(Fortsetzung)
In einer Gesellschaft, die fest daran glaubt, daß, wenn zwei nicht miteinander verheiratete Personen unterschiedlichen Geschlechts alleine zusammen sind, der Teufel mit dabei ist und diese beiden nicht versuchen KANN, sondern versuchen WIRD, und die die eindeutige Linearität der Nachkommenschaft zu einem wesentlichen Prinzip der Gesellschaft erkoren hat, ist die Aufenthaltskontrolle eine existentielle Notwendigkeit.
Hier geht es nicht um "Liebesbeweis" oder "Vertrauen", sondern knallhart um jahrhundertealtes Besitz- und Vererbungdenken, alles trefflich verbrämt mit einer Decke aus Moral, Ehre und religiösen Sinnigkeiten, die darübergeworfen ist.
Dieses System in Frage zu stellen, greift also nur vordergründig auf emotionale Werte zu, ist aber in Wahrheit ein Angriff auf den Herz der Gesellschaft und das Verhalten in dieser Angelegenheit (nur in dieser!) wird daher auch unnachgiebig beobachtet und verfolgt.
Für einen Mann ist es also sozusagen "erste Bürgerpflicht", sich zum einen um den Marktwert seiner unverheirateten weiblichen Familienangehörigen zu sorgen (der männliche Marktwert bemißt sich nicht an reproduktionsrelevanten Dingen) und zum anderen um die Eindeutigkeit der eigenen Familienlinie, außerdem dann noch um alles, was die Decke aus Ehre, Moral und Religion an Zusätzen hinzugefügt hat.
Das kann einen Mann schon richtig auf Trab halten, das sollte man nicht unterschätzen, und speziell jemand, der nur ein geringes Selbstwertgefühl hat (keine [gute] Position, Arbeit, Zukunftsaussichten), wird einen erheblichen Teil seiner Gedanken und Anstrengungen darauf verwenden, zumindest in diesem Bereich "führend" zu sein.
Umgekehrt sind auch die Frauen daran interessiert, daß ihr Männe sich nicht woanders umtut, denn ihr Wert bemißt sich sehr wohl daran, was sie in der Familie leistet UND, noch viel wichtiger, ist sie erst einmal verheiratet, hat sie den größten Teil ihres "Wertes" (nämlich der Jungfräulichkeit) verloren, zudem sinkt ihre Reproduktionsfähigkeit mit steigendem Alter.
Sowohl für verheiratete, wie auch für unverheiratete Fraien ist es zudem ein sehr wichtiger Aspekt, der die Stellung in der Gesellschaft mitbestimmt, mit den Pfunden zu wuchern, über die sie aufgrund ihrer Beziehung zu einem Mann verfügt (sprich: mit Gold, Auto, Wohnung, Kleidung und Einrichtungsgegenständen bei den Nachbarinnen, Freundinnen und weiblichen Familienmitgliedern zu protzen).
Für eine Frau ist es also ebenfalls existentiell wichtig, ihren Mann auf Kurs zu halten, und als Folge entwickelt sich zwangsläufig eine kreatürliche Eifersucht mit Kontrollzwang - auf beiden Seiten und aus im Detail verschiedenen Gründen, die aber letztendlich auf ökonomischen Ursachen beruht (die Anschauungen und Ausbildungen der Moral, Ehre und Religion sind im Laufe der Jahrhunderte da erst drübergestülpt worden).