http://www.iaeste.ch/Students/Experiences/report035_Arabia_VII.de.html

Reports from former trainees
IAESTE Internship in Tunis, Tunesia, summer 2002
by Philipp Simka

Parts: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8,

Simba of Arabia - VII
Letzten Montag sollte also der Ferienpart meines Tunesienaufenthaltes beginnen. Er tat es auch.
Ich und der Herr Benz wollten an jenem Tag zusammen in Tunis einen Berg feinster tunesischer Patisserie zum Fruehstueck verdruecken, ehe er Richtung Deutschland floh und ich zu meiner selbstgebastelten Odyssee aufbrach.
Wir verabredeten uns, um 07.30h la Goulette Richtung Tunis zu verlassen. Da er - im Gegensatz zu mir - noch nicht einmal die primitivste aller tunesischen Gepflogenheiten angenommen hatte, zeigte er sich etwas erstaunt, dass ich um halb acht noch im Bett lag.
Wie dem auch sei, nachdem wir unser Vorhaben in die Tat umgesetzt hatten - im Café Tunis, vor einer lauschigen aus brausenden Autos und trillerpfeiffenzwitschernden Polizisten bestehenden Geraeuschkulisse - setzte eine kurze aber herzliche Abschiedsszenerie unserer trauten Zweisamkeit ein Ende.
Der Himmel hat geweint, als ich Tunis verliess. Das fand ich zwar unglaublich ruehrend, aber irgendwie unpassend fuer meine Reise. Ich startete mit dem Louage (Sammeltaxi) nach Kelibia, einem kleinen Staedtchen auf Cap Bon, der Halbinsel, welche den aeussersten nordoestlichen Auslaeufer Tunesiens bildet.
Da mein erster Eindruck von Kelibia der einer stinkenden, kleinen, verkehrsgeschaendeten Stadt ohne Sehenswuerdigkeiten war, beschloss ich mir ein Taxi zu mieten, um ein wenig auf CapBon rumzugurken. So habe ich mit Mohammed (wie koennte es auch anders sein) in Rekordzeit saemtliche huebschen Orte auf dem Inselchen abgeklappert, um mich schliesslich in Kerkouan ausladen zu lassen. Mein Plan war, nach der Besichtigung des hiesigen punischen Truemmerfeldes dem Meer entlang nach Kelibia zu latschen. Offensichtlich haette sich eine Investition in eine detailliertere Tunesienkarte gelohnt, denn die 12 km, welche die zwei Doerfchen via Highway trennten verwandelten sich dem Strand entlang zu einem sportlichen 25 km Fussmarsch, welcher mich etwa vier Stunden lang beschaeftigte.
War aber ein sehr schoener Spaziergang. Die Landschaft aenderte in dieser kurzen Distanz von Felssteilkueste ueber kleine, tanggeflutete, grau-sandige Straende zu weitlaeufigen, gelbpudrigen Sandkuesten. Die einzigen Menschen, welche meinen Weg saeumten waren ein paar (aeusserst freundliche) Fischer und einige Familien, welche am Strand campierten.
Campen am Meer ist ueberhaupt ein tunesischer Volkssport, dem man, meiner Ansicht nach auch als Tourist (relativ) gefahrlos froenen kann. Bedingung ist halt, dass man sich ein einsames Plaetzchen sucht und nicht gerade vor den Ghettos oder den grossen Touristenhotels parkt.
Kurz vor totaler Dunkelheit bin ich dann jedenfalls - relativ geplaettet - in Kelibias ‚maison des jeunes' angekommen, um nach einer ausgiebigen Verpflegung à centre ville ins Bett zu fallen.
Um ab hier nun nicht weiter mit Chronologie zu langweilen ein kurzer Routenueberblick mit abschliessender Eindruckssammlung:
Meine Reise folgte der Ostkueste und zwar folgendermassen: Cap Bon (el Houaria, Kerkouan, Kelibia) - Nabeul - Hammameth - Sousse ( + Port el Kantaoui) - Monastir - el Jem - Sfax -Gabès - Djerba (Houmt Souk, Aghir).
- Den schoensten Strand gibs zweifelsohne noerdlich von Kelibia; quadratkilometerweise (unverschmutzten !) Sand, ohne Bevoelkerung, ergaenzt durch ein glasklares Meer mit abenteuerlicher Brandung.
- Den geilsten Ribat (eine klosteraehnliche Festung benutzt als Herberge fuer Djihad Soldaten) hat Monastir. Ein fantastisch erhaltenes Riesenschloss mit labyrintheskem Charakter. Nich umsonst war dies einer der Drehorte fuer Monthy Pythons ‚Life of Brian' (Romani ite domo !). Das dies keinem der Ribatwaechter bekannt war, verwunderte mich ein wenig. Moeglicherweise kam der blasphemische Charakter des Filmes hier nicht besonders gut an.
Ebenfalls ganz schick ist in Monastir das Bourguiba (Ex-Praesi) Mausoleum. Das Haeuschen war in meinem Reisefuehrer noch als unbetretbar deklariert. Da der gute alte Habib aber mittlerweile den Loeffel abgegeben, hat darf man frisch froehlich in seiner Ruhestaette rumturnen (mit netten Worten gegenueber dem Waechter auch ausserhalb der Oeffnungszeiten). Da dreht sich der Bourguiba im Grabe um, hahaha.
- Die beste Chicha gibs im Café Maure, Ave de la Libération in Hammameth. Ein wunderschoenes urpruengliches, von aussen (gluecklicherweise) ziemlich schlichtes Café in welches sich (im Gegensatz zu fast allen anderen Orten in Hammameth) kaum je ein Tourist reinwagt.
Das uebelste Teil dieser Sorte goutierte ich in der Medina von Sfax. Nach etwa einer halben Stunde dampfen haette ich schier gereiert und war den Rest des Abends ziemlich desorientiert.
- A propos Medina: die tollste fuehrt Sousse. Ein reichhaltiger lebhafter Riesenmarkt bestehend aus Kleider-, Gewuerz-, Fleisch-, Fisch-, Fruechte-, Gemuese-, Gold-, Metallwaren und (selbstverstaendlich) Souvenir-Souk. Ein mittelalterlicher Supermarkt halt. Und das Ganze eingefasst in eine dicke Stadtmauer, ergaenzt durch grosse Moschee, Ribat und Kasbah.
Absolut laecherlich dagegen war Hammameths Medina; ein winziges, 200 x 200m Quadrat ohne Charme und lediglich gefuellt mit Touristenramsch und unglaublich aufdringlichen Haendlern, von welchen jeder einzelne dieselben oeden Fangsprueche verwendet: ‚Wo bist du von?' - ‚Wie heisst das bei dir?' - ‚Was kostet das bei dir ?' - auf letzteres gewoehnte ich mir an zu antworten: ‚So einen Schrott gibs bei uns nicht.' Das ist zwar etwas unfreundlich aber wirksam.
- Die tollste Unterkunft auf meiner Reise war die British Gas Village in Sfax. Ich besuchte dort zwei Iaeste-Austauschstudis, welche bei British Gas praktizieren. Und obwohl ich dort zwei Naechte auf dem Sofa verbrachte war der Komfort erste Sahne. Das ganze Doerfchen hatte die BG-Group aus dem Boden gestampft um ihre europaeischen Arbeiter unterzubringen. Da gabs viele, viele Einfamilienhaeuschen, umgeben von englischem Rasen, zwei Swimming Pools, ein Fitness-Center, Squash Hallen, Tennisplaetze, einen Laden, eine Schule, etc. etc. Dummerweise liegt das Doerfchen etwas ausserhalb von Sfax, so dass der Preis einer Taxifahrt von dort in die Stadt etwa einer billigen Hotelnacht entsprach.
Die uebelste Unterkunft war das Hotel des Perles in Sousse. Ein kleines, marodes Hotel, dessen Bettwesche wahrscheinlich etwa bei jedem zehnten Gast gewechselt wird und in dessen Bad (eines fuers ganze Hotel) Jaques Cousteau eine helle Freude gehabt haette.
Die Untekunft bestach allerdings durch ihre Preisangebote und die perfekte Lage in der Medina und hatte ausserdem einen sehr freundlichen Concierge.
- Die schoenste Anektote gibs aus Hammameth zu erzaehlen: Als ich etwa um halb eins nachts dem Schatten entlang der Stadtmauer geisterte, ueberholte ich zwei mittelalterliche Damen, welche von einem etwa 17-jaehrigen Tunesier begleitet wurden. Und so im Vorbeigehen schnappte ich folgendes auf: "ach, s'isch kes joor gliich wie s'angere hie unde" Die Interpretation sei dem Leser ueberlassen.....
- Ebenfalls in Hammameth durfte ich die netteste Korruption Tunesiens beobachten. Da gab es mitten auf der Plaza einen kleinen Schwarzhaendler (die erkennt man daran, dass ihr Verkaufsstand innert Sekunden abgebaut und weggetragen werden kann), der leider das herannahende PolizistenDuo zu spaet erblickte. Er machte einen etwas blassen Eindruck, als jene mit ihm zu sprechen anfingen und war sehr erleichtert als diese sich je eine Schachtel Zigaretten nahmen und von dannen zogen.

Zusammengefasst wuerde ich sagen, dass Sfax (nur ganz knapp vor Sousse) die schoenste Stadt ist, welche ich besichtigt habe. Die Stadt ist die zweitgroesste in Tunesien und gilt als Industriestadt. Gerade deswegen ist sie wohl bisher vom Tourismus gaenzlich verschont geblieben und zeigt sich sehr urspruenglich (in Sfax gibs uebrigens auch die nettesten Taxifahrer, was ich von Tunis nicht gerade behaupten kann).
Das krasse Gegenteil hierzu bildet Hammameth, das vom geballten Tourismus ueberrollt wurde und wo Brauhaus und Tourist-Bimmelbahn nicht mehr viel von Tunesien erahnen lassen.

Bin also letzten Sonntag voller Hoffnung gen Sueden gestartet und mit gerade mal einer Stunde Verspaetung in Tunis angekommen. Dort ausgestiegen empfand ich es erstmal ziemlich frisch. Die drei IAESTE Damen welche mich am Flughafen abgeholt haben meinten allerdings ich soll's geniessen solange es noch so is.
Ich hab sie beim Wort genommen und die erste Nacht nackt geschlafen, wobei ich ziemlich geschlottert habe. Gluecklicherweise hats nicht allzulange gedauert, denn schon um 5 Uhr morgens wurde ich vom schallenden Gelalle des Muezzins geweckt.

Meine Unterkunft befindet sich im Stadtviertel Mutuelle Ville in Tunis. Es ist ein etwas lottriges Studentenwohnheim, welches aber alles in allem ziemlich sauber ist. Es gibt da ca. 120 Zimmer à 2-3 Studenten, was nach Adam Riese einen Riesenhaufen extrem kontakt- und partygeiler Studenten aller Herren Laender ergibt.
Etwa 99% der dort hausenden besuchen Sommerkurse in Arabisch in der Bourguiba School und der Rest sind IAESTE Austausch Arbeitstiere.
Der Umstand dass ich eher Kochfaul und die einheimischen Futterkrippen ziemlich preiswert (traditionelles, reichhaltiges Menue à 1-3 Dinar/1.2 - 4 sFr., und viel mehr isst man wegen der Hitze eh nich im Tag) sind, machts fuer mich ziemlich ertraeglich, dass es im Studentenfoyer weder Kueche noch Kuehlschrank gibt.
Das Quartier selbst is eher langweilig. Es gibt hier vorallem Wohnhaeuser und viele Botschaften (Spanien, Deutschland, Tuerkei, Lybien, Jordanien.....), wobei diejenige von Argentinien einen ziemlich erbaermlichen Eindruck macht.

Tunis ist mir bisher (das kann sich auch noch aendern) als eine sehr freundliche, sichere und ziemlich chaotische Stadt vorgekommen. Es gibt im wesentlichen eine Hauptattraktion, um welche sich ca. 1.6 Mio. Menschen geschaart haben. Das ist die Medina, die Altstadt. Ein relativ grosses extrem spannendes, wohlriechendes, wuselndes Labyrinth, gefuellt mit verwirrten Touristen, perfiden Haendlern und diversem Zwischendrin.
Jeden Tag erkunde ich eine Gasse mehr und mittlerweile verhalte ich mich anscheinend auch schon nicht mehr wie der letzte Tourist. Das aeussert sich darin, dass mich viele Leute auf Arabisch anquatschen. Das macht zwar stolz, die Nachteile liegen allerdings auf der Hand......
Rumkommen kann man hier mit einer vielzahl Taxis, Bussen, Strassenbahnen oder dem TGM, welche man problemlos auch spaet nachts noch benutzen kann (TGM is uebrigens die Abkuerzung fuer Train Goulette - La Marsa, andere nennen ihn liebevoll den Train au Grand Malheur).
Neben dieser Vielzahl von Verkehrsmitteln faellt die totale Abstinenz irgendwelcher Fahrplaene auf. Mir scheint dass, wann, welcher Bus, wohin faehrt den Launen der Fahrer uebertragen wird. Aber selbst wenns hier Timetables geben wuerde, dran halten wuerd sich eh keiner.
Ueberhaupt tragen nicht sehr viele Tunesier eine Uhr und wenn man eine hat ( jo als schweizer halt ) gibs immer was zu plaudern. Ein Buschauffeur hat mir hierzu ein altes arabisches Sprichwort mit auf den Weg gegeben:
Gott hat den Europaeern die Uhr gegeben und den Arabern die Zeit.

Die Organisation durch das lokale IAESTE Komitee ist eher misslich. Da ich genau das erwartet habe, musste ich mich bisher nich besonders aufregen. Dieser Tatsache ist es auch zu verdanken, dass ich statt Montag erst am Mittwoch meine Arbeitstelle gefunden habe bzw. mir gezeigt werden konnte, wo sie ist.

Ich arbeite bei der Ets Slama Frères in Oued Elill. Das ist westlich von Tunis ziemlich in der Pampa draussen. Also ungefaehr dort, wo es ausser dieser Firma gar nix mehr gibt. Es ist eine Speiseoelraffinerie, wobei sie dann das raffinierte Oel zu allerlei Speisefetten und Seife verarbeiten. Die Fabrik sieht aus als waer sie in den letzen 20 Jahren noch nie abgestellt und etwa gleich oft gereinigt worden.
Genau hinter dieser Fabrik wird nun eine neue Ausgabe gebaut, welche hoechst automatisiert sein soll. Die ganze Fabrik soll dann mit WinCC (WindowsControlCenter von Siemens) ueberwacht werden. Meine Aufgabe soll nun sein auf eben diesem Programm ein paar Applikationen zusammenzubasteln, welche die FabrikDaten eines Tages in ein feines Log-File schreibt.
Nun bin ich dabei mal dieses Prograemmle kennenzulernen. Das ist eigentlich nicht so kompliziert, dumm is nur, dass ich der einzige im Buero bin, welcher dieses Programm kennt und somit bei irgendwelchen Fragen ziemlich verlassen dastehe.
Aber ich hab ja noch ein paar Wochen Zeit......
Ich denke das war fuer den Anfang schon mal viel zu viel und ich gratuliere allen herzlich, welche wirklich bis hier gelesen haben. Wird bestimmt nicht das letzte mal gewesen sein........schoenes Wetter wuensch ich.

Also mein Befinden mal kurz zusammengefasst:
1.Woche: "Wow, wahnsinnig aufregend wie das hier alles andersrum laeuft"
2.Woche: "Oh mein Gott, hoffentlich halt ich das acht Wochen lang aus"
3.Woche (Prognose): "Ja, das krieg ich schon hin, aber wenn ich in der Schweiz auch wieder zwei Wochen rueck-gewoehnungszeit brauche, kann ich meine Herbst-Pruefungen getrost in den Wind schiessen."

Nun, wie gesagt es hat kurz gekrieselt und dafuer gibt diverse Gruende, ein paar davon seinen hier festgehalten:
- In Tunesien gibs eigentlich nur eine Sorte Leute, welche puenktlich sind und das sind die, welche irgendwas mit Touristen zu tun haben und sich somit aus monetaeren Gruenden der europaeischen Zeitdoktrin angepasst haben. Wenn man aber sonst mit irgendwem, irgendwo, irgendwann abmacht kann man immer getrost eine halbe Stunde zu spaet kommen und wenn man Glueck hat, ist man gerade rechtzeitig.
- Zum Strassenverkehr: In Tunesien faehrt man a) rechts (wenn’s platz hat) b) ueberall (sonst) des weiteren musste ich mal lernen, dass die permanente Huperei auf der Strasse keineswegs boese gemeint ist, sondern lediglich eine (in der Regel freundlich gemeinte) Form der Kommunikation. Das hat durchaus Vorteile. Wenn man beispielsweise an einer Kreuzung steht, braucht man nicht auf die Ampel zu kucken, denn der Hintermann teilt einem rechtzeitig mit, wenn’s gruen ist.
- Tunesier geben einem meistens ausfuehrlichen und freundlichen Bericht ueber die Gegebenheiten im oeffentlichen Verkehr, obwohl sie eigentlich selbst keinen Plan davon haben (dass hat mich mal zwei Stunden warten an ner Haltestelle gekostet).
- Insbesondere in Tunis wird in etwa 50% der Faelle versucht einen uebers Ohr zu hauen (das ist zwar an der Ostkueste auch so, die haben aber eine viel nettere Art). Wenn man dann, wie ich, nicht gerade ueberdurchschnittlich mit Durchsetzungsvermoegen ausgestattet ist, kann man schon mal in die *******e tappen (das wird hier jetzt nicht detaillierter erlaeutert, denn a) zu peinlich und b) so schlimm auch wieder nicht). Ich hoffe mal das wird zu einem charakterbildenden Erlebnis……

Dafuer geht’s mir gesundheitlich einwandfrei. Ich hatte bisher weder Sonnenbrand noch irgendwelche Magenprobleme, waehrend doch einige aus meiem Studentenheim in dieser Hinsicht ziemlich spritzige Erfahrungen sammeln durften (mehr dazu weiter unten).
Ueberhaupt hab ich mich doch an obige und noch viele andere Gegebenheiten ganz gut angepasst, wenn ich es mit den Problemen vergleiche, welche andere Austausch-Arbeiter so beschaeftigen.
Es stellt beispielsweise kein Problem fuer mich dar irgendwo auf der Landstrasse ein Klo vorzufinden, welches mehr einem Misthaufen als einem europaeischen-sanitaer-paradies aehnelt. Ich wuerde mich auch einfach nicht wundern und vor allem nicht aufregen, wenn ich als Frau, eher leicht bekleidet, die Bekanntschaft mit ziemlich vielen, ziemlich aufdringlichen Tunesiern machen wuerde.

Ein Thema worin ich allerdings eher viel Schwein hatte ist meine Arbeitsstelle. Wenn auch die Betreuung durch meinen Mohammed ziemlich inexistent ist, so hab ich doch eine interessante Aufgabe. Andere duerfen da schon mal 10 Stunden taeglich an einer Strassenkreuzung verbringen um Autos zu zaehlen (Praktikum in Staedteplanung) oder achtmal taeglich die Temperatur eines Tuempels aufschreiben (Praktikum in angewandter Physik). Daneben gibt es noch zahlreiche, welche einfach gar nichts zu tun haben. Das ist zwar auch nett, aber sechs Stunden taeglich an eine Wand zu starren wird auf die Dauer etwas oede.

A propos Arbeit. Letzten Montag, nachdem ich zweimal das WinCC Manual durchgearbeitet hatte, habe ich dem guten Mohammed eroeffnet, dass ich nach meinem momentanen Wissensstand eigentlich keine Moeglichkeit sehe aus diesem Programm irgendwelche Daten zu exportieren. Seine Antwort, welche mich etwas ratlos machte, war, dass er das schon wisse. Ich muesse halt trotzdem einen Weg finden…… Die Idee, dass die gute Firma eine ganze Fabrik baut und nebenbei auf das Wunder eines Schweizer Studenten hofft, fand ich irgendwie lustig.
Mittlerweile, bzw. nachdem ich das doofe Manual in die Ecke geworfen habe, hab ich rausgefunden, das kein Wunder noetig ist. Weil WinCC kein Microsoft, sondern ein Siemens Produkt ist gibt es naemlich noch Veraenderungsspielraum. Dies offenbart sich in C++ Funktionen, welche man in das Programm einbauen kann. Nun bin ich also frisch froehlich daran meine gehoerig gerosteten Programmierkenntnise aufzupolieren. Ob ich da bis Praktikumsende wirklich was brauchbares hinkriege weiss ich zwar nicht, aber auf jeden Fall wird mir nicht langweilig.

Der Montag war ueberhaupt ein toller Tag: Ich verliess gegen zwei Uhr nachmittags das Buero (jaja, hier arbeitet sich’s nur grade von 8.oo – 14.oo. Das ist wegen der Hitze so. Das Buero ist zwar klimatisiert aber die Ausrede zaehlt trotzdem noch).....und mir wehte eine steife Brise von 44° entgegen. Der Pfoertner hat zwar behauptet es seien 49° aber das hielt ich fuer masslos uebertrieben. Auf meiner Heimfahrt hab ich dann mit einem Billetstempler angefangen zu plaudern, welcher mich nicht gehen liess, ehe er meine Telefonnummer hatte, weil er mich unbedingt zu Kaffee und Chicha (Wasserpfeife) einladen muesse.
Spaeter auf dem Heimweg, nachdem ich am Fruechtekiosk ein paar Birnen gekauft hab, hat mich ein weiterer Tunesier etwa 20 Minuten lang ueber die Magie der nordafrikanischen Pfirsiche aufgeklaert und hat mir, um mich vollends zu ueberzeugen grad noch ein Kilo geschenkt.
Am Donnerstag war der 'jour de la republique’. Einer der zahlreichen arbeitsfreien Feiertage (da gibs noch den Tag der Unabhaengigkeit, den 7.November, Tag der Frau, den 9.April, Tag des Manns, etc. etc.)

Da war es nahe liegend grad die Bruecke ueber Freitag und Samstag zu schlagen, welche das IAESTE Komitee zur Organisation einer Reise benutzte.
Die tagte dann eben von Mittwoch Nachmittag bis Sonntag abend. Der einzige, welcher von unserem StudentenRessort (es gibt auch noch eins in la Goulette) nicht partizipierte war Ede Stoetz. Der sei hier nur erwaehnt, weil er so einen tollen Namen hat. Er war tags zuvor von seiner Firma genoetigt worden ca. 400 km in den Sueden zu fahren um dort der Reperatur eines Busses beizuwohnen und dann den Weg zurueck (Praktikum in Maschinenbau).
Zu trinken gabs auf der Reise lediglich gekuehltes Hahnenburger, weil das ist so Uso hier. Und wenn halt der Magen das viele Chlor und vor allem die vielen Chlorresistenten Bakterien nicht gewoehnt ist macht man hier ganz schnell die Schraube......

Wir fuhren also ohne Ede los, erst nach Sousse zum Abendessen und anschliessendem Museumsbesuch in der Disco. Museum deshalb, weil der Nachtclub sehr neu aussah das Design aber trotzdem den Eindruck erweckte, als haette Falco gerade erst am Tag zuvor einen Videoclip dort gedreht.....
Danach ging die Fahrt die ganze Nacht lang weiter nach Gafsa. Wir fuhren in einem von der Enit (Ecole national d’ingenieur de Tunis) gesponserten Holperbus aus den fuenfzigern durch die Gegend, welcher uns so manches Parabelflugmaessiges Erlebnis eroeffnete.
Die Klimaanlage haben wir eigentlich nur vermisst, wenn der Bus gehalten hat.
Gegen 5.3o Uhr gabs ausserhalb des Fensters schon fast gar nichts mehr, aber es sollte noch besser werden. Im Laufe des Tages schafften wir es via Chebika, Tamerza, Tozeur (nur fuer die, dies mal auf der Karte verfolgen moechten) bis nach Nafta, eine Oase am Rande der Sahara.
Auf dem Weg dahin haben wir zu Dritt einen wundervollen Disput gefuehrt, naemlich ich, Rhasi (Palestinia) und Nicolette (USA). Was dabei rausgekommen ist kann man sich vorstellen: gar nix. War aber trotzdem lustig.
Wie dem auch sei, in Nafta gibs den schoensten Sonnenuntergang, den ich je gesehen habe. Weil der Himmel wolkenfrei und die Luft auch sonst nicht durch irgendwelchen Wasserdampf verunreinigt ist, gibt es nicht so ein pinkes Geschmiere am Horizont, sondern einfach nur eine riesengrosse, tiefrote Pille, welche in den Sand faellt.

Einen kleinen Daempfer im Programm stellte der Besuch einer Art arabischen Disneylands in Tozeur dar, von welchem uns eigentlich alle Reisefuehrer abgeraten hatten. Da gabs saemtliche Maerchen aus 1001 Nacht in Plastik gegossen. Aber halt dermassen diletantisch gemacht, das jeglicher Hauch orientalischer Magie vom Mundgeruch biergefuellter Touristen niedergewalzt wurde.

Den Freitag lang beschaeftige uns die Reise durch das Chott el Jerid (Salzsee) bis nach Djerba. Das Hotel in welchem wir uns niederliessen entsprach in etwa dem Gegenteil der luxurioesen Oasen-Unterkunft, welche wir nachts zuvor behausen durften. Es sei nur soviel gesagt: Das Bad war die Dusche und diejenigen, welche ein Zimmer mit Fenster ergattern konnten, konnten den Ausblick auf den Flur geniessen.

Am naechsten Tag wurden wir dafuer mit einem relaxten Tag auf einer kleinen wuesten-Insel vor Djerba entschaedigt. L’ile des flamants roses, dient nicht sonnenverbrannter Flamen als Raststaette, sondern in der Winterzeit einigen Tausend Flamingos. Nun gut, einziger Wehrmutstropfen war, dass wir den Weg dorthin im Pulk (von ebenfalls tausend) Touristen antraten.
Da gabs eine lustige als Piraten verkleidete Mannschaft, welche auf diversen lustigen Piratenschiffen (mit Motor, versteht sich) uns jeweils ihr Showprogramm in allen fuenf Tourismus Sprachen ankuendigte. Aber eben, man gewoehnte sich an in die richtige Richtung zu schauen und zu hoeren und so wurde es zu einem wunderbaren Tag.

Schon beinahe vermisst hatten wir unseren Holperbus, der uns die erste Reise in einem Kamel suggerierte.
Aber am Sonntag kamen wir wieder auf unsere Kosten. Da gings via Matmata (Drehort von Star Wars I), Gabes, Kairouan wieder bis nach Tunis, wo wir dann allesamt ziemlich geplaettet uns schon auf den naechsten Arbeitstag freuten.


Simba of Arabia - III
Habe heute meine vierte Woche in Thunaland angetreten und, nein Tilo, das hier ist nicht das Land wo der Thunfisch herkommt. Sie stecken das gute Teil aber trotzdem in fast alles rein, was man so zu essen kriegt (auch in Crèpes, buaah).
Bei mir hat sich mittlerweile ein unspektakulaerer Alltagstrott eingeschlichen; ich erkenne sogar schon eine erschreckende Gleichmaessigkeit in den Fahrzeiten der Busse.
Dies noetigt mich hier auf ein ganz spezielles Thema zurueckzugreifen:
Das Wetter - ist hier im moment wohl selbst fuer tunesische Verhaeltnisse ziemlich warm (oder vielleicht benutzen sie dieses Wehklagen auch nur, um wie ich, wenigstens irgendwas zu sagen). Die Temperatur faellt kaum je unter 25° C und Tagesdurchschnitt liegt wohl etwa bei 40° C. Ob es bewoelkt ist oder nicht spielt eigentlich keine so grosse Rolle, heiss isses immer.
Ganz im Gegenteil, wenn’s viele Wolken hat, dann ist das Klima nur noch umso erdrueckender, wegen der Feuchte.
Gluecklicherweise wohnt nun im meinem Zimmer auch schon seit einer Woche ein Heizkoerper weniger. Der Mohammed aus Kairo, eben Ex-Roommate, hat den IAESTE Leuten solange die Ohren vollgejammert, bis er nach La Goulette (in die Behausung der restlichen Austauschstudies) umziehen durfte.
Diese schimpft sich zwar Appartement, ob es dort aber viel besser aussieht als in unserem Studentenfoyer wage ich zu bezweifeln.
Von Tunis aus ist La Goulette der erste Ort am Meer, was zur Folge hat, dass das kleine Kuestenstaedtchen taglich, aber insbesondere am Wochenende von 1o’ooo’en badegeiler Eingeborener geflutet wird, welche in der Regel das wenigste von dem Zeug wieder mitnehmen, das sie an den Strand tragen. Der nahegelegene Hafen erledigt das uebrige um eine stilvolle abfallene Athmosphaere zu schaffen.
Derweil die Appartements in la Goulette immer voller werden hat sich das Studentenfoyer Haroun Errachid bedenklich geleert. Die Arabischkurse waren naemlich letzten Freitag zu Ende und da hat gleich ein Grossteil der Studies das weite gesucht. Allerdings nicht ohne mich vorher noch ordentlich zu bemitleiden, weil ich ja noch fuenf Wochen vor mir hab (wie ich das deuten soll, frage ich mich lieber nicht).
Auf jeden Fall gabs am Wochenende noch mal ein ordentliches Trink kombiniert mit sportlichem Adressenaustauschen und schliesslich herzzerreissenden Abschiedsszenen.
Wie gesagt, sonst war die Woche nicht so der Luzifer los.

Mittwochs hab ich mich mit einem etwas schwammigem Gefuehl mit dem Billetstempler von vor letzter Woche getroffen. Das Gefuehl war eigentlich erst kurz vorher aufgekommen, weil mir Barbara (ebenfalls mittlerweile verschwundene, oesterreichische Mitbewohnerin) kurz zuvor gesagt hatte, ich solle mich nicht so leichtfertig mit Tunesiern verabreden. Denn laut einer neuesten Studie seien mindestens 65% der Tunesier bisexuell. Uupps.
Er hat sich dann allerdings bald als treuer Familienvater geoutet, der mich wohl nur aus Interesse und nebenbei aus Interesse an einem eventuellen Schweizbesuch ausgefuehrt hat.
Und selbstverstaendlich hat auch er die Frage gestellt, die mich eigentlich bisher jedermann gefragt hat, mit dem ich ein bisschen laenger geredet hab: Ob es denn nun schwer sei in die Schweiz zu kommen und dort Arbeit zu finden.
Tja, die Tunesier sind zwar alle ueberzeugt im schoensten und besten Land auf Erden zu wohnen, dableiben will aber trotzdem keiner. Und selbstverstaendlich habens all diejenigen am dringensten, welche am wenigsten Chancen haben irgendwo eine Aufenthaltsgnehmigung zu bekommen.

Ganz anderes Thema:
Am ersten August hab ich gearbeitet. Will heissen, etwa 20% der Zeit mit Kaffee trinken, 60% mit Aufklaerungsversuchen uber den Ruetlischwur und die restliche Zeit effektiv produktiv verbracht.
Ob die Leute hier mein patriotisches Geschwafel wirklich interessiert hat, weiss ich nicht, aber wenn man einen guten Grund vorweisen kann, um sie von der Arbeit abzuhalten, ist man immer herzlich willkommen.
Eigentlich haette ich mich ja in die schweizerische Botschaft einladen wollen um dort den Abend zu celebrieren. Die Botschafersleut hat aber die tunesische Arbeitsmoral noch viel frueher gepackt als mich und darum haben sie grad die ganze Woche lang den Anrufbeantworter laufen lassen, welcher ihre Abwesenheit zwecks Festivitaeten erklaerte.

Und zum Schluss noch ein paar Bemerkungen, die in meinem Reisefuehrer ganz eindeutig gefehlt haben:
- Oute dich niemals als Schweizer, wenn du irgendwo was kaufen willst. Damit erspart man sich einderseits das handeln, bis man mal auf dem normalen Touristenpreis unten ist (und dann geht’s noch mal mindestens 5o% runter) und andererseits ein kaum Enden wollendes ChuchiChaestli-Schoggi-Kaese Geplapper (ich bin jetzt in der Regel Finne, das sagt den Leuten hier so gut wie gar nix).
- Ziehe im Taxi nicht den Sicherheitsgurt an, denn der Fahrer nimmt das als schwere Beleidigung auf, sein Fahrstil koenne unsicher sein (obwohl man ja eigentlich besser zwei anlegen wuerde).
- Oute dich niemals als Atheist. Wenn man Glueck hat weckt man nur einen unmoeglich zu bremsenden Missionseifer (nach etwa 1.5 Stunden wusste ich mir nur noch durch Flucht zu helfen) oder wenn man Pech hat wird man ordentlich verkloppt. Ich war jedenfalls bisher gluecklicher als andere und bin seither wieder Christ (Jude kommt uebrigens auch nicht so gut an).

Simba of Arabia - IV
Ich werd mal grad da einhacken, wo ich letzte Woche aufgehoert habe (falls sich noch wer erinnert, aber keine Angst, es ist ganz einfach den Faden wieder aufzunehmen).
Ich war ja leicht irritiert, als mein Vater mich verabschiedete mit den Worten: „Und wenn du dich als Deutscher ausgibst, hast du sowieso keine Probleme.“ Und das mit der Begruendung, dass die Araber halt denken, dass die Deutschen die einzigen waren, die jemals den Mumm besassen, etwas gegen die Juden zu unternehmen.
Ich konnte das nicht so recht glauben, hab mich aber letzte Woche ueberzeugen lassen, dass mein alter Herr mal wieder recht behalten hat.
Ich hab das Thema bei drei Nasen angesprochen und (natuerlich gibs da noch vom Bildungsniveau abhaengige Meinungen) die haben eigentlich alle gesagt, dass der Adolf ein ganz dufter Typ gewesen ist. Ein Mann mit Vision und so. Wenn man dann noch die Frechheit besitzt anzumerken, dass es ja wohl weder eine politische geschweige denn eine menschliche Loesung sei 6 Mio. Juden um die Ecke zu bringen, wird nur entgegnet, dass die Zahl ja eh von jenen selbst erfunden wurde um den Deutschen seit 50 Jahren einen Komplex einzureden.
Eine Meinung fuer die man in Europa wohl selbst grad auf dem Scheiterhaufen landen wuerde.
Nun ja, wie bei der Religion, fuehrte auch diese Diskussion ziemlich bald ins Leere, aber es ist doch mal interessant zu wissen, dass es auf der Welt nicht nur ein paar geistig vertrocknete NeoNazis, sondern noch einen ziemlich grossen Haufen anderer Leute gibt, welcher eine ganz andere Einstellung zum Holocaust hat, als wir sie pflegen.

Und da’s grad um Politik geht: Ueber Politik redet man in Tunesien nicht, denn
a) macht sie eh was sie will
b) faengt man als Fremder zwangslaeufig irgendwann an, irgendwas zu kritisieren, was hier zulande gar nicht beliebt ist.

Hat man sich allerdings behutsam genug an das Thema herangetastet, kann man ganz unterschiedliche Meinungen zu der lustigen tunesischen Regierung raushorchen. Beziehungsweise Meinungen zu ihrer Durchlaucht Praesident Ben Ali. Denn offiziell ist es eine praesidial gefuehrte parlamentarische Regierung. De facto ist es eine Monarchie mit Show-Parlament. Und wie gesagt, ueber die Art wie der Praesi seine Arbeit macht gibs vielfaeltige Meinungen.
Wenn man jedenfalls dann und wann mal die Zeitung anschaut, muss man glauben dass der Herr Ali ein uuunglaublich hart arbeitender Mensch ist. Es vergeht kein Tag, an dem er nicht mit irgendeiner fantastischen Taetigkeit einen Viertel der Frontseite einnimmt (und sei’s nur die Eroeffnung eines Kindergartens).
Und die wahnsinnige Liebe und Zuneigung saemtlicher Journalisten des Landes ist mit Sicherheit nicht der alleinige Grund fuer diese Tatsache.

Naja, wenigstens ist hier nicht die Sharia der Gesetzestext.
Und fuer meinen beschraenkten Horizont hat das vor allem einen Vorteil: man darf Alkohol kaufen.
Dies wollte ich tun um letzten Donnerstag mal alle in unserem Shining-Geisterhaus-Studentenfoyer verbliebenen Studis zu versammeln. Da das nun wirklich nur noch ganz wenige sind (sieben Stueck, verteilt auf ca. 400 Betten) lohnt sich eine Vorstellung:
Gunna, der erste Oesterreicher den ich hier ohne Probleme verstehe. Dummerweise sagt er kaum was und dann auch nur, wenn man vorher was gefragt hat. Er arbeitet nichts in einer Softwarefirma und bringt sich jetzt php bei.
Peppe von Spanien ist erst seit letzter Woche mit uns in Kontakt getreten, weil seit da das Foyer quasi Frauenlos wurde. Er arbeitet tatsaechlich was (hat seine Stelle aber auch selbst organisiert) und zwar entwirft er Bewaesserungsanlagen.
Da der Praesi es grad eine sauglatte Idee findet in Tozeur (Wueste) einen Golfplatz zu bauen, floriert die Firma.
Christian Moeller (die Nationalitaet ist leicht zu erraten) wagt sich seit drei wochen gerade mal wieder ohne KlopapierRolle aus dem Haus. Er verbringt seinen Tag damit, Messdaten eines Solarteiches von Papier in den Computer zu transferieren. Er arbeitet an der Uni und hat dummerweise bewiesen dass er’s ganz gut mit Computern kann. Mittlerweile macht er taeglich vier Stunden Ueberzeit, weil der halbe Campus ihre Maschinen zu ihm zur Reparatur traegt.
Jelena ist eine zierliche Serbin, deren Temperament so gar nicht zu ihrem Aeusseren passt. Ihr Hauptproblem ist, dass sie keine Fluchworte auf Franzoesisch kennt. Weil sie ja die einzige Dame hier ist, hat sie auch einen feinen Job bekommen. Sie hat 6 Wochen auf Baustellen verbracht, indem sie die Winkel der Dachgiebel gemessen hat.
Steffen Benz (ja wo der wohl her ist ?) hat 3 Wochen AutoCAD gelernt um danach in 2 Tagen ein komplettes Haus auszumessen, zu zeichnen und zu redesignen. Die Firma war zufrieden, jetzt liegt er auf der faulen Haut.
Eric Llull, ist ein Franzose, der mit Leinenhemd, Strohhut und Fischerbart aussieht wie Klein-Hemingway. Er hat das Deutsch mit dem geilsten Akzent („aeh, darf isch disch ein sigaret fragen…?“ oder „moechtest du einen wenig - aehh, wie saggt man - nuss-erde…?“) und hat nach seiner Aussage in Tunesien vor allem gelernt sich selbst zu beschaeftigen.
Und dann gibs noch Philipp aus der Schweiz, der auf irgendeine kranke Art und Weise alles ziemlich amuesant findet hier. Er programmiert den ganzen Tag Ansi C in einer Fettfabrik und ist sich ziemlich sicher, dass das was er produziert kaum jemals wer gebrauchen wird. Aber wenigstens is ihm nicht langweilig.

Doch nun zurueck zum Thema Getraenke kaufen. Also alkoholische Getreanke gibs nur in ein paar wenigen Bars. Die sind dann entweder *******-teuer oder von ziemlich vollen Arabern besiedelt, die in diesem Zustand nicht besonders umgaenglich sind.
Zu kaufen gibs den Stoff nur in grossen Supermaerkten und diese hegen ziemlich abstruse Verkaufsstrategien. Ich hab selbstverstaendlich den schlimmsten erwischt.
Der Monoprix in der Avenue de la Liberté verkauft seine Getraenke in einem Nebeneingang, dessen Interieur komplett vergittert ist. Da stellt man sich dann in einem Gittergang an, bis man irgendwo bei einem Loch ankommt, dass etwa so gross ist, dass man eine Weinflasche durchschieben kann. Es wird einem aber nicht langweilig, weil man bis dahin ziemlich beschaeftigt ist, auf sein Portemonnaie aufzupassen.

Was man dann kriegt steht im reziproken zum Aufwand den man betrieben hat. Es gibt hier zwei einheimische Biersorten:
„Celtia“ ist zum kotzen und „Stella“ gerade noch geniessbar.
Man kriegt zwar auch auslaendisches Bier (z.B.: Loewenbraeu oder Clausthaler, haha) was dann aber mindestens doppelt so teuer ist.
Der Wein, „Magon“ ist seinem Preis gerecht (ca. 6 sFr. Die Flasche), aber wenn man eine ueble Edition erwischt hat ist das Schaedelbrummen danach moerderisch.

Da ich nun schon seit vier Wochen keine Berge mehr gesehen habe, nahm ich die Einladung von Antje (einer Bewohnerin der Kommune von La Goulette) begeistert auf, einen Huegel bei Hammam Lif zu besteigen. Der Grund fuer diese Einladung war wohl weniger die Erwartung einen tollen Tag mit mir zu verbringen als vielmehr die Angst davor, als Dame, ganz allein aufbrechen zu muessen, aber das war mir egal.
Am Samstag starteten wir jedenfalls nach Hammam Lif, was etwa 15 km westlich von Tunis liegt.
Kurz vor dem Aufstieg hab ich zum erstenmal ueberhaupt einen Simca gesehen, Edition Simca, Vedette V8. Sptizenauto (dazu musst ich wohl erst in die zweite Welt absteigen).
Zu der Wanderung sei nur soviel gesagt: selbst vom kleinen Gipfel (haha, 470 m.u.M, den grossen konnten wir nicht besteigen, weil uns auf halbem Weg ein Militaerjeep angehalten hat und die Insassen uns nahe legten schleunigst ihr Uebungsgelaende zu verlassen) bot sich uns eine fantastische Aussicht ueber die gesamte Bucht von Tunis, vom Felsen Sidi Bou Said’s, bis zum Cap Bon.
Das Gelaende, welches nicht militaerische Speerzone war, war Nationalpark und beim Abstieg konnte man die Grenze zur „Zivilisation“ an einem feinen, stinkenden Muellwall erkennen. Schade eigentlich.
Den Sonntag hab ich mit dem Jungen verbracht, der seine Tochter unbedingt Mercedes taufen muss. Und zwar erst mit der Besichtigung des Bardo Museums, einer riesigen, total ueberfuellten Mosaiksammlung, und daraufhin mit Nichtstun am Strand von Gammarth.
Am Abend gings zum Ursprung der vielen Sandsteinpuzzles, ins Amphitheater von Karthago. Dort laeuft den ganzen Sommer ueber das „Festival international de Carthague“ und wir besuchten das Konzert von Cheb Mami, einem algerischen Saenger, der hierzulande wohl eine ganz heisse Nummer ist.
Die Kulisse war gewaltig: ein riesiges Amphitheater gefuellt mit etwa 7ooo derb ausgelassenen Tunesiern. Und man konnte ahnen dass es hier vor zweitausend Jahren nicht viel anders ausgesehen hat. Dass wir, anscheinend als einzige, die Texte nicht kannten machte das Konzert zu keinem minderen Erlebnis. Ich wuerde den Musikstil salopp als Arab-Funk bezeichnen, der tierisch in die Knie ging.
Dummerweise waren wir nicht ganz die einzigen die daraufhin im TGM zurueck nach Tunis wollten und so kamen wir erst um zwei Uhr morgens wieder zuhause an. Aber gluecklicherweise bin ich aber heute schon wieder um sechs aufgestanden, so dass ich gar nicht erst richtig muede werden konnte.

Simba of Arabia - VI
Durfte die letzte Woche mal wieder zwei Episoden aus der Reihe: "Bitte suchen sie nicht nach Logik in Tunesien" erleben.
Letztes Wochenende eroeffnete der Manager (we call him the small gai guy with no hair...) unseres Studentenfoyers ueberraschenderweise, dass wir nun doch noch bis zum Ende unseres Praktikums da wohnen bleiben duerfen, anstatt, wie bisher angenommen, die letzte Woche in La Goulette verbringen zu muessen.
Weil wir mittlerweile allesamt die Wohngelegenheit in La Goulette besichtigen durften, zogen wir es vor, solange wie moeglich in unserem kleinen Hotel zu bleiben und auch die Abwesenheit einer Kueche weiterhin in Kauf zu nehmen. Wie dem auch sei, das Foyer hielt laenger offen, weil fuer die Woche noch eine Reisegruppe aegyptischer Studentinnen die Cité Universaire bevoelkern sollte. Das wusste der kleine Mann zwar schon seit anfang April, er war aber trotzdem bisher der Auffassung seinen Laden am 20.August schliessen zu koennen. Auch egal, einzige Bedingung war allerdings, dass wir in den zweiten Fluegel des Hauses umziehen, der bis anhin leerstand. Wir eroeffnetem ihm die Moeglichkeit, dass doch einfach alle Aegypterinnen dort reinsollen, damit wir nicht umzuziehen brauchten. Das lehnte er allerdings ab mit der Begruendung, dass jener Fluegel das Maennerhaus sei....aeh, so what? Nicht, dass sich die zwei Gebaeude in irgendwas unterscheiden wuerden. Und ueberhaupt, in welchem Anfall von Anarchie haben wir denn bisher fuenf Wochen im Maedchenhaus gewohnt?

Als ich jedenfalls am Mittwoch nachmittag frohen Mutes den Bus bestieg, um von der Arbeit nach Hause zu fahren, drueckte ich dem Billetstempler 690 Millimes fuer meine Heimfahrkarte in die Hand (denn das kostet normalerweise 680). Sein Gesicht verzog sich zu einer unschoenen Grimasse, die eine Unzufriedenheit suggerierte. Ich gab ihm also einen Dinar, gespannt auf seine Reaktion. Die fiel gluecklich aus - er gab mir ein Billet und 310 Millimes Retourgeld. Ich glaub der hat gepennt in der Primarschule.

Zum Thema Arbeit und Geld. Ich war ja unglaublich stolz am vergangenen Freitag, 10:42h Ortszeit mein Programm beendet zu haben. Dafuer waren aber einige Wochen zaeher und brutal ermuedender Fehlersuche notwendig (ja die Ideenkreation hat nur ein paar Tage gebraucht) und mir wurde mal wieder ins Bewusstsein gerufen, warum ich eigentlich ueberhaupt nicht gerne programmiere... Als ich dann meine Praesentation beim Mohammed vollzogen habe (ohne Vorfuehreffekt) hat jener ein Gesicht gemacht wie ein Kind im Suesswarenladen. Als ich ihm dann noch den Code erlaeutern wollte hat er im Gegensatz dazu etwa so ausgesehen, wie ich, wenn jemand arabisch mit mir spricht. Das brachte mich zu der Schlussfolgerung, dass, falls mein Mohammed jemals das Beduerfnis haben sollte mein Programm im Zusammenhang mit der neuen Fabrik brauchen zu wollen, er gnadenlos scheitern wird.
Aber das wird eh nicht passieren und das hat mir Alain von DeSmet bestaetigt. DeSmet ist die belgische Firma, welche die Erstellung der neuen Fabrik auf der Basis von tunesischen Arbeitern koordiniert. DeSmet plante das ganze Projekt, vom Gebaeude ueber die Maschinen, bis hin zur Software, welche die Fabrik steuern soll. Und eben dieser Mensch versicherte mir, dass ihr Programm, die Applikation welche ich konstruiert habe, auch mit drin hat. Er war ueberhaupt sehr froh, mal einen Europaer in der Firma zu finden um eine gute Runde ueber diesen meinen Arbeitgeber laestern zu koennen.
Der gute Alain baut seit 20 Jahren ueberall auf der Welt Speiseoelraffinerien, aber das Projekt in Oued Ellil sei das schlimmste, zu dem er je berufen wurde. Auf den Punkt gebracht meinte er, wenn die guten Leute hier mal was arbeiten taeten (und das kommt etwa einmal die Woche vor), dann machen sie es auf ihre Art und Weise, was in der Regel das Gegenteil von dem ist, was er vorgeschlagen hat. Er hat sich mittlerweile angewoehnt, sich nicht mehr aufzuregen, sondern zu warten, bis das Projekt fehlschlaegt um dann seinen Vorschlag zu wiederholen.
Ich hab schlussendlich sogar einen Lohn gekriegt. Das war aber ein schoenes Stueck Arbeit, will heissen von Mittwoch bis Freitag taeglich dem Kassierer eine Stunde lang im Nacken sitzen und ihn an meine Beduerfnisse erinnern. Es war ja nicht so, dass sie mir kein Geld geben wollten, nur, was auch immer einen Mehraufwand fuer den Kassierer bedeutet, wuerde er am liebsten ganz schnell wieder vergessen.

Am Freitag, meinem letzte Arbeitstag sind dann auf jeden Fall nochmals alle furchtbar sentimental geworden, von wegen es waer ja so toll gewesen mit mir und ich muesse ja sowieso und unbedingt naechsten Sommer wiederkommen (weil dann vielleicht auch die Fabrik fertig is). Das fand ich irgendwie ein bisschen geheuchelt, weil ich schliesslich 6 Wochen lang ziemlich allein gearbeitet hab und nicht mit besonders vielen Leuten besonders tiefgreifend in Kontakt getreten bin. Richtig herzlich war aber der Abschied von meiner Putzfrau, mit welcher ich wahrscheinlich am meisten geredet hab in dieser Firma, schliesslich hat sie mich von Anfang an taeglich sehr fuersorglich mit Kaffee versorgt.
Hab auf jeden Fall meine sieben Sachen und zwei Kilo ‚savon royal' gepackt, die Putze gekuesst und Oued Ellil den Ruecken gekehrt, um in die Medina von Tunis was essen zu gehen.
Im Gegensatz zu den meisten Praktikanten hier mag ich tunesisches Futter sehr gerne. Das hat im wesentlichen zwei Gruende:
1.) sie haben aesthetische Ansprueche
2.) sie moegen nicht so gern pikantes
Zum ersten Punkt: Traditionelles tunesisches Essen ist in vielen Faellen von brei-aehnlicher Konsistenz, was nicht immer was fuers Auge her macht. Ebenfalls traditionelle tunesische Restaurants (welche fuer mein Budget tragbar sind und ausserdem sehr einheimisch) sind weit davon entfernt irgendwelchen Komfortanspruechen zu genuegen. Es hat mich gewundert dass ich trotz diesem Umstand ich bisher immer noch keine Magenprobleme hatte, obwohl ich in vielen Restaurants gegessen habe, in welche ich in der Schweiz wohl keinen Fuss setzen wuerde.
Der Grund fuer meine ventrale Resistenz koennte aber auch Punkt zwei sein....

Bei meinem taeglichen Irrgartentraining in der Medina hab ich dann und wann mal Saechelchen gesehen, welche ich unbedingt, entweder als Mitbringsel oder fuer mich selbst, erstehen wollte. Nachdem ich dann zu jedem einzelnen einen realistischen Preis in Erfahrung bringen konnte, fuehlte ich mich reif am Samstagmorgen einen maechtigen Einkaufsbummel in die Souks (Maerkte) zu unternehmen.
Wir starteten um 10.00 Uhr und gegen 20.00 Uhr (inclusive Kaffe- und Essenspause) hatte ich tatsaechlich alles, was auf meiner Liste stand - und zwei Rucksaecke gefuellt.
Inclusive einer Flasche Wein, welche aber den Abend nicht ueberleben sollte, sondern zur Unterstreichung unserer letzten Nacht im Foyer diente.
Den halben Sonntag hab ich dann gebraucht um das ganze Zeug in meinem Koffer zu verteilen und um meinen Tramper-Rucksack mit dem noetigen fuer die naechsten zwei Wochen zu fuellen. Saemtliche im Foyer verbliebenen Praktikanten haben dann mit mir zusammen Domizil gewechselt in das liebliche Staedtchen am Meer (das war ironisch gemeint). Und als wir im Taxi Tunis verliessen ueberfiel mich kurz ein wehmuetiges Gefuehl an die Stadt, welche ich in den letzten Wochen gleichermassen lieben und hassen gelernt habe.
Mein Koefferchen wird auf mich in LaGoulette warten, waehrend ich zwei Wochen lang in Tunesien rumgurke. Meine Reise verlaeuft der gesamten Ostkueste entlang, von CapBon bis Djerba. Bin sehr gespannt darauf, wie dieser Teil meines Aufenthalts verlaufen wird.....

Simba of Arabia - VII
Letzten Montag sollte also der Ferienpart meines Tunesienaufenthaltes beginnen. Er tat es auch.
Ich und der Herr Benz wollten an jenem Tag zusammen in Tunis einen Berg feinster tunesischer Patisserie zum Fruehstueck verdruecken, ehe er Richtung Deutschland floh und ich zu meiner selbstgebastelten Odyssee aufbrach.
Wir verabredeten uns, um 07.30h la Goulette Richtung Tunis zu verlassen. Da er - im Gegensatz zu mir - noch nicht einmal die primitivste aller tunesischen Gepflogenheiten angenommen hatte, zeigte er sich etwas erstaunt, dass ich um halb acht noch im Bett lag.
Wie dem auch sei, nachdem wir unser Vorhaben in die Tat umgesetzt hatten - im Café Tunis, vor einer lauschigen aus brausenden Autos und trillerpfeiffenzwitschernden Polizisten bestehenden Geraeuschkulisse - setzte eine kurze aber herzliche Abschiedsszenerie unserer trauten Zweisamkeit ein Ende.
Der Himmel hat geweint, als ich Tunis verliess. Das fand ich zwar unglaublich ruehrend, aber irgendwie unpassend fuer meine Reise. Ich startete mit dem Louage (Sammeltaxi) nach Kelibia, einem kleinen Staedtchen auf Cap Bon, der Halbinsel, welche den aeussersten nordoestlichen Auslaeufer Tunesiens bildet.
Da mein erster Eindruck von Kelibia der einer stinkenden, kleinen, verkehrsgeschaendeten Stadt ohne Sehenswuerdigkeiten war, beschloss ich mir ein Taxi zu mieten, um ein wenig auf CapBon rumzugurken. So habe ich mit Mohammed (wie koennte es auch anders sein) in Rekordzeit saemtliche huebschen Orte auf dem Inselchen abgeklappert, um mich schliesslich in Kerkouan ausladen zu lassen. Mein Plan war, nach der Besichtigung des hiesigen punischen Truemmerfeldes dem Meer entlang nach Kelibia zu latschen. Offensichtlich haette sich eine Investition in eine detailliertere Tunesienkarte gelohnt, denn die 12 km, welche die zwei Doerfchen via Highway trennten verwandelten sich dem Strand entlang zu einem sportlichen 25 km Fussmarsch, welcher mich etwa vier Stunden lang beschaeftigte.
War aber ein sehr schoener Spaziergang. Die Landschaft aenderte in dieser kurzen Distanz von Felssteilkueste ueber kleine, tanggeflutete, grau-sandige Straende zu weitlaeufigen, gelbpudrigen Sandkuesten. Die einzigen Menschen, welche meinen Weg saeumten waren ein paar (aeusserst freundliche) Fischer und einige Familien, welche am Strand campierten.
Campen am Meer ist ueberhaupt ein tunesischer Volkssport, dem man, meiner Ansicht nach auch als Tourist (relativ) gefahrlos froenen kann. Bedingung ist halt, dass man sich ein einsames Plaetzchen sucht und nicht gerade vor den Ghettos oder den grossen Touristenhotels parkt.
Kurz vor totaler Dunkelheit bin ich dann jedenfalls - relativ geplaettet - in Kelibias ‚maison des jeunes' angekommen, um nach einer ausgiebigen Verpflegung à centre ville ins Bett zu fallen.
Um ab hier nun nicht weiter mit Chronologie zu langweilen ein kurzer Routenueberblick mit abschliessender Eindruckssammlung:
Meine Reise folgte der Ostkueste und zwar folgendermassen: Cap Bon (el Houaria, Kerkouan, Kelibia) - Nabeul - Hammameth - Sousse ( + Port el Kantaoui) - Monastir - el Jem - Sfax -Gabès - Djerba (Houmt Souk, Aghir).
- Den schoensten Strand gibs zweifelsohne noerdlich von Kelibia; quadratkilometerweise (unverschmutzten !) Sand, ohne Bevoelkerung, ergaenzt durch ein glasklares Meer mit abenteuerlicher Brandung.
- Den geilsten Ribat (eine klosteraehnliche Festung benutzt als Herberge fuer Djihad Soldaten) hat Monastir. Ein fantastisch erhaltenes Riesenschloss mit labyrintheskem Charakter. Nich umsonst war dies einer der Drehorte fuer Monthy Pythons ‚Life of Brian' (Romani ite domo !). Das dies keinem der Ribatwaechter bekannt war, verwunderte mich ein wenig. Moeglicherweise kam der blasphemische Charakter des Filmes hier nicht besonders gut an.
Ebenfalls ganz schick ist in Monastir das Bourguiba (Ex-Praesi) Mausoleum. Das Haeuschen war in meinem Reisefuehrer noch als unbetretbar deklariert. Da der gute alte Habib aber mittlerweile den Loeffel abgegeben, hat darf man frisch froehlich in seiner Ruhestaette rumturnen (mit netten Worten gegenueber dem Waechter auch ausserhalb der Oeffnungszeiten). Da dreht sich der Bourguiba im Grabe um, hahaha.
- Die beste Chicha gibs im Café Maure, Ave de la Libération in Hammameth. Ein wunderschoenes urpruengliches, von aussen (gluecklicherweise) ziemlich schlichtes Café in welches sich (im Gegensatz zu fast allen anderen Orten in Hammameth) kaum je ein Tourist reinwagt.
Das uebelste Teil dieser Sorte goutierte ich in der Medina von Sfax. Nach etwa einer halben Stunde dampfen haette ich schier gereiert und war den Rest des Abends ziemlich desorientiert.
- A propos Medina: die tollste fuehrt Sousse. Ein reichhaltiger lebhafter Riesenmarkt bestehend aus Kleider-, Gewuerz-, Fleisch-, Fisch-, Fruechte-, Gemuese-, Gold-, Metallwaren und (selbstverstaendlich) Souvenir-Souk. Ein mittelalterlicher Supermarkt halt. Und das Ganze eingefasst in eine dicke Stadtmauer, ergaenzt durch grosse Moschee, Ribat und Kasbah.
Absolut laecherlich dagegen war Hammameths Medina; ein winziges, 200 x 200m Quadrat ohne Charme und lediglich gefuellt mit Touristenramsch und unglaublich aufdringlichen Haendlern, von welchen jeder einzelne dieselben oeden Fangsprueche verwendet: ‚Wo bist du von?' - ‚Wie heisst das bei dir?' - ‚Was kostet das bei dir ?' - auf letzteres gewoehnte ich mir an zu antworten: ‚So einen Schrott gibs bei uns nicht.' Das ist zwar etwas unfreundlich aber wirksam.
- Die tollste Unterkunft auf meiner Reise war die British Gas Village in Sfax. Ich besuchte dort zwei Iaeste-Austauschstudis, welche bei British Gas praktizieren. Und obwohl ich dort zwei Naechte auf dem Sofa verbrachte war der Komfort erste Sahne. Das ganze Doerfchen hatte die BG-Group aus dem Boden gestampft um ihre europaeischen Arbeiter unterzubringen. Da gabs viele, viele Einfamilienhaeuschen, umgeben von englischem Rasen, zwei Swimming Pools, ein Fitness-Center, Squash Hallen, Tennisplaetze, einen Laden, eine Schule, etc. etc. Dummerweise liegt das Doerfchen etwas ausserhalb von Sfax, so dass der Preis einer Taxifahrt von dort in die Stadt etwa einer billigen Hotelnacht entsprach.
Die uebelste Unterkunft war das Hotel des Perles in Sousse. Ein kleines, marodes Hotel, dessen Bettwesche wahrscheinlich etwa bei jedem zehnten Gast gewechselt wird und in dessen Bad (eines fuers ganze Hotel) Jaques Cousteau eine helle Freude gehabt haette.
Die Untekunft bestach allerdings durch ihre Preisangebote und die perfekte Lage in der Medina und hatte ausserdem einen sehr freundlichen Concierge.
- Die schoenste Anektote gibs aus Hammameth zu erzaehlen: Als ich etwa um halb eins nachts dem Schatten entlang der Stadtmauer geisterte, ueberholte ich zwei mittelalterliche Damen, welche von einem etwa 17-jaehrigen Tunesier begleitet wurden. Und so im Vorbeigehen schnappte ich folgendes auf: "ach, s'isch kes joor gliich wie s'angere hie unde" Die Interpretation sei dem Leser ueberlassen.....
- Ebenfalls in Hammameth durfte ich die netteste Korruption Tunesiens beobachten. Da gab es mitten auf der Plaza einen kleinen Schwarzhaendler (die erkennt man daran, dass ihr Verkaufsstand innert Sekunden abgebaut und weggetragen werden kann), der leider das herannahende PolizistenDuo zu spaet erblickte. Er machte einen etwas blassen Eindruck, als jene mit ihm zu sprechen anfingen und war sehr erleichtert als diese sich je eine Schachtel Zigaretten nahmen und von dannen zogen.

Zusammengefasst wuerde ich sagen, dass Sfax (nur ganz knapp vor Sousse) die schoenste Stadt ist, welche ich besichtigt habe. Die Stadt ist die zweitgroesste in Tunesien und gilt als Industriestadt. Gerade deswegen ist sie wohl bisher vom Tourismus gaenzlich verschont geblieben und zeigt sich sehr urspruenglich (in Sfax gibs uebrigens auch die nettesten Taxifahrer, was ich von Tunis nicht gerade behaupten kann).
Das krasse Gegenteil hierzu bildet Hammameth, das vom geballten Tourismus ueberrollt wurde und wo Brauhaus und Tourist-Bimmelbahn nicht mehr viel von Tunesien erahnen lassen.

Simba of Arabia - VIII
Meine letztze Woche in Tunesien war gepraegt von am Strand liegen und dem Versuch all das fuer meine heissersehnten Pruefungen zu lernen, was ich eigentlich auf die letzten zwei Monate haette verteilen wollen.
Will heissen, ich hab nicht besonders viel von Djerba gesehen, aber wahrscheinlich immer noch mehr als jeder Durchschnittstourist (was mich unglaublich stolz macht), naemlich die Hauptstadt, den Flughafen, 3 Straende, 7 Hotels (von 184) und das Schlachtfeld von LaGhriba.
Das Preis/Leistungsverhaeltnis meiner Unterkunft war jedenfalls noch besser als die British Gas Village.
Die Jugendherberge von Aghir ist eine wunderschoene, schmucke und saubere Anlage zu ultrabillig Preis. Weil das Etablissement aber nur von sechs Personen besiedelt wurde, war das Restaurant geschlossen. Gluecklicherweise gabs in der Umgebung genug Hotels an deren Buffets man sich guetlich tun konnte....

Werde dann also heute, Samstag, nach Tunis jetten um nochmals in La Goulette (oder la Toilette/La Zareth) zu naechtigen, um am Sonntag schliesslich nach ‚Zu reich' zurueckzukehren.

Grosses Fazit:
Tunesien ist ein wunderschoenes Land das von bewaldeten Bergen bis zur Wueste eigentlich alles zu bieten hat. Des weiteren ist es praechtig mit Kulturguetern (von punisch ueber roemisch bis Islamisch und noch diverses christliches allerlei dazwischen) gesegnet.
Dem ganzen Land geht's eigentlich nicht so schlecht und es ist mit Sicherheit der modernste Maghreb Staat, der auch weiterhin krampfhafte Anstrengungen unternehmen wird, sich Europa anzunaehern (ob das nun gut oder schlecht ist, sei mal dahingestellt).
Wenn auch viele Akademiker hier im Service arbeiten muessen (was wohl ziemlich bitter ist), so haben sie doch wenigstens was zu tun. Doch gerade dass der Tourismus eine ziemlich dynamische Einnahmequelle ist und dass es nicht so eine tolle Idee ist, den gesamten Fortschritt des Landes drauf zu bauen, durfte Tunesien diesen Sommer schmerzlichst erlernen. Denn nach der Arabien-Panik des elften Septembers und noch dazu das grosse Kawums in der Synagoge von Djerba hat nicht geradezu animiert, nach Tunesien zu reisen.
A propos Synagoge: Was in la Ghriba genau passiert ist, dazu gibs etwa soviel Meinungen wie Tunesier: Die Tuerken, die Spanier, die Russen, al Kaida, die Juden (?) oder ein schlicht suizidal veranlagter Tankwagenchauffeur mit Geltungsdrang. Ist auch ziemlich schwer rauszufinden, denn von dem ganzen Event ist nur ein Haeufchen Asche uebrig geblieben. Meiner Meinung nach war Tunesien genoetigt vor der Weltoeffentlichkeit zuzgeben, dass es ein Terroranschlag war, weil das unsere Medien erwartet haben.
Wissen tun sie's selber nicht.
Aber weiter zum Fazit: Die tunesische Kueche, wenn auch nicht besonders speziell, geschweige den aesthetisch hat mir immer prima gemundet. Dachte mir nur, dass wenn der Mensch es schliesslich geschafft hat, den Thunfisch auszurotten, Tunesien in eine schwere Identitaetskrise fallen wird. Aber das hat noch ein paar Jahre Zeit.
Das einzige, was fuer den Mitteleuropaeer (wie mich) sehr gewoehnungsbeduerftig ist, ist die Mentalitaet der Leute (aber deswegen bin ich ja hergekommen), denn die Tunesier nehmens nicht besonders genau mit
a) der Zeit
b) der Wahrheit
Ausserdem besitzen sie das Umweltbewusstsein eines Hochgebirgsnepalesen, der immer noch glaubt, Plastikflaschen wuerden so schnell verrotten wie Kuechenabfaelle.
Punkt b) aeussert sich vorallem, wenn man was kaufen oder eine Information haben will. Wenn die Jungs ein bisschen Kohle wittern, koennen sie einem das gelbgruen vom Himmel runterluegen und wenn man's nicht besser weiss, kann man da ganz schoen in die *******e tappen (Um es mit den etwas unfeinen Worten Jelena's zu sagen: "An average Tunisian guy would fuck his mother for a dinar").
Diese Geschichten auf ihre Glaubwuerdigkeit hin abzuschaetzen ist ziemlich schwierig, denn einen netten Eindruck machen die Leute hier alle.
Und will man irgendwann, irgendwo was in Erfahrung bringen, dann fragt man nicht einen Tunesier, sondern sieben und bildet dann den Mittelwert. Ich hab in meinen zwei Monaten Tunesien niemals jemanden gefunden, der auf eine Frage hin geantwortet hat:"Weiss ich nicht" - Entweder wollen sie ihr Gesicht nicht verlieren oder sie haben einfach Spass dran, dich zu verarschen.
Bilanz:
- Hab einen Berg voller Eindruecke
- Einen Berg Souvenirs
daraus resultierend
- Etwa 15 kg Uebergewicht im Gepaeck
dafuer
- Etwa 5 kg Koerpergewicht weniger
- Zwei kaputte Lungenfluegel
- Viele Freunde mehr
- Eine Freundin weniger

Kleines Fazit:
War lustig hier.

Hier findest du im Text auch zu Sfax einiges.

Claudia