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Re: Selbstständig machen in Deutschland?
[Re: Schnucki]
#230636
02/01/2008 13:02
02/01/2008 13:02
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Joined: Apr 2006
Beiträge: 6,893 DE: NW
Frogger
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Nun, das wird er, mal salopp gesagt, vergessen können, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt (von der EU gibt es Bestrebungen zur Aufhebung des Meisterzwangs in bestimmten Bereichen). Zudem, "Elektronik" ist ein Begriff, der zwar in Tunesien, doch nicht in Deutschland üblich ist - hier gibt es eine Vielzahl von Bereichen, in die dieses riesige Feld zerfällt (Anlagenelektronik, Autoelektronik, Büroelektronik, etc.) - doch jeder dieser Bereiche erfordert zwingend eine entsprechende Ausbildung bzw. Prüfung als Nachweis der Sachkenntnis. Solange es sich da nur um den Verkauf und die Beratung, sowie einfache mechanische Arbeiten handelt, wird das nicht gebraucht, doch sobald man den Lötkolben oder den Schraubenzieher für eine gewerbliche Tätigkeit in die Hand nimmt, wird es ernst...
Für die folgenden Arbeiten an Computern und ähnlichen Geräten ist beispielsweise eine Eintragung in die Handwerksrolle (Meisterbrief) Voraussetzung:
>>> 1. Aufstellung, Inbetriebnahme und Instandhaltung von Geräten, Systemen und Anlagen der Büroinformations- und -kommunikationstechnik sowie von Teilen und Baugruppen dieser Geräte, Systeme und Anlagen, 2. Feststellung, Behebung und Protokollierung von Fehlern und Störungen an Geräten, Systemen und Anlagen der Büroinformations- und Bürokommunikationstechnik, 3. Verbindung und Vernetzung von Geräten, Systemen und Anlagen sowie Aufbau von Netzwerken, 4. Auswahl, Entwicklung, Veränderung und Erprobung von Aufrüstungsmöglichkeiten und Systemerweiterungen sowie Entwurf, Test und Nutzung von Programmen, 5. Planung, Anfertigung, Bestückung und Zusammenbau von Leiterplatten und Baugruppen der Büroinformations- und Bürokommunikationstechnik, 6. Planung, Herstellung und Anpassung von Schnittstellen und Peripheriegeräten. <<<
Eine gnaz andere Frage ist die Rentabilität - ich kenne eigentlich keinen dieser kleinen "Schrauber", die damit nennenswerte Einkünfte erzielen. Man kann zwar nun sagen, daß es nur zum einfachen Leben reichen muß, und in Tunesien die meisten Shop-Inhaber auch am Rande der Existenz herumkrebsen (was dort immer noch besser ist, als gar nichts zu verdienen), doch Deutschland ist nicht Tunesien und eine Arbeit auf reiner Existenzsicherungsbasis ist wegen der sozialen Angebote des Staates (z.B. Sozialhilfe) nicht notwendig, hier ist es wichtiger, so viele Einkünfte zu erzielen, daß man mindestens in der Gegend des Sozialhilfesatzes landet (im übrigen wird ansonsten auch das Finanzamt eine solche selbständige Arbeit als "Hobby" bewerten und die Vorsteuer-Abzugsfähigkeit verneinen, was den Verdienst noch weiter schmälert, in Tunesien wird dagegen die Mehrwertsteuer üblicherweise nur bei gewerblichen Kunden gefordert). Letztlich ist auch die Buchführungspflicht und -kontrolle in Deutschland wesentlich enger gefaßt als in Tunesien, da kann man wesentlich weniger "nebenbei" machen, will man langfristig geschäftsfähig bleiben.
Es kommt also darauf hinaus, ob man einen solchen Kleinbetrieb aufmacht, weil man es gerne tun will (wie ein Hobby), oder weil man damit seinen Lebensunterhalt verdienen will und auf die Einnahmen angewiesen ist - für den zweiten Fall habe ich an der mittelfristigen Tragfähigkeit eines solchen Vorhabens, zumindest was Deutschland angeht, ernsthafte Bedenken.
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