Diensag 23:10

Grüße aus Kaschmir

Landei Lisa zieht nach München und verliebt sich in Sharif Mishra, einen aus Kaschmir stammenden Moslem, der seit sechs Jahren als Ingenieur in Deutschland arbeitet. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Beziehung, in der jedoch jeder ein Geheimnis für sich behält, um das gemeinsame Glück nicht zu gefährden. Als Sharifs Bruder Tajjab auftaucht, gerät ihre heile Welt ins Wanken.

Lisa ist nach München gezogen, um mit ihrem Leben als naives Landei zu brechen. In einem Club lernt sie den gut aussehenden Sharif kennen und geht gleich in die Vollen und landet im Bett des quasi Fremden. Eigentlich sollte es bei dieser einen Nacht bleiben, doch Lisa muss feststellen, dass sie schwanger ist.
Lisa sieht sich mit einer Menge neuer Schwierigkeiten konfrontiert, mit denen sie fertig werden muss. Sie ist neu in der Großstadt, schwanger von einem fast Unbekannten und was es auch nicht einfacher macht: Sharif ist ein Moslem aus Kaschmir, was seine Reaktion schwer einschätzbar macht. Einzig Tanja, ihre Arbeitskollegin im Tonstudio, weiht sie in ihre turbulenten Lebensumstände ein.
Trotz anfänglicher Bedenken spinnen Lisa und Sharif allmählich zärtliche Fäden zueinander und es entwickelt sich eine Liebe fernab von weltlichen Problemen - wie es scheint. Doch sowohl Lisa als auch Sharif halten ein Geheimnis in sich verschlossen. Für Lisa scheint die Zeit noch nicht gekommen, Sharif von dem wachsenden Kind in ihrem Bauch zu erzählen.
Als Sharifs Bruder Tajjab Mishra, Mitglied eines terroristischen Netzwerkes, unerwartet auftaucht, hat die beschwingte Leichtfüßigkeit des Liebespaares ein Ende. Tajjab, der auf der Fahndungsliste der Polizei ganz oben steht, möchte Sharif für einen Rachefeldzug gewinnen. Bei dem Einzug des indischen Militärs in Kaschmir wurden die Eltern der Brüder ermordet. Sharif gerät in einen Gewissenskonflikt. Unterstützt er seinen Bruder, weil dieser ihn damals vor dem indischen Militär gerettet hat oder dreht er der Vergangenheit den Rücken zu und lässt sich auf sein neues Leben in München und seine neue Liebe ein?
Diese innere Zerrissenheit Sharifs und seine zunehmende Abwendung quälen Lisa. Aus Verzweiflung und aus Angst um den Vater ihres ungeborenen Kindes glaubt sie, selbst handeln zu müssen und unterstützt die Fahnder bei der Suche nach Sharif und hofft, dadurch Schlimmeres zu verhindern.

"Grüße aus Kaschmir" erzählt sensibel die aufgrund der Begebenheiten nur sehr kurz andauernde Liebesgeschichte zweier Menschen, die unterschiedlichen kulturellen Kontexten entstammen. Regisseur Miguel Alexandre führt sein Publikum anhand der stillen, zerbrechlichen Liebesgeschichte an den politischen Konflikt in Kaschmir heran. 2005 wurde "Grüße aus Kaschmir" in der Kategorie Fiktion/Unterhaltung mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet.



Mittwoch 23:30
Als der Wind den Sand berührte

Am Rande der Sahara leben der Lehrer Rahne und seine Frau Mouna mit ihren beiden Söhnen Ravil und Ako am Rande des Existenzminimums...

Ein Dorf am Rande der Sahara. Auf der einen Seite liegt die Wüste, die sich immer weiter in die fruchtbaren Böden hineinfrisst. Auf der anderen Seite tobt der Bürgerkrieg verfeindeter Clans.
Rahne, der Dorflehrer, flieht mit seiner Frau, drei Kindern und seiner kleinen Herde vor der Dürre. Während alle anderen Dorfbewohner sich Richtung Süden aufmachen, folgt Rahne seinem Instinkt und führt seine Familie Richtung Osten. Beim Marsch durch die Wüste verliert er bis auf seine jüngste Tochter alle Angehörigen und auch die lebenswichtigen Tiere.

Am Rande der Sahara leben der Lehrer Rahne und seine Frau Mouna mit ihren beiden Söhnen Ravil und Ako am Rande des Existenzminimums. Als Mouna auch noch eine Tochter zur Welt bringt, ist das kein Grund zur Freude in einer Welt, in der die Menschen ums Überleben kämpfen. Daher rät der Dorfälteste dem Vater, das Kind so schnell wie möglich zu töten. In Panik flieht Mouna mit ihrem Säugling und kehrt erst am nächsten Morgen zurück. Dafür wird sie von Rahne zunächst mit einer Ohrfeige bestraft. Doch dann lenkt er ein und das kleine Mädchen bekommt einen Namen: Shasha.
Einige Jahre später hat sich die Lage im Dorf dramatisch verschlechtert: Der Dorfbrunnen ist schon lange ausgetrocknet. Selbst weiter entfernte Brunnen sind versiegt. Das Vieh verendet. Ihrem Instinkt folgend, verlassen die meisten Bewohner das Dorf in Richtung Süden. Rahne ist der Einzige im Ort, der lesen und schreiben kann. Er beschließt, mit Mouna und den drei Kindern in östlicher Richtung aufzubrechen.
Ein paar Schafe, einige Ziegen und "Chamelle", ein Dromedar, sind ihre einzigen Reichtümer. Sie werden die Begleiter von Rahne und seiner Familie auf ihrer abenteuerlichen Reise quer durch feindliches Land. Unter einer gnadenlosen Sonne schleppen sie sich vorwärts, und oft kreuzt ihren Weg der Tod. Sie sind den Attacken von Rebellen aus verfeindeten Clans ausgesetzt, und selbst an der Wasserstelle hört der Kampf ums Überleben nicht auf.

Basierend auf dem Roman "Chamelle" von Marc Durin-Valois - der 2005 unter anderem mit dem "Prix des Cinq Continents de la Francophonie" ausgezeichnet worden ist - erzählt der Film die Geschichte eines Exodus, einer Reise der Hoffnung und der Unausweichlichkeit. Aber der Film ist auch eine Parabel über Entschlossenheit, die uns in Gestalt des Nomadenkindes Shasha begegnet, einem Mädchen voller Lebensfreude, das mit Beharrlichkeit und Stärke die Liebe ihres Vaters erobert.
Mit ihrem Film möchte Marion Hänsel vom Leiden der Menschen Zeugnis ablegen, die tagtäglich auf unserem Planeten ihre Heimat auf der Suche nach einer weniger lebensfeindlichen Welt verlassen müssen. Auf der Suche nach Authentizität hat die belgische Regisseurin fast ausschließlich mit Laiendarstellern gearbeitet, Nomaden, die mit ihren Herden leben und weite Strecken durch die Wüste zurücklegen. In Djibouti fand Hänsel atemberaubende Landschaften vor, insbesondere eine reiche Vielfalt an Wüstenlandschaften: Lava-, Salz-, Stein- und Sandwüsten. So wird die Härte der Geschichte visuell kontrastiert durch die Schönheit der Landschaft und emotional durch die Zartheit der Gefühle und die Stärke der Bindungen in Rahnes Familie.
Nach "Between the Devil and the Deep Blue Sea" und "The Quarry", bildet "Als der Wind den Sand berührte" Marion Hänsels Abschluss einer Trilogie über das Schicksal von Menschen, die gezwungen werden, ihre äußersten Grenzen zu überschreiten. Die belgische Regisseurin gehört seit mehr als 20 Jahren zum inneren Kreis der großen europäischen Filmkünstler. Ihre Filme sind von großer visueller Kraft, die sich vor allem in den Naturbildern äußert. Gleichzeitig sind sie menschlich sehr bewegend. Hänsels beeindruckendes Werk ist mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet worden, unter anderem mit einem "Silbernen Löwen" in Venedig, dem "Grand Prix" in Montreal und dem Preis der Ökumenischen Jury in Cannes.
"'Als der Wind den Sand berührte' ist ein "authentisch erzähltes Flüchtlingsdrama ohne pathetische Plattitüden."
"'Als der Wind den Sand berührte' ist ein intimes Porträt einer Familie, das eher beiläufig und damit umso wirkungsvoller die Misere eines Kontinents zu erfassen versucht."
"Und wenn die Kamera sich den Flugbewegungen des Sandes anpasst, dann erzählt der Film nicht länger allein von dem Drama globaler Ungerechtigkeiten, sondern von einer unbekannten, schönen, sterbenden Welt." (Spiegel-online)
"Geschickt die Balance zwischen neorealistischer Darstellung und poetischer Überhöhung haltende Inszenierung, die sich nicht zuletzt durch die atmosphärisch-dichten Bilder und die authentischen Darsteller zu einem Meisterwerk des ethnisch-fiktiven Kinos verdichtet." (film-dienst)