Muß noch an 5. Stelle rein
Simba of Arabia - V
So en gros betrachtet war die letzte Woche eine sehr angenehme, weil:
Ich hab nur jeden zweiten Tag gearbeitet und am Wochenende eine prima Reise nach Tabarka unternommen.
Im Detail betrachtet ist diese Woche mehr schief gelaufen ist, als eigentlich gesund ist, weil:
Ich was gefunden habe, was ich mit Fug und Recht hassen kann und zwar ist das das tunesische Bankwesen.
Mein Computer abgeraucht ist und wir ausserdem am Sonntag abend um ein Haar in einem ganz ueblen Nest im Nordwesten hangen geblieben waeren.
Aber mal alles der Reihe nach. Begonnen hat’s ja ganz friedlich am Montag, als Muestapha von der Finanzabteilung (wie jeden zweiten Tag) in mein Buero gestolpert ist um ein bisschen zu quasseln. Er hat da seine Verbitterung geaeussert, dass ich ja nun schon vier Wochen da sei und ich ihn noch nie in seinem Buero besucht habe.
Hmmm, da hab ich wohl was nicht mitgekriegt.
Hab aber gleich daraufhin eine Tour de Bureau gestartet, um nun doch mal mehr von der tunesischen Arbeitsmoral aufzuschnappen. Bin allerdings nur grad bis zum Mohammed gekommen und weil dem irgendwie auch langweilig war, wollte er mich gar nicht mehr gehen lassen. Um zwei Uhr jedenfalls haben wir aufgehoert zu reden (weil Feierabend).
Am Dienstag war der Tag der Frau. Da wuerde sich jeder denken, dass die Frauen an diesem Tag doppelt soviel arbeiten wie sonst um ihre Unentbehrlichkeit in der Gesellschaft zu manifestieren. Aber nix da. Hat gar keiner gearbeitet.
Der klaegliche Rest unseres Studentenfoyers hat den Tag damit zugebracht in der Sonne zu liegen und gegen Abend den CarreFour zu besichtigen.
Das ist ein Laden bei La Marsa auf den die Tuniser alle maechtig stolz sind, weil das ist Afrikas groesstes Shopping Center und aus der Naehe betrachtet eigentlich kaum groesser als das ShopVille (und hat noch nicht mal einen eigenen Bahnhof).
Am Mittwoch hab ich auf der Arbeit mitgeteilt, dass ich am Tag darauf wahrscheinlich ein wenig spaeter komme, weil ich morgens gern schnell zur Bank moechte,um meine wohlgeliebten Traveller Cheques einzuloesen. Tatsaechlich bin ich dann etwa 4.5 Stunden in der Gegend rumgelaufen bis ich endlich eine Bank gefunden habe, welche mein Papier wechseln wollte, danach war ich dann ziemlich im Eimer. Der Grund war, dass die vielen kleinen Banken keine Traveller Cheques wechseln (eine Verdienstmoeglichkeits-verschmaehungs-aktion) und die vielen grossen Banken immer die Bankquittung sehen wollten, welche ich beim Kauf meiner Schecks gekriegt habe. Die hab ich aber schon in der Schweiz weggeworfen, weil ich noch niemals nie die zum Wechseln gebraucht haette.
Die sturen Beamten meinten aber sie braeuchten die, weil grad so viele Faelschungen im Umlauf seien.
Ueberhaupt eine extrem schwachsinnige Idee, denn wenn ich
a) die teile rechtmaessig erworben habe, ich sie im Angesicht des Verkaeufers bekommen und unterschrieben habe und dann brauch ich keine Quittung (das ich sie habe bedeutet dasselbe).
b) Die teile nachgemacht habe es wohl eine Feierabenduebung waere auch noch so eine doofe Quittung zu malen.
Die lieben Leute hatten allerdings in der Regel wenig Lust mit mir zu diskutieren oder sie konnten meinen Argumenten nicht folgen.
Wie gesagt, irgendwann hab ich dann doch noch eine kleine Filiale einer grossen Bank gefunden, welche meine Schecks haben wollte.
Dann hatte ich Muenzen, bin zum Telefon, hab meiner Arbeitsstelle antelefoniert und der Sekretaerin mitgeteilt, dass es wohl nicht mehr lohnt, wenn ich noch vorbeikomme. War auch o.k.
Am Freitagmorgen wollte mein Computer partout die Windoof98 Oberflaeche nicht mehr aufstarten. Die brauche ich zwar nicht unbedingt zum arbeiten, aber zum surfen. Da hab ich mir den hauseigenen SysAdmin geholt und nach etwa zwei Stunden dran rumschrauben hatten wir den Compi soweit, dass er gar keinen Zabbel mehr machte.
Da gabs nur noch eins, Dateien sichern und Festplatte formatieren. Damit war dann der ComputerGuru den Rest des Tages beschaeftigt und ich hab weiterhin meine Konversationsfaehigkeit geuebt.
Fazit: Ich find sie ja ganz toll die mediterrane Arbeitsmoral, irgendwann hab ich mich nur gefragt, was es wohl fuer die Produktivitaet eines Landes bedeutet, wenn saemtliche Angestellte hoechstens drei Stunden ihres Tages wirklich arbeitend verbringen.
Laeden die in Tunis aber unglaublich florieren sind CD-Gravure’s. So einen Shop hab ich auch mal besucht, um mir einen Satz arabische Musik zuzulegen und ich war erstaunt, denn in Tunesien sind Urheberrechte ueberhaupt ein Fremdwort.
Das Verfahren ist ganz einfach:
Man laeuft rein, schnappt sich den Ordner, der mit dem praeferierten Medium beschriftet ist (Audio-CD’s, DVD’s, Divx, MP3 CD’s, PS2 Games, Software), sucht sich aus, was man haben moechte und kriegt es ca. 10 min spaeter frisch gebraten in die Hand gedrueckt. Und zwar jede Scheibe zum Einheitspreis von 2 Dinar (2.50 sFr.).
„In Tunesien gibs Windows XP zum Preis eines Sandwiches“ – um unseren SysAdmin zu zitieren. Der hat dann auch gestanden, dass eigentlich die ganze Software, welche bei ihnen verwendet wird Raubkopien sind. Das lohnt sich einfach...
Am Samstagmorgen haben wir uns zu viert auf die Reise nach Tabarka gemacht, ein nettes, kleines Staedtchen ca. 170 km nordwestlich von Tunis. Der Ort wird zwar auch vom Tourismus heimgesucht, aber in einem sehr vertraeglichen Masse.
Und man hat gleich gemerkt, das man in einem Staedtchen ist, das nun nicht mehr von den Korallen lebt (weil die haben sie schon alle abgeholzt), sondern von den Touristen.
- die Leute sind durchwegs freundlich und kooperativ
- der Strand ist wunderschoen und nicht von Muell geflutet
- es gibt fast ueberall Bier.
Ich wollte vor allem nach Tabarka, weil es als Tauchmekka von Tunesien gilt. Bin zwar nur einmal abgetaucht (weil beim zweiten Mal das Boot nicht gekommen ist), war aber ganz nett.
Von pflanzlicher Sicht her eher karg, dafuer gab’s einen Haufen Fischchen zu sehen.
Muss allerdings sagen, wenn das schon das schoenste gewesen ist, will ich ja nicht wissen wie’s an der Ostkueste aussieht (oder vielleicht bin ich auch schon viel zu verwoehnt, mit dem was ich bisher gesehen habe).
Die Rueckreise am Sonntag abend gestaltete sich wie gesagt ziemlich abenteuerlich. Vielleicht war es ja ein bisschen naiv zu glauben um sechs Uhr abends noch ein Sammeltaxi nach Tunis zu finden, allerdings war da auch noch ein ganz grosser Haufen anderer Leute, welche nun eher duemmlich dastanden, weil ihnen jedermann sagte, dass um die Zeit ganz bestimmt kein Louage mehr kommen wuerde.
Wir beschlossen daraufhin mit einem Lokaltaxi in den naechsten Ort zu fahren, weil wir dort - selbst wenn noch eins nach Tabarka gekommen waere - am ehesten noch einen Platz gefunden haetten.
Der naechste groessere Ort war Nefsa, dem man schon von weitem ansah, dass hier eher selten ein Tourist aussteigt.
Als es dann langsam dunkel wurde und wir immer noch niemanden ueberreden konnten uns nach Hause zu fahren, brach leichtes Ungemach aus. Als es zappenduster war, hatten wir uns schon fast mit dem Gedanken abgefunden uns die Nacht ueber irgendwo im Wald zu vergraben.
Nun, schlussendlich, mit viel Glueck und nach zaehen Verhandlungen haben wir dann doch noch jemanden gefunden, der sich unser erbarmt hat. Na, erbarmt ist vielleicht der falsche Ausdruck, ist halt nur eine Frage des Preises....