...was ich aber nicht außer acht lassen kann, dass es durchaus islamisten gibt und es viele menschen gibt die den islam falsch auslegen...

Tun sie das denn? Oder wird diese Behauptung nicht vielmehr zum einen von "liberaleren" Strömungen verwendet, um das Bild des Islam als eine gewalttätige Ideologie zu ändern, und zum anderen von extremen Kreisen, die sich hierdurch eine höhere Akzeptanz durch Verschleierung erhoffen?
Nach meiner Meinung, die ich mit vielen anderen, auch Muslims, teile, wird versucht, in der westlichen Öffentlichkeit den Islam als etwas darzustellen, als das er hier verstanden werden soll, und nicht unbedingt als das, was er ist.
Unter den vielen Strömungen im Islam, die von "Lehrmeistern" geprägt werden, sind Relativierungen eher nicht so häufig anzutreffen. Fakt ist, daß sich beide Extreme, nämlich die liberale und die extreme Fraktion, beide auf denselben Text berufen - und beide nachvollziehbare Interpretationen zugrunde legen.
Der Islamwissenschaftler Puin, zweifellos eine der größten Autoritäten auf dem Gebiet der historischen Islamforschung, hat Gründe hierfür in einem seiner Artikel anschaulich beschrieben: http://www.phil.uni-sb.de/projekte/imprimatur/2006/imp060305.html

Das Problem, das ich im Islam sehe, besteht ja garnicht darin, ihn als eine gewaltsame oder friedliche Ideologie zu begreifen, sondern darin, daß eben beide Interpretationen mit der gleichen Wertigkeit möglich sind und insofern im Auge der Öffentlichkeit ein widersprüchliches Bild entsteht, daß mit populärwisschenaftlichen Methoden nicht aufzulösen ist. Und selbst für Muslims besteht ebendieses Problem ebenso und äußert sich in Extremfällen dann in gegenseitigen Abgrenzungen, die bis zur gegenseitigen Bezichtigung des Apologetentums reichen. Die einzige wirkliche Klammer aller dieser Strömungen ist letzlich das Zusammenstehen gegen äußere Einflüsse, die als Feindseligkeit begriffen werden - doch sobald dieser Einfluß beseitigt ist, lebt der vorherige Zwist sofort wieder auf.

Und dies, so steht zu berfürchten, wird sich auch nicht ändern, bis die historische Koranforschung (die ja fast gar nicht stattgefunden hat und sich erst in letzter Zeit intensiviert) in den Vordergrund zu treten beginnt - was wiederum nach dem Selbstverständnis häretisch ist, doch zumindest von außen her ein besseres Verständnis und eine objektivere Bewertung ermöglicht.