Also vorne weg, ich bin mir durchaus bewusst, dass ich (als Tunesierin verh. mit einem Tunesier) hier nichts verloren hab. Aber jeder der mich kennt, weiß dass Zurückhaltung nicht meins ist.

Darf ich die Frage mit der Anpassung mal anders stellen? Also meine Freundin war jahrelang mit einem Starwars Fan liiert. Da wurde kein Film, kein Fantreffen, keine Starwars Party verpasst. Die Wohnung sah wie ein Verschnitt der diversen Filmkulissen aus den verschiedenen Teilen der Saga (oder wie man es nennt) aus.
Sie hat alles mitgemacht, auch wenn's noch so lächerlich war.
Als die beiden sich getrennt haben, war das erste was wegkam: Genau: der Starwars Kram. Sie nannte es Befreiung von schmerzlichen Erinnerungen, wir nannten es Erwachen aus dem Wahn

Natürlich ist das nicht dasselbe, aber die Schuld für eine extreme Verschmelzung mit dem Partner ist (wie Uwe es schon erkannt hat) nicht beim Partner zu suchen.
Z.B.: Ich bin hier geboren und aufgewachsen, mein Mann in TN. Als er meinetwegen auf seine Karriere als Filialleiter einer Bank in TN verzichtet hat und zu mir kam, wollte ich alles tun damit er sich wohlfühlt. Da haben meine Freundinnen auch behauptet ich hätte -um es mal beim Namen zu nennen- einen an der Waffel

Das Lustige dabei: Je mehr er sich hier eingelebt hatte, umso mehr mißfiel ihm mein 'Anpassen'. Er meinte er vermisse die Frau, in die er sich verliebt hatte

...
Dennoch, eine gewisse Anpassung ist nicht ausgeblieben: z.B. benutze ich seine eigenen Argumente gegen ihn.

Ich koche, wenn mir nichts besseres einfällt, einfach Safranreis mit Riesengarnelen, Cashew und Pistazien. Nagut, es ist kein TN Gericht, aber sein Lieblingsgericht. Ich mache für ihn frische 'Harrissa Arbi' aus getrockneten Pepperonischoten, obwohl ich scharfes nicht vertrage. Ich kontrolliere jedes Glas nach dem Spülen doppelt, nach irgendwelchen Gerüchen, weil er so pingelig ist.
Aber:
Er hat seinen Job für mich aufgegeben, eine neue Sprache gelernt. Er hat meinetwegen das Rauchen aufgegeben, geht nach dem ich 35kg abgenommen hab, nun regelmäßig zum Fitnessstudio um auch was für sich zu tun

und wir streiten uns regelmäßig darum wer das Deo des anderen aufgebraucht hat

. Er hat mir eine Holzterrasse gebaut obwohl unsere Steinterrasse gerade mal 7 Jahre alt ist. Er trägt nun Jeans, obwohl er vorher nur Stoffhosen getragen hat.
Usw....usw....
Ich schätze eine Anpassung dient auch der Vereinfachung einer Beziehung, denn wenn jeder auf seine Meinung pocht, wird aus jeder Kleinigkeit eine Konfliktsituation... Manchmal machen wir es uns damit einfacher, manchmal wollen wir damit aber auch wichtigen Auseinandersetzungen entfliehen. Und, manchmal dient eine Anpassung auch dem Selbstbewusstsein, man fühlt sich irgendwo zugehörig...
Zu wissen, wann eine Anpassung einfach nur ne Kleinigkeit ist und wann es tatsächlich die Flucht nach vorne ist... Das ist wohl die Kunst.
Ich überlasse es euch zu urteilen ob ich mich nur wegen Schatzi anpasse oder für mich... Für mich ist die Grenze da sehr verschwommen. Nach 12 Ehejahren finden wir beide immer noch so viele Knackpunkte, so viel Anpassung kann da gar nicht passiert sein
