...das man das Einkommen nachweisen musste, schliesslich will Vadder Staat zu Recht auch wissen, wovon die Familie leben wird...
Mag sein, daß sie es wollen - für die Entscheidung hat es aber KEINE Relevanz, da bei einem Familiennachzug zu einem deutschen Staatsbürger die Einkünfte keine Rolle spielen, und, wie schon mal in einem anderen Thema diskutiert, ein Nachzug natürlich auch zu einem Sozialhilfeempfänger garantiert ist. So gut wie alle Fälle, bei denen dies aus diesem Grunde verweigert wurde, wurden vor den Gerichten positiv beschieden.
Was die Ämter allerdings vermuten, wenn kein Einkommen vorhanden ist, ist, daß der Sozialhilfeempfänger für diese Ehe bezahlt wird (also z.B. 20.000€ bekommen hat) und diese Ehe daher zum Schein ("Scheinehe") allein zum Zweck der Erlangung der Aufenthaltsgenehmigung geschlossen wurde. DIES ist der Grund, warum Auskünfte über Einkommen und Wohnraum eingefordert werden. Hintergrund ist, daß es einen regen "Markt" gibt, wo Sozialhilfeempfänger zielgerichtet für Scheinehen angeworben werden - und das passiert auch im Urlaub, ich kenne mehrere Leute, denen bereits Summen/Häuser in Tunesien für eine Hochzeit geboten wurden. Allerdings gehört Tunesien nicht zu den "klassischen" Ländern, aus denen Schein-Ehepartner kommen - die kann man aber beim Ausländeramt erfahren, in jeder Stadt gibt es andere Schwerpunkte. Ausländerämter sind im übrigen nicht nur zum Verbieten und Erlauben da, sondern auch, um sich selbst aufgrund deren Erfahrungswerte und Informationen schlau zu machen; wie gesagt, in vertrauensvollem Gespräch lernt man die Gedanken und Überlegungen des anderen Seite besser kennen.
Typische Scheinehe-Argumente sind (in Klammern die Gedanken der deutschen Behörden) zum Beispiel: großer Altersunterschied: (welcher junge Mensch heiratet freiwillig einen alten), kein Einkommen (da muß sich derjenige durch die Ehe ja was erhoffen oder hat uns was verschwiegen), kurzes Kennen (wer heiratet ohne den anderen schon Jahre zu kennen), kein Zusammenleben (wer ernsthaft heiraten will, steigt mit dem anderen auch in die Kiste), keine Zukunftsplanung (offenbar ist ja auch gar keine beabsichtigt).
Wirkungsvolle Argumente, die gegen eine Scheinehe sprechen, sind: Mehrmonatiges Zusammenleben (und -schlafen, das LIEBEN die Behörden!) in Tunesien und/oder kontinuierliche finanzielle Unterstützung an den tunesischen Partner (der ist also nicht so reich, um für die Heirat zu bezahlen) und natürlich, als Königsdisziplin, ein gemeinsames Kind mit dem Partner (die meinen es wirklich ernst).
Wie man sieht, sind die Argumente hier sehr unterschiedlich gegenüber "Bezness"-Argumenten - diese wiederum spielen für die Behörden keine Rolle, denn Dummheit ist ja schließlich nicht ungesetzlich, eine Umgehung der Einreisebestimmungen aber schon...