Nun, "Hungerrevolten" sind sehr selten und meist lokal begrenzt, die können also schnell niedergeschlagen werden, wie z.B. vor nicht langerZeit in Ägypten, doch auch wie in Redeyef. Solange sich die Mehrheit vom Stillhalten mehr Vorteile verspricht, als von Kamp, solange wird ein Staat ruhig bleiben.

"Echte" Revolutionen werden zudem niemals von der Unterschicht, sondern immer von der Grenze von Mittel- zu Oberschicht begonnen, so gut wie immer handelt es sich um junge, gut augebildete Personen, die sich um den Lohn ihrer Bemühungen und ihre Zukunft betrogen sehen. Da dies natürlich auch in Tuensien bekannt ist, widmet man dieser Gruppe große Aufmerksamkeit, die aber, so wie ich es sehe, nicht sehr erfolgreich ist. Im Moment jedenfalls geht es den betroffenen Gruppen noch "zu gut" und die Leidensfähigkeit übersteigt - noch - die Lust zur Änderung. Falls Ben a Vie Ali aber irgendwann einmal nicht mehr ist, dann wird sich, so oder so, einiges ändern.

Übrigens ist die Situation in Deutschland nicht viel anders und auch hier gilt, daß, solange man nur den gebildeten Aufsteigern genügend Raum läßt, man die unteren Gesellschaftsschichten nach Lust und Laune treten und ihnen einreden kann, sie seien an ihrer Lage selbst schuld.