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Teppiche aus Kairouan
#32269
28/08/2002 06:45
28/08/2002 06:45
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Joined: Aug 2002
Beiträge: 143 Wiesbaden
Edith Kohlbach
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Wiesbaden
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Kairouan ist vor allem für seine Knüpfteppiche, Zarbia genannt, bekannt, die in alle Welt exportiert werden. Die Qualität richtet sich nach der Knotenzahl, die von 10.000 - 250.000 Knoten pro qm bis zu 500.000 Knoten bei Seidenteppichen betragen kann. Das staatliche Büro für das Artisanat (ONAT) prüft jeden einzelnen Teppich und versieht ihn mit einem Kontrolletikett, auf dem Qualitätsstufe (Supérieur, Premier Choix usw.) sowie die Knotenzahl vermerkt sind. Die Farben und Muster wurden stark durch die osmanische Herrschaft beeinflusst, richten sich heute aber auch sehr nach dem Geschmack der Touristen. Geknüpft werden die Teppiche nur von Frauen. In Manufakturen arbeiten junge Mädchen fast 50 Stunden in der Woche für gut 100 Dinar im Monat. Ehefrauen bevorzugen Heimarbeit. Sie kaufen die Wolle bei den zahlreichen kleinen Wollhändlern in der Medina, jede freie Minute wird gearbeitet unter Mithilfe aller weiblichen Familienmitglieder. Montag-, Mittwoch- und Samstagnachmittag ist Teppichversteigerung im kleinen, überdeckten Souk direkt hinter dem Bir Barouta. Dort haben die Teppichgroßhändler ihre Magazine - vollgestopft mit Waren -, die in der übrigen Zeit verschlossen sind. Hier ist nur das Zwischenlager, von hier wird verkauft an Teppichhäuser, selten an Privatkunden. Vor der Versteigerung werden die Teppiche im ONAT-Büro hinter dem Bab El Jeladin mit dem Qualitätssiegel versehen. Dann zieht eine richtige Karawane von Frauen, jede mit einer Teppichrolle auf dem Kopf, zum Souk. Die kleine Gasse ist gesäumt von Zuschauern und Interessenten, dazwischen sitzen geruhsam die Großhändler vor ihren Magazinen. Von den Frauen beauftragte Verkäufer laden sich die Teppiche auf ihre Schultern und drehen nun ihre Kreise in der kleinen Gasse, so schnell wie möglich, denn je mehr Teppiche sie verkaufen, um so höher wird die Provision. Hat einer Interesse, wird der Teppich ausgerollt, die Qualität geprüft und der Einstiegspreis um einige Dinar erhöht. Das geht alles rennend und schreiend vor sich, ein wahrhaftes Spektakel, das die Rundreisetouristen noch nicht entdeckt haben. Wird der Preis nicht mehr erhöht, fragt der Träger die Knüpferin, ob sie den Betrag akzeptiert und zahlt ihr dann die Summe abzüglich der Provision aus. Wer einmal in einem Teppichladen hart verhandelt hat, wird erstaunt sein, wie niedrig hier die Preise sind, die Frauen bekommen noch das wenigste für ihre wochenlange Arbeit. Eine ähnliche Versteigerung findet donnerstags in Ksibet el-Mediouni bei Monastir statt. Mehr über Kairouan sowie Fotos findet ihr hier: Kairouan
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Re: Teppiche aus Kairouan
#32272
28/08/2002 14:21
28/08/2002 14:21
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Joined: May 2001
Beiträge: 2,787 München
zabrata
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@ Karim: zu Deiner Info. Der SMIG - Salaire Minimum Interprofessionnel Garanti (also sowas wie der garantierte Mindestlohn-drunter geht nix) liegt in Tunesien bei 120 dinar. Und das verdienen nicht gerade wenige... Nur die meisten sind froh überhaupt einen Job zu haben. Mal wieder ist es so, dass du Robin Hood spielst, für Leute, die sich nicht beschweren!
Kannst du mir mal erklären, warum du permanent versuchst alles in Tunesien SCHLECHT zu machen? Mabrouk antwortest du ja nicht!
Ich gebe Dir ja ansatzweise recht, aber sollte man dennoch darüber diskutieren, wie schelcht es den Tunesiern wirklich geht und nicht andauernd irgendwelche Sachen ausgraben, die teilweise garnicht stimmen.
LG,
Nicole
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Re: Teppiche aus Kairouan
#32275
28/08/2002 18:22
28/08/2002 18:22
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Joined: May 2001
Beiträge: 44,033 Gera
Claudia Poser-Ben Kahla
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Gera
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Was man als Kind bekommt sicher nicht viel: Hier findet ihr viele Infos dazu: Kinderarbeit Kinderarbeit: Grenzenlose Ausbeutung Kinderarbeit gehört in vielen Ländern zum Alltag. Die Information geht ausführlich auf Zahlen, Fakten und Ursachen von Kinderarbeit und Kinderausbeutung ein. Die vielseitigen Strategien und Programme von UNICEF gegen die Ausbeutung von Kindern werden vorgestellt. 12 Seiten dort kommt ihr über Service und dann Suche Kinderarbeit hin http://www.unicef.de/download/PR010.pdfhttp://www.unicef.deClaudia
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Re: Teppiche aus Kairouan
#32279
29/08/2002 07:19
29/08/2002 07:19
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Joined: Aug 2002
Beiträge: 143 Wiesbaden
Edith Kohlbach
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Wiesbaden
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Jetzt muss ich aber doch einmal widersprechen, auch dir, liebe Claudia. Wir müssen einfach mal anerkennen, dass es auch andere Kulturen wie die unsere gibt, mit anderen Ausbildungssystemen. Hier bei uns findet die Ausbildung in der Schule statt, in die unsere Jugendlichen meist bis 18 oder zumindest bis 16 Jahre gehen. Danach folgt, falls sie nicht studieren - eine Lehre, in der sie einen Lohn bekommen, der unter dem Mindestlohn liegt, wenn es bei uns einen gibt. Weil sie in dieser Zeit nämlich etwas lernen, das sie für ihren späteren Beruf qualifiziert. In Tunesien und anderen nicht ganz so industrialisierten Ländern haben viele Eltern nicht die Mittel, ihre Kinder bis zum Abitur in die Schule zu schicken, was auch schlecht wäre, denn es gibt nicht genügend Arbeitsplätze für Akademiker. Daher kann sich jedes Kind glücklich schätzen, wenn es die Möglichkeit zu einer Ausbildung in einem Handwerksberuf findet. Ich kann mich gut an eine Diskussion auf dem letzten Welt-Kindergipfel erinnern, die im Fernsehen übertragen wurde. Dort schilderte eine Delegation aus Schwarzafrika ihre Probleme und selbst UNICEF-Vertreter mussten zugeben, dass dort einfach mit anderen Voraussetzungen gelebt und gemessen werden muss. In Tunesien geht ein Kind vielfach nur bis zur 5. Klasse in die Schule. Und wenn es Glück hat und danach einen solchen Ausbildungsplatz bekommt, wird es geringer bezahlt als eine ausgelernte Arbeitskraft. Wie ich schon schrieb, arbeiten in der Manufaktur junge Mädchen. Sie werden dort ausgebildet und können später, wenn sie heiraten, diese Teppichknüpferei in Heimarbeit und meist auch auf eigene Rechnung ausführen. Auch bei uns muss ein Azubi nicht so viel verdienen, um eine Familie ernähren zu können. Ich habe eine solche Manufaktur besichtigt und nicht den Eindruck bekommen, dass die Mädchen ausgebeutet wurden, die ich im übrigen für zwischen 14 und 20 ansah. Sie waren fröhlich und lustig und haben übrigens sehr langsam und gemütlich gearbeitet, wenn auch mehr als 7.30 Stunden. Das Arbeitstempo ist dort anders, man hat mal Zeit für einen Tee oder einen Plausch. Im übrigen stammen meine Lohnangaben von 1999, können also etwas veraltet sein.
Wenn ich persönlich etwas zu kritisieren habe, dann ist es die riesige Verdienstspanne, die die Teppichhändler bei dem Geschäft haben. Wenn ich einmal ein Beispiel aus Marokko erzählen darf, wo ich mich besser auskenne. Ein Kelim von knapp 2x3 m kostet auf dem Markt in Tiflet, wo die Knüpferin ihn direkt verkauft, etwa 600 bis 1000 Dirham (10 DH = 1 Euro). Davon hat sie die Wolle bezahlt und eine lange Zeit gearbeitet (Monate, aber nur in der Freizeit neben den häuslichen Pflichten). Die Käufer sind in der Regel Großhändler, die den Teppich für etwa 1200 - 1500 Dirham an die Teppichläden verkaufen. Und dort verhandelt man mit den Touristen und bekommt im Durchschnitt 3.500 Dirham für den gleichen Teppich. Das kritisiere ich und kann jedem nur raten, hart zu verhandeln. Nicht jedoch, wenn er die Möglichkeit hat, direkt bei den Frauen zu kaufen.
Es gibt nicht nur Teppichmanufakturen, sondern Ausbildungsstätten für fast alle Handwerksarten. In Kairouan in einer ehemaligen Medersa in der schmalen Gasse hinter dem Bir Barouta ist eine Handwerkerschule. Man kann sie besichtigen, die jungen Leute freuen sich über einen Besuch. Hier wird geschnitzt, gestickt, gemalt und alle die Sachen hergestellt, die man in den Boutiquen so findet.
Im Sinne von Karim könnte man jetzt vielleicht sagen, statt Animateure zu besichtigen sollte man lieber mal auf Entdeckungsfahrt gehen und sich so etwas anschauen. Dann kann man sich gut eine objektive Meinung bilden.
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