Original geschrieben von: sunny_m
Ja, Schule schon, das ist mir auch klar, aber den A1 Deutschtest, der für die Visa vorgeschrieben ist, den kann man nur am Goetheinstitut machen, bzw. nur wenn er dort abgelegt wurde, wird er von der Botschaft auch anerkannt


Der Test beim Goethe-Institut ist nicht "vorgeschrieben", hierzu gibt es sowohl Gerichstenscheidungen als auch entsprechende Verwaltungsanordnungen.
Der Test wird lediglich als eine geeignete Bestätigung für das Beherrschen der Sprache auf dem A1-Niveau anerkannt, WENN eine solche Bestätigung notwendig ist.

Wer z.B. ins Konsulat kommt und sich fließend auf deutsch verständigen kann, von dem wird nicht automatisch auch noch die Bestätigung davon durch einen Test verlangt.
Dasselbe gilt für Personen, die zwar kein deutsch sprechen, bei denen aber ein "erkennbar geringer Integrationsbedarf" besteht, z.B. jemand mit einem Hochschul/Berufsabschluß, mit dem er in Deutschland einfach Arbeit findet (nach Einschätzung der Botschaft und deutscher Behörden), diese Gruppe ist übrigens in Deutschland auch von der Teilnahme am Integrationskurs befreit. Für diese Gruppe wird allerdings meist das Beherrschen einer anderen "Verkehrssprache" verlangt, die auch in Deutschland berufstypisch ist, z.B. englisch oder französisch (auch türkisch dürfte wohl mittlerweile dazugehören...).

Wichtig ist also, daß derjenigen sich entweder in deutsch verständigen kann, oder aber so gute Qualifikationen besitzt, daß Deutschland ihn auch ohne Deutschkenntnisse "haben möchte".

Insofern ist das Gesetz erkennbar auf die Abwehr der Zuwanderung unqualifizierter Personen, und das auch nur aus bestimmten Ländern, gerichtet (z.B. Koreaner, Australier, Israelis, aber auch Honduraner (!) müssen z.B. keine Deutschkenntnisse nachweisen, auch wenn sie niemals im Leben eine Schule besucht haben).

In der Praxis fehlt mir da nach wie vor der Bezug zur Effektivität. Gerade am Freitag habe ich noch ein Mädchen getroffen, die aus Rumänien kommt, seit einem Jahr in Deutschland ist und sich nicht auch nur ansatzweise in deutsch verständigen kann. Einige Wochen vorher wurde ich von einer älteren Rumänin auf der Straße angesprochen, die mit ihren 5 Kindern in Deutschland lebt, auch hier war eine Verständigung trotz meiner Kenntnis mehrerer Sprachen fast unmöglich, denn sie sprach ausschließlich rumänisch. Immerhin stellte es sich heraus, daß sie zwar hier lebte, doch weder Arbeit hatte, noch irgendwelche Ansprüche an das Sozialamt gestellt hatte. Ein bekannter Spielhallenbetreiber am Ort beschäftigt durchweg junge Frauen aus Rumänien, Bulgarien und Polen, die alle kein deutsch sprechen (alle von denen dürfen zwar freizügig in Deutschland einreisen, doch noch bis 2014 darf keiner ohne weiteres arbeiten, was Tür und Tor für prekäre, illegale Arbeitsverältnissen und Mißbräuche öffnet).

Von dieser Sorte Personen gibt es mehr und mehr hier, und das täglich (und ich bin sicher, das sieht in anderen Großstädten ähnlich aus) - die sogenannten "türkischen Jungfrauen" treffen immerhin in Deutschland noch auf türkische Strukturen, die ihnen helfen können, die Frauen aus den osteeuropäischen EU-Ländern jedoch, die, wie auch immer, per Reisefreiheit hergekommen oder -gebracht werden, haben noch nicht einmal das und werden zum Teil mehr ausgebeutet, ausgenutzt und mißbraucht, als das bei den "Jungfrauen" der Fall ist.

Die ganze EU- und Einreiseregelung ist etwas für die Tonne. Ich bin früher ein aktiver, glühender Verfechter der EU gewesen, hätte ich es auch nur ansatzweise geahnt, zu was die Angelegenheit pervertieren sollte, wäre das nicht so gewesen...

<Haßkappe absetz>