"Das Prinzip einer weitgehenden Geschlechtertrennung ist ein wichtiger Aspekt der islamischen Lehre. Nicht nur in muslimischen Gesellschaften, sondern auch in fast allen anderen Kulturen ist dies eine immer übliche Praxis gewesen. Daß sich Männer und Frauen mit gebührendem Respekt und der nötigen Distanz begegnen sollen, wird aus den auch die Kleidung der Frau betreffenden Verse (Sure 24 und 30)deutlich, wo auch beide Geschlechter ermahnt werden, sich nicht anzustarren, etc. Zu Zeiten des Propheten war es eine Selbstverständlichkeit (wie auch bei den Juden und in anderen Kulturen), daß Männer und Frauen getrennt beteten, etc. Dies hat nicht das Geringste mit der Diskriminierung von Frauen zu tun oder gar ihrer Verbannung aus der Öffentlichkeit. Die Frauen im Frühislam (und nur dieser ist der authentische Islam, wie der Prophet ihn lehrte) waren überall präsent - Aisha, die Frau des Propheten, kämpfte sogar in Schlachten und nahm nie ein Blatt vor den Mund. Im Gegenteil ist diese Schaffung einer Privatssphäre besonders für Frauen ein Akt der Emanzipation: In getrennten Bereichen dürfen Frauen, in entsprechender Bekleidung, die Männerbereiche durchaus betreten - andersherum dürfen Männer jedoch nicht die Frauenbereiche betreten. Dort können sich die Frauen ihrer Kleidung entledigen, ungestört ihre Kinder stillen o.ä. Tatsächlich ist diese Art der Geschlechtertrennung z.B. auf Veranstaltungen unserer Gemeinde üblich - Frauen können sich dort frei bewegen. Leider wurde und wird dieses Prinzip der Geschlechtertrennung immer wieder zur Unterdrückung der Frau mißbraucht - wenn etwa Frauen in sogenannten islamischen Ländern keine Moscheen betreten dürfen, sofern diese keine Frauenbereiche haben, etc. Auch in der Diaspora ist es leider so, daß die Tatsache, daß hierzulande praktisch überhaupt keine Trennung zwischen den Geschlechtern besteht, dazu führt, daß Frauen und Mädchen überhaupt keine Freiheit mehr gelassen wird (während sich die Männer alle Freiheiten nehmen). Dies ist nicht Sinn der Sache, und auch nicht mit dem Islam zu rechtfertigen. Die gemischtgeschlechtlichen schulischen Veranstaltungen, besonders Reisen, sind allerdings aus islamischer Sicht eine sehr heikle Angelegenheit. Sie stellen hohe Ansprüche an das Selbst- und Verantwortungsbewußtsein der SchülerInnen, die ja noch sehr jung sind. Die SchülerInnen müssen wirklich sehr fest in ihrem Glauben verwurzelt sein, um dem Gruppenzwang standzuhalten. Es geht ja nicht nur um alltägliche (aber umso zermürbendere) Hänseleien bzgl. des Kopftuches oder des Nichttrinkens von Alkohol, etc. Auf Klassenfahrten - das ist Ihnen als Lehrer sicher nicht unbekannt - ist so ziemlich alles möglich, das nach islamischen Moralvorstellungen eine Katastrophe darstellt. Ich - die ich Ihnen diese Frage beantworte - bin sowohl weiblich als auch erfahren in Bezug auf Klassenfahrten. Meine Erfahrungen beschränken sich zwar auf die Klassenfahrten einer überwiegend katholischen Lateinklasse eines Gymnasiums, allerdings vermute ich stark, daß die Zustände in anderen Klassen eher noch - vorsichtig ausgedrückt - unislamischer sein dürften. Ich bin überzeugt, daß kein Lehrer imstande ist, eine Gruppe pubertierender Jugendlicher dergestalt zu beaufsichtigen, daß sich aus islamischer Sicht keine bedenklichen Situationen ergeben. Ich persönlich hätte große Bedenken, meine Kinder auf solche Klassenfahrten zu schicken, allerdings sollte dies unserer Meinung nach die persönliche Entscheidung der Eltern sein, die den Charakter ihrer Kinder sowie die Verhältnisse in der Schulklasse am besten kennen. Generell gilt dies jedoch sowohl für Jungen als auch für Mädchen. Traditionell fürchten muslimische Eltern oft einzig um den Verlust der Jungfräulichkeit ihrer Töchter, wobei es ihnen oft mehr um ihren eigenen guten Ruf als um die Einhaltung islamischer Gebote geht. Aus islamischer Sicht sind Klassenfahrten für Jungen nicht weniger bedenklich als für Mädchen.
Claudia
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