Ich möchte in loser Folge über einige Ausflugsmöglichkeiten informieren, die man von den Touristenzentren aus hat und die vielleicht nicht in den Ausflugspaketen der Hotels angeboten werden. Als Transportmöglichkeit (abgesehen von dem komfortablen Mietwagen) bietet sich am ehesten ein Taxi an. Wenn man auf einer Stadtfahrt mal einen netten Fahrer findet einfach eine solche Tour vereinbaren und mit ihm einen Preis aushandeln. Für Pheradi Majus sind 2 - 3 Stunden ausreichend, wer weiter will sollte einen Tagessausflug einplanen.
Ausflug von Hammemet aus: Pheradi Majus Hammamet auf der P 1 nach Süden verlassen. Auf der P 1 folgt nach 15 km Bou Ficha mit einigen Restaurants, nach 24 km rechts abbiegen nach Sidi Khalifa. Der durch seinen Marabut berühmte Ort taucht nach 4 km auf. Die Überraschung bildet der gut erhaltene römische Triumphbogen auf den Hängen links vom Ort, zu dem eine Piste führt. Beim Näherkommen entdeckt man das weitläufige, eingezäunte Ausgrabungsgelände der antiken Stadt Pheradi Majus. Eine imposante Stadt muss sie gewesen sein, in herrlicher Lage mit Blick zum Meer. Das riesige, gepflasterte Forum lässt die Größe ahnen, der Reichtum kam sicher von den noch heute dort wachsenden Oliven, wie Reste von Ölmühlen bezeugen. Gut erhalten sind die Thermen mit farbigen Mosaiken sowie verzierten Badebecken. Bei meinem Besuch war die Stätte noch frei zugänglich, ist nun aber eingezäunt, Eintritt 1,100 TND.
Enfidaville Für einen Tagesausflug bietet sich die weitere Fahrt nach Enfida an. Weiter auf der P 1 zweigt nach 7 km die Straße rechts ab.
Gleich nach dem Bahnübergang folgt zunächst das Dorf Chegarnia mit den Ruinen des römischen Upenna, von den Arabern Henschir Fraga genannt. Durch den Ort liegen nach etwa 700 m links die Ruinen auf einer ebenen Fläche, darunter die Apsis einer dreischiffigen Basilika mit Taufbecken und Sarkophagen, verziert mit Mosaiken. Danach geht es rechts weiter zu einem Hügel, dort sind Reste der auf römischen Grundmauern errichteten byzantinischen Festung Henschir Fraga. Die besten Fundstücke dieser Ruinenstätte sind im Museum von Enfida ausgestellt.
Enfidaville war einst landwirtschaftliche Domäne im Besitz des Bey und wurde 1841 an eine französische Gesellschaft verkauft, die einen riesigen Musterbetrieb mit künstlicher Bewässerung anlegte. Auf den nicht bebauten Flächen entstanden Landarbeitersiedlungen. Erst unter den Franzosen wuchs Enfida als Zentrum, viele Gebäude zeugen von dieser Zeit. Heute ist die ganze Domäne in Staatsbesitz und verfügt allein über 20 ha Anbaufläche in Treibhäusern. Die Bedeutung als Marktzentrum zeigt sich in dem ausgedehnten Sonntagsmarkt am südlichen Ortsausgang, der auf die Bedürfnisse der Bauern ausgerichtet ist. Plüschkamele sucht man glücklicherweise vergebens, auf dem Viehmarkt werden vor allem Schafe angeboten, der Wolllieferant ist das wichtigste Tier der Region. Anders als im Süden, wo der Viehhandel absolute Männerdomäne ist, sieht man hier vereinzelt traditionell gekleidete Bauersfrauen.
In der ehemaligen Kirche nahe bei der Straßenabzweigung nach Zaghouan ist ein kleines Museum (8 - 12, 15 - 19 Uhr, 1,1 D) mit römischen Mosaiken aus Upenna und der nahegelegenen Basilika von Sidi Abiche, ferner Keramiken aus Ain Garci an der Straße nach El Fahs. An der Straße nach Zaghouan ist ein Soldatenfriedhof aus dem 2. Weltkrieg.
Am besten macht man diese Fahrt am Sonntag, da findet nahe der Stadt (Straße nach Sousse) der farbenprächtige und viel ursprünglichere Markt als in Nabeul statt.
Das nächstemal erzähle ich von Takrouna und mehr.
Tunesien