallen kann.
Wir erinnern uns dann immer an unseren ersten Besuch im Basar von Sousse, da erklärte uns ein Männchen von einem Händler: „Sie sagen zuerst, was Sie zahlen wollen, ich sage dann, was ich haben möchte. Passt es nicht, dann sind wieder Sie dran. Das machen wir solange, bis wir beide zufrieden sind – Handeln macht Spaß!“ –
Es stimmt, wenn du dich daran hältst: beide müssen zufrieden sein. Auch wenn andere sagen, du hättest schlecht (zu teuer) gekauft, erinnere dich lieber daran, dass du mit dem Preis zufrieden warst.