ARTE:
Mittwoch, 1. Juli 2009 um 23.30 Uhr
Eingeschlossen - Ausgeschlossen
Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis wird Kamel in sein Heimatdorf nach Algerien abgeschoben.
Kamel wird nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis in sein Heimatdorf nach Algerien abgeschoben. Dort beobachtet er, wie eine Gruppe fundamentalistischer Jugendlicher die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzt. Als sein Cousin Bouzid aufgrund seines Alkoholverzehrs halbtot geprügelt wird, schließt sich Kamel einer bewaffneten Allianz an, die versucht, den Unterdrückern Widerstand zu leisten.
Aber Kamel fühlt sich nach wie vor als Ausländer und empfindet nur zu der schönen Louisa eine Verbundenheit. Louisa ist bei ihrem Ehemann ausgezogen und wird deshalb von ihrer Familie und der Gesellschaft verstoßen; ihren Freiheitsdrang sehen sie als Beleidigung und Verrat an ihren Traditionen an. Ihr größter Traum ist es, Sängerin zu werden - für eine Frau in dem konservativen Landstrich ein nahezu unmögliches Vorhaben. Als ihr Ehemann das gemeinsame Kind entführt, um es vom Einfluss der Mutter fernzuhalten, verliert Louisa ihre Lebenskraft und ist entschlossen, Selbstmord zu begehen.
Ohne zu urteilen oder zu bewerten beobachtet Kamel, gespielt vom Regisseur selbst, die Geschehnisse in einem gesellschaftlich stark von Traditionen geprägten Ort in Algerien. Der Aufstand der Fundamentalisten, der das Land Ende der 90er Jahre an den Rande eines Bürgerkrieges brachte, gilt zwar als überwunden, doch fundamentalistische Ansichten und Moralvorstellungen sind weit verbreitet. Die Geschlechterrollen sind nach wie vor streng vorgegeben, beginnen aber, vor allem aus Frauensicht, an Selbstverständlichkeit einzubüßen. Die Differenz zwischen dem öffentlichen Leben der Männer und der häuslichen Abgeschiedenheit der Frauen scheint weiterhin unüberwindbar zu sein und auf das Emanzipationsbestreben der Frauen wird mit Druck und Gewalt geantwortet.
Fast im Alleingang, als Regisseur, Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Produzent, schuf Rabah Ameur-Zaïmeche, der selbst in Algerien aufgewachsen ist, diesen Spielfilm. "Eingeschlossen - Ausgeschlossen" nimmt inhaltlich Bezug auf seinen Vorgänger "Wesh, wesh was geht hier ab?". In beiden Filmen wird Kamel aus dem Gefängnis entlassen und muss sich in einer neuen Welt zurechtfinden. Ist es in "Eingeschlossen - Ausgeschlossen" das Exil in Algerien, versucht er in "Wesh, wesh was geht hier ab?" in seiner französischen Heimatstadt sein Leben zu ordnen. Jedoch sind die Bedingungen, unter denen diese Suche nach sich selbst steht, nicht dieselben.
Und wenn Kamel in dem zweiten Film am Ende Algerien verlässt und illegal über die Grenze ins tolerantere Tunesien geht, dann wird er wohl für immer ein Heimatloser bleiben. "Kamel ist das Opfer einer doppelten Bestrafung: Gefängnis und Abschiebung. Ob Fortsetzung oder Vorgeschichte spielt eigentlich gar keine so große Rolle. Warum auch immer in Chronologien denken? Zwei Strafen, zwei Filme", so Regisseur Rabah Ameur-Zaïmeche.
Für "Eingeschlossen - Ausgeschlossen" wurde Rabah Ameur-Zaïmeche bei den Filmfestspielen in Cannes 2006 mit dem Award of the Youth ausgezeichnet. Der Film bleibt nicht nur durch seine Thematik in der Erinnerung haften. Er ist bei aller Kritik auch eine Liebeserklärung an Algerien, dass sich uns hier mit seinen grünen Hügeln und Wäldern wie eine Art nordafrikanische Schweiz präsentiert. Neben den atemberaubenden Landschaftstotalen verwendet der Regisseur auch tableauartige Aufnahmen, in denen die Figuren einfach irgendwo sitzen und schweigen - ein Schweigen, das beredter ist als viele Dialoge.
Last edited by Sarra; 28/06/2009 23:38.