Und warum gibt es in Deutschland so hohe Leistungen und in Tunesien nicht? Weil es in Deutschland genügend Personen gibt, die so viel produzieren, daß Verdienst und Produktionsleistung so hoch besteuert werden können, um das zu finanzieren. Was der HIV-Empfänger bekommt, stellt also bereits eine Transferleistung dar, die anderen Personen, die die entsprechende Menge an Geld erwirtschaftet haben, weggenommen wird.
Ich bin mir sicher, daß, würde in Tunesien eine Besteuerung und ein Sozialtransfer wie in Deutschland stattfinden, man dort auch als Arbeitloser hinreichend leben könnte.
Zudem, Du übersiehst die von mir bereits mehrfach erwähnte normative Unterhaltspflicht in Tunesien, die, würde man sie auf Deutschland übersetzen, die Sozialleistungen nicht unerheblich mindern würde. So ist zum Beispiel in Tunesien ein Unterhaltsgeber dazu VERPFLICHTET, mittellosen Unterhaltsberechtigten (Kinder-Eltern-Großeltern) Nahrung und Unterkunft bereitzustellen. Wäre das in Deutschland ebenso, dann würden, schneller als man es glaubt, wieder 4, 6 und mehr Personen zusammen in einer 3-Zimmer-Wohnung wohnen und das gemeinschaftliche abendliche Eintopfessen wäre Standard.
Familienzusammenhalt ist nämlich keinesfalls eine romantische Besonderheit Tunesiens oder Lokalkolorit, sondern entstand auf der Erfordernis des knallharten wirtschaftlichen Kalküls eines Familien- und Stammeswesens, das seit Hunderten von Jahren jedem Menschen dort ins Blut und Gebein übergegangen ist. Da fragt niemand, ob die Aufnahme eines Familienmitgliedes in Not die Bequemlichkeit oder Befindlichkeit oder die Fähigkeit zur Selbstverwirklichung einschränkt - es gehört sich einfach, und fertig!