Totensonntag, 22 November 2009.
Auf den Tag genau vor fünf Monaten wurde Rolando Holtz in Gammarth bei Tunis am Strand ermordet. Michael und ich werden heute Nachmitag wieder zu Rolando ans Grab fahren, um dort ihn und allen anderen Verstorbenen die wir liebten und kannten zu gedenken.
Vor vier Wochen haben Michael und Ich Schneeglöckchen und Krokusse, Rolandos lieblings Blumen, um den Grabstein gepflanzt. Ende Janauar müßte dann ein Blumenmeer um seine Grabstätte gewachsen sein. Vielleicht sieht er das von einer anderen Dimension aus und freut sich rießig über die kleinen blühenden Frühlingsboten. Ein Bateriebetriebenes Grablicht (bei Aldi gekauft und nicht jedermanns Geschmack) leuchtet Rolando schon seit vier Wochen in den dunkelnen Stunden dieser kalten, trüben Jahreszeit.
Rolando hatte sich so auf die Verfilmung des Buches "die Papstin" gefreut, die gerade erfolgreich in unseren Kinos läuft. Wir wollten zusammen in diesen Film gehen, für vier Tage nach Doha Katar fliegen, Weihnachten zusammen feiern und zu Silvester mit Sekt auf ein neues Jahr anstoßen.
Aber ein immer noch freilaufernder Mörder, hat unsere Zukunftsaussichten radikal geendert.
Michael geht wieder arbeiten, hat das Trinken angefangen und geht immer noch regelmäßig zum Psychiater.
Ich schlucke heimlich Beruhigungspillen und lächle dann entspannt meine Umwelt an. Wir haben uns beide negativ verändert. Aber da müßen wir selbt raus, eine Patentlösung
haben wir bisher leider nicht gefunden.
Darum warne ich immer noch von Alleinreisen in den norden Tunesiens. Insbesondere die homosexuellen Touristen, die (leider) nicht gerne in Tunesien gesehen werden. Man duldet sie nur, da sieh eine starke Geldquelle im Touristikgeschäft geworden sind. Liebe Brüder und Schwestern der gleichgeschlechtlichen Liebe, seit in sollchen Ländern besonders vorsichtig und umsichtig. Die meisten schwulen tunesischen Männer mußten Heiraten und leben dort nur heimlich
ihre Neigungen aus, immer in der Angst erwischt zu werden
und dann ins Gefängnis zu kommen, oder von Verwanten umgebracht zu werden. Der "Schande" wegen.
Bei dem Mord von Rolando bin ich mir sicher, dass eine homosexuelle Feindlichkeit der Tat zu Grunde liegt.
Der tunesische Staat hat bis heute nicht den Autopsiebericht
freigegeben, oder sich jemals wieder über den Mord geäußert.

Wir denken heute ins besondere an unseren Freund und Lebenspartner Rolando, der nicht mehr in unserer Mitte, der Lebenden weilen kann.

Michael+Reimund