Er liebt die Musik und setzt sie immer wieder als Mittel der interkulturellen Verständigung ein. Daniel Barenboim, weltberühmter Dirigent und Pianist leitet das West-Eastern Divan Orchestra bei einem spektakulären Konzert in Ramallah.

Daniel Barenboim war schon mehrfach in Ramallah zu Besuch. An einen Aufenthalt erinnert sich der Generalmusikdirektor der Staatsoper Berlin allerdings besonders gern. Er hatte gerade ein Konzert vor 300 Kindern gegeben, als sich ihm ein Mädchen näherte und ihm sagte: „Ich bin so glücklich, dass Sie hier sind.“ „Warum bist Du glücklich, dass ich hier bin?“, erwiderte der weltberühmte Pianist und Dirigent. „Weil Sie das erste aus Israel sind, das weder ein Soldat noch ein Panzer ist.“

Vorurteile überwinden, Feindbilder abbauen, einander kennen lernen, das Verbindende im Verschiedenen entdecken, zur Versöhnung beitragen: In dem Bemühen, die Welt mit Hilfe der Musik zu einem etwas besseren Ort zu machen, hat sich Daniel Barenboim bislang weder von bürokratischen Hindernissen noch von persönlichen Anfeindungen abschrecken lassen. Noch immer machen ihm Israelis – darunter Staatspräsident Mosche Katzav – zum Vorwurf, dass er im Sommer 2001 in Israel die Ouvertüre aus Wagners „Tristan und Isolde“ zur Aufführung brachte. Seine Klavier-Konzerte in Ramallah stießen ebenfalls auf Ablehnung: Er fraternisiere mit dem Feind, werte Palästina auf, musste er sich anhören. Und als ihm im Mai 2004 in der Knesset trotz des Widerstands einiger Abgeordnete der Wolf-Preis überreicht wurde und er die Gelegenheit nutzte, die Palästina-Politik Israels zu kritisieren, kam es prompt zum Eklat.

Trotz seines politischen Engagements legt der Sohn russisch-jüdischer Emigranten, der 1942 in Buenos Aires geboren wurde, großen Wert auf die Feststellung, in erster Linie Künstler zu sein. Den Grundstein für seinen Welterfolg als Musiker legte er schon sehr früh: In den 50er Jahren galt er als pianistisches Wunderkind, das erst in Argentinien, dann in Europa für Begeisterung sorgte. Gerade mal sieben gab er sein erstes Klavier-Konzert in Buenos Aires, drei Jahre später folgten erste Auftritte in Salzburg und Wien. Später begegnete er Edwin Fischer, bei dem er Unterricht nahm, und seinem Idol Wilhelm Furtwängler, der sich von dem jungen Talent begeistert zeigte.

Daniel Barenboim – ein Virtuose am Klavier

Doch dabei wollte er es nicht belassen. Schon bald besuchte er Dirigentenkurse bei Igor Markevich, holte sich den letzten Schliff bei Nadia Boulanger und begann seine Laufbahn als Dirigent 1961 zuerst in Israel, später in Österreich. Seitdem sorgt der Vollblutmusiker auf beiden Gebieten seines künstlerischen Schaffens für Aufsehen – am Klavier ebenso wie mit dem Taktstock in der Hand. So spielte er 1964 mit dem English Chamber Orchestra zum ersten Mal in London, Paris und New York sämtliche Konzerte für Klavier von Wolfgang Amadeus Mozart. 1973 wurde er Nachfolger von Sir Georg Solti an der Spitze des Orchestre de Paris. Er dirigierte seit dieser Zeit die wichtigsten Orchester der Welt, vor allem in London, wo er seinen ständigen Wohnsitz hatte.
1981 leitete er mit Richard Wagners „Tristan und Isolde“ seine erste Bayreuther Aufführung. Bemerkenswert auch seine Einspielung der 32 Sonaten und der fünf Konzerte für Klavier Ludwig van Beethovens, einmal als Pianist unter der Leitung von Otto Klemperer, einmal als Dirigent mit Arthur Rubinstein am Flügel. Ob Johann Sebastian Bach, Frédéric Chopin, Johannes Brahms oder zeitgenössische Klavierliteratur: Was immer der gefeierte Pianist auch anfasste, es schien ihm mühelos zu gelingen. 1989 legte er die Leitung des Orchestre de Paris nieder, um die der neuen Opéra de Paris zu übernehmen. Aufgrund von Streitigkeiten mit dem Intendanten trat er diese Stelle jedoch niemals an. 1991 übernahm er stattdessen die Leitung des Chicago Symphony Orchestra und wurde ein Jahr später Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper Unter den Linden.

Daniel Barenboim – ein Weltstar und Weltbürger

Er liebt die Musik und setzt sie immer wieder als Mittel der interkulturellen Verständigung ein. „Musik ist eine Kunst, die alle Grenzen überschreitet“, sagte er bei der Verleihung des Wolf-Preises vor dem israelischen Parlament. „Als solche kann sie die Gefühle und Wünsche von Israelis und Palästinensern in neue, bislang nicht vorstellbare Dimensionen führen.“
Ein Konzert des West-Eastern Divan Orchestra in Ramallah war bislang nicht vorstellbar. Nun wird es Realität – ein weiterer Höhepunkt im Leben eines in vielerlei Hinsicht außergewöhnlichen Menschen und Musikers.

http://www.arte.tv/de/kunst-musik/festivalsommer-auf-ARTE/TV-Programm/912442,CmC=932738.html
http://www.danielbarenboim.com/

Claudia