Kairouan ist vor allem für seine Knüpfteppiche, Zarbia genannt, bekannt, die in alle Welt exportiert werden. Die Qualität richtet sich nach der Knotenzahl, die von 10.000 - 250.000 Knoten pro qm bis zu 500.000 Knoten bei Seidenteppichen betragen kann. Das staatliche Büro für das Artisanat (ONAT) prüft jeden einzelnen Teppich und versieht ihn mit einem Kontrolletikett, auf dem Qualitätsstufe (Supérieur, Premier Choix usw.) sowie die Knotenzahl vermerkt sind. Die Farben und Muster wurden stark durch die osmanische Herrschaft beeinflusst, richten sich heute aber auch sehr nach dem Geschmack der Touristen.
Geknüpft werden die Teppiche nur von Frauen. In Manufakturen arbeiten junge Mädchen fast 50 Stunden in der Woche für gut 100 Dinar im Monat. Ehefrauen bevorzugen Heimarbeit. Sie kaufen die Wolle bei den zahlreichen kleinen Wollhändlern in der Medina, jede freie Minute wird gearbeitet unter Mithilfe aller weiblichen Familienmitglieder. Montag-, Mittwoch- und Samstagnachmittag ist Teppichversteigerung im kleinen, überdeckten Souk direkt hinter dem Bir Barouta. Dort haben die Teppichgroßhändler ihre Magazine - vollgestopft mit Waren -, die in der übrigen Zeit verschlossen sind. Hier ist nur das Zwischenlager, von hier wird verkauft an Teppichhäuser, selten an Privatkunden. Vor der Versteigerung werden die Teppiche im ONAT-Büro hinter dem Bab El Jeladin mit dem Qualitätssiegel versehen. Dann zieht eine richtige Karawane von Frauen, jede mit einer Teppichrolle auf dem Kopf, zum Souk.
Die kleine Gasse ist gesäumt von Zuschauern und Interessenten, dazwischen sitzen geruhsam die Großhändler vor ihren Magazinen. Von den Frauen beauftragte Verkäufer laden sich die Teppiche auf ihre Schultern und drehen nun ihre Kreise in der kleinen Gasse, so schnell wie möglich, denn je mehr Teppiche sie verkaufen, um so höher wird die Provision. Hat einer Interesse, wird der Teppich ausgerollt, die Qualität geprüft und der Einstiegspreis um einige Dinar erhöht. Das geht alles rennend und schreiend vor sich, ein wahrhaftes Spektakel, das die Rundreisetouristen noch nicht entdeckt haben. Wird der Preis nicht mehr erhöht, fragt der Träger die Knüpferin, ob sie den Betrag akzeptiert und zahlt ihr dann die Summe abzüglich der Provision aus. Wer einmal in einem Teppichladen hart verhandelt hat, wird erstaunt sein, wie niedrig hier die Preise sind, die Frauen bekommen noch das wenigste für ihre wochenlange Arbeit.
Eine ähnliche Versteigerung findet donnerstags in Ksibet el-Mediouni bei Monastir statt.
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