Ich gebe dir voll und ganz Recht. Ich stimme völlig mit dir überein, dass Kindererziehung sicherlich nicht einfach ist und ein Rahmen, sowie Vorbilder notwendig sind. Dies ist für Kinder noch viel wichtiger als für die Eltern. Möglicherweise ist mein Apell/ meine Ansicht nicht verständlich genug rüber gekommen. Ist ja auch ein komplexes Thema.
Klärung ergibt sich vielleicht schon durch Beantwortung deiner Fragen:

Unterdrückung ist immer der falsche Weg. Wer sagt denn aber, dass immer nur die Väter die Kinder unterdrücken?

Richtig. Nur bezog ich mich hier auf Tunesische Väter,- dem Forum und Thema angelehnt.

Dass islamisch gläubige Menschen ihre Kinder unterdrücken?

Ein Blick in unsere Deutsche Gesellschaft genügt. Man lese nur einmal den Spiegel. Die meisten leben in der Annahme, dass sobald man eine muslimische Frau ist, auch mit Unterdrückung zu kämpfen hat. Das man als Muslimische Frau quasi keine reelle Chance auf Gleichberechtigung hat.
Das ist nicht mein Bild. Das ist das Bild vieler Menschen um uns herum. Auch vieler Menschen, welche sich zum Islam bekennen und somit verantwortlich dafür sind, dass diese „Unterdrückung“ praktiziert wird.

Dass islamische Erziehung mit Unterdrückung einhergeht?

Unterdrückung (vor allem von Mädchen) im Namen der angeblich Islamischen (christlichen/…) Erziehung ist allgegenwärtig. Das heißt ja noch lange nicht, dass dies so richtig ist.
Auch im Bezug auf die zu vorige Frage:
Menschen, welche den Islam falsch interpretieren/leben, benutzen diesen zugleich um Kulturell bedingte Strukturen zu erhalten, durch welche dem Weiblichen Geschlecht weniger Wert und Recht zugesprochen wird als dem Männlichem. Diese Strukturen sind somit Kulturelle Erscheinungen, welche ein modifiziertes Bild der entsprechenden Religion darstellen. Meist einfach, da die Menschen dazu erzogen werden, bestimmte Gebote und Verbote SO und nicht ANDERS zu verstehen oder zu interpretieren, oder einfach, weil sie nicht viel über ihren Glauben wissen.
Aber das ist dir sicherlich bewusst. Wollte es nur nochmal aufführen.


Ich frage mich überhaupt, ob du Kinder hast.

Ist das wesentlich? Vielleicht bediene ich mich einer anderen Materie um mir das Recht herauszunehmen, über dieses Thema sprechen zu können.

Was aber heisst für dich liberal?

Mit dem Wort LIBERAL wollte ich nur das Gegenufer zu dem grad veranschaulichtem ausdrücken.
Fazit:
Man kann den Islam so oder so leben. Liberal meint für mich, dass kein Geschlecht Vorteile vor dem anderen haben darf, und dass jeder Mensch das Recht hat, SELBST Entscheidungen zu treffen. Und ich bin mir sicher, dass der Islam die beste Basis hierfür bietet, wenn er nur entsprechend interpretiert und verstanden wird. Ich glaube, dass grad hier die Herausforderung an uns Menschen liegt: Sich nicht blenden zu lassen, und seinem Gewissen und Verstand nach Richtige Entscheidungen zu treffen. Vielleicht lässt der Koran deshalb auch solch viele Arten der Interpretation zu.

Mein Statement ist, dass ich es nicht Richtig finde, wenn man den Islam nur dazu benutzt um bestimmte Erziehungsmethoden zu rechtfertigen. Ich kenne nun mal viele Tunesische (allgemein arabische) Väter, welche dies tun. Selbst leben sie ihre Religion kaum, auch wurde diese den Kindern niemals richtig vermittelt und dann heißt es plötzlich wenn „Yasmin“ in die Disco möchte, dass sich das für Muslimische Mädchen nicht gehört. Der Glaube wird hier einfach nur benutzt um persönliche Interessen zu verfolgen. Das finde ich nicht ok.
Wird Yasmin aber nun von klein auf in diesem Sinne erzogen, was heutzutage halt typisch Islamisch meint, dann wäre das Verbot hier legitimer. Letztendlich ist es Sache der Eltern was sie verbieten und was nicht. Ich beziehe mich hier auf den rein Menschlichen Aspekt. Es wäre einfach unfair ihr gegenüber, wenn dieses Verbot so aus heiterem Himmel auf sie treffen würde. Um nochmal Bezug auf das „Liberal“ zu nehmen: In diesem Falle meine ich, dass wenn Yasmin das 18. Lebensjahr überschritten hat, sie doch die Möglichkeit haben sollte SELBST zu entscheiden.