E R H O L U N G
Orientalische Hamams
D ieses orientalische Bad, das vor allem in der Türkei sehr beliebt ist, ist ideal zum Entspannen. Die Seele bildet ein so genannter Bauchstein, ein beheiztes, kniehohes Podest, auf das sich die Badegäste legen, um Wärme zu tanken.
In der Abfolge von vier Räumen wird dann die Temperatur langsam erhöht, so dass die Erwärmung stetig erfolgt und der Kreislauf nicht zu sehr belastet wird.
Nachdem man sich im Vorraum ausgezogen hat, kommt man in den Maslakh, den Ruheraum. Hier entspannt man und lauscht dem Geplätscher des Wassers in einem zentralen Trinkbrunnen.
Im nächsten Raum, dem Sogukluk, liegt die Temperatur bei 30 bis 40 Grad. Hier kann man sich mit der Bürste massieren bzw. von Freund oder Freundin massieren lassen.
Dann geht es ins eigentliche Dampfbad, das Halvet. Etwa 45 Grad beträgt die Temperatur hier. Die Luft ist angenehm feucht.
In Deutschland sind Hamams wie das Mathildenbad in München mitunter auch anders aufgebaut: Einem Teeraum, in dem etwas über die Geschichte des Hamams erzählt wird, folgt eine Duftecke, deren Dampf mit Rosenöl angereichert ist. Anschließend werden die Badegäste in den Raum geleitet, in dem der heiße Stein steht.
Während des 40-minütigen Aufenthaltes auf dem heißen Stein misst der Bademeister den Schwitzenden laufend den Puls. Der Mix aus Dampf und Wärme löst alte Hautschüppchen, die bei einer anschließenden Seifenmassage durch den Tellak, den Hamam-Meister, abgewaschen werden. Dieser massiert den Körper zunächst kräftig durch, rubbelt mit einem Handschuh aus Ziegenhaar alte Hautschüppchen ab und wechselt bei den nachfolgenden Waschungen die Temperatur – von anregend kühl bis wohlig warm.
Die Wassergüsse verbessern die Durchblutung und den Stoffwechsel. Der Kreislauf wird trainiert und der Sauerstoffgehalt im Blut steigt. „Wir führen Wechselbäder bis hin zur Eismassage durch. Und zum Abschluss gibt es eine kalte Dusche zum Aufwachen“, sagt Ugur Cillek, Leiter des Münchner Mathildenbades.
Das Hamam tut aber nicht nur dem Körper, sondern auch der Seele gut. „Durch Schwitzen, Dehn- und Atemübungen sowie die Massage des Körpers, der Reflexzonen und auch speziell des Kopfes gerät der Besucher in einen tranceartigen Zustand, in dem er sich völlig entspannt fühlt“, sagt Cillek.
Ayran, ein salzhaltiges Joghurtgetränk wird im Anschluss gereicht, um Salzverluste auszugleichen. Wer will, kann sich nach einem 20-minütigen Aufenthalt im Ruheraum einer intensiven Rosenölmassage unterziehen. Durch die Wärme, das Wasser und die Seifenmassage fühlen sich viele wie neugeboren. „Das sehen wir auch als Sinn des Hamam. Bei uns sollen die Leute Themen wie Arbeit, Geld, Religion, Politik oder körperliche Leiden völlig vergessen und sich endlich Zeit für sich selbst nehmen“, so Cillek. Das Hamam ist besonders geeignet bei Rheuma, Asthma, Muskelschmerzen und Migräne.