Kampf um Tunesiens Zukunftvon Thomas Schmid
Tunis - Auf der Avenue Habib Bourguiba im Zentrum der tunesischen Hauptstadt hat die Armee massiv Stellung bezogen. Vor dem Innenministerium und vor der französischen Botschaft stehen schwere Schützenpanzer. An einigen Seitenstraßen, die in den für den Verkehr inzwischen gesperrten Prachtboulevard münden, entscheiden zivil gekleidete Personen mit mächtigen Holzprügeln in der Hand, wer durchgelassen wird. Anderswo ist der Zugang wiederum frei. Es ist unwichtig. Hunderte knüppelbewehrter Zivilpolizisten haben hier ohnehin alles unter Kontrolle. Die Geschäfte sind schon seit drei Tagen ausnahmslos geschlossen. Die zahlreichen Straßencafés ebenso. Die quirlige Avenue Habib Bourguiba, wo sonntags in gewöhnlichen Zeiten Tausende flanieren, ist ausgestorben.
Aber die Zeiten sind nicht gewöhnlich. Der langjährige Präsident des Landes, Zine el Abidine Ben Ali, ist am Freitag nach Saudi-Arabien geflüchtet, nachdem er vorübergehend Premierminister Mohamed Ghannouchi als seinen Nachfolger eingesetzt hatte. Doch der blieb keine 24 Stunden in seinem neuen Amt. Der Verfassungsrat ernannte am Sonnabend – nach Artikel 57 der Verfassung, der den Fall eines Machtvakuums regelt – den Parlamentspräsidenten Foued Mbazaa zum Staatspräsidenten. Mbazaa, 77 Jahre alt und Sportminister unter Ben Alis Vorgänger Habib Bourguiba, gilt als braver Gefolgsmann des geflüchteten Despoten. Am Sonnabend betraute er Ghannouchi mit der Bildung einer Koalitionsregierung. Der Premier traf sich am Sonntag mit Oppositionspolitikern. Spätestens in zwei Monaten müssen laut Verfassung Präsidentschaftswahlen stattfinden. ........
mehr Der Artikel ist ziemlich lang - deshalb habe ich hier nur den Anfang rein kopiert - aber lesenswert.