hallo,
in stuttgart gibt es eine private touristik-fachschule, die für berufserfahrene und auch reiseerfahrene reiseverkehrskaufleute oder betriebswirte für touristik eine "ausbildung" für reiseführer anbietet. sie geht über eine jahr und ist berufsbegleitend.
ich habe dieses seminar dort vor über 20 jahren schon besucht und muss sagen, dass uns die veranstalter damals die jobs hinterhergetragen haben. ich weiss nicht, ob das heute noch so extrem ist, aber da gerade ein fundiertes wissen auch im bereich reisepsychologie, gruppendynamik usw. vonnöten ist, denke ich, dass solch ein seminar nicht schlecht ist, will man z.b. studienreisegruppen begleiten und nicht nur vor ort für eine agentur die leute betreuen.
man muss jedoch auch wissen, dass der job in einem reisebüro nicht nur viel wissen über die welt voraussetzt, sondern auch deswegen so hart, weil vorwiegend ein frauenberuf und ich habe neulich erst wieder in der fachpresse gelesen, dass fast nirgendwo so viel gemobbt wird, wie in der reisebranche, und pflegeberufen.
es geht um umsätze, umsatzbeteiligung, kundenfang, usw. das ist nicht einfach sich da durchzusetzen, der konkurrenzkampf auch innerhalb eines büros ist gross.
das fängt bei so kleinigkeiten an, dass man eine buchung auf den eigenen expedientencode einbucht, obwohl der kunde extra sagt, er hätte die beratung bei der kollegin am tag vorher gehabt, und geht weiter bis in schlimme fälle, dass buchungsvorgänge, die längerer vorarbeit bedürfen plötzlich verschwinden usw.
das ist kein horrorszenario, sondern leider alltag in vielen reisebüros. eine frühere kollegin von mir hat sich auf mediation in der reisebranche spezialisiert und ist mit ihren terminen bis ins nächste jahr ausgebucht.
die fluktuationsrate in den reisebüros ist enorm, der durchschnitt liegt bei 1,5 jahren.
eine traurige bilanz in einem so begehrten, angeblichen traumjob.
hinzufügen muss ich auch noch, dass die eigenen reisemöglichkeiten durch eine arbeit in einem reisebüro sich nicht unbedingt extrem steigern. auch das ist eine illusion. man hat auch in einem reisebüro nur 6 wochen urlaub im jahr und die meisten büros rechnen in der zwischenzeit auch info-reisen auf urlaub an.
ausserdem ist es auch für reisebüromitarbeiter nicht so supergünstig, dass man bei dem schmalen verdienst die ganzen 6 wochen im jahr unterwegs sein könnte. die meisten veranstalter gewähren nur 20 - 25 prozent ermässigung, die ad 75 und ad 50 für airliner oder iata-büros sind auch reduziert worden. alles kein zuckerschlecken.
dies ein kleiner einblick in mehr als 25 jahre praxis in allen schattierungen der touristik.
grüsse