http://www.deinleben.org/2006/05/25/was-ist-realitat/Was ist Realität?
Wenn es um die Entwicklung von Weltbildern geht, muss man zunächst ein paar Grundlagen klären.
Die fundamentalste Grundlage stellt dabei die Realität dar.
Mit der Frage, wie man “Realität” definieren kann und welche Folgen diese Definition für uns im Alltag hat beschäftigt sich der weitere Text.
Die eigentliche Frage, die geklärt werden muss ist, ob eine objektive, allgemeine Realität existiert.
Damit ist gemeint, dass diese Realität für jeden gleich und unanfechtbar ist.
Die Realität als objektiv bezeichnen kann man, wenn sie für jedermann überprüfbar existiert. Zum Beispiel der Baum vor meinem Fenster und der Eiffelturm in Paris.
Wer möchte, darf vorbeikommen, den Baum anfassen und sich davon überzeugen, dass er einen braunen Stamm und grüne Blätter hat und ca. 6 Meter hoch ist.
Genauso kannst du nach Paris zum Eiffelturm fahren.
Spätestens dann, wenn du auf der oberen Aussichtsplattform in über 250m Tiefe schaust, wirst du den Turm als real bezeichnen. Andernfalls könntest du dich an diesem Ort wohl nicht aufhalten.
Anscheinend gehört also die gesamte materielle Welt zur objektiven Realität.
Hierauf werde ich später noch einmal zurückkommen.
Das eigene Bewusstsein ist real
Eine weitere offensichtlich der Realität zuschreibbare Erscheinung, ist das eigene Bewusstsein.
Allerdings auch nur das eigene Bewusstsein. Schon das Bewusstsein deines besten Freundes ist für dich nicht überprüfbar. Anders herum natürlich genauso wenig.
Auf Grund vom Verhalten des Anderen geht man trotzdem davon aus, dass ebenso wie das eigene auch das andere Bewusstsein real existiert.
Zu unserer subjektiven Realität gehören also auch Dinge, die nicht für alle überprüfbar sind, sogar oftmals nicht von uns selber.
Dessen ist man sich oft gar nicht bewusst.
Übernatürliche Erscheinungen
Besonders heikel wird es bei der Betrachtung von übernatürlichen Phänomenen.
Besonders im Weltbild von vielen jüngeren Menschen (<25 Jahre) hat all das, was man schnell in die Ecke von “Esoterik” schiebt keinen Platz.
Hier zwei Kommentare zum Thema Gläserrücken aus einem Diskussionsforum:
Man schiebt die Gläser nicht dahin wo man sie haben will!!!
“Kadavas”, 17 J.:
und wer verschiebt dann das Glas? Ewa der heilige Geist oder was? Das geht gar net. Irgendwer muss drücken.>jedenfalls glaube ich erst an so nen Schrott wenn mir jemand Beweise dafür liefert, dass es funktioniert.
Alex, 16 J.:
Gläserrücken, schon wieder so nen sinnloser Hokuspokus.
Obwohl wie wir eben festgestellt haben manche Dinge als Realität akzeptiert werden, auch wenn kein Beweis dafür vorliegt, werden von den Jugendlichen hier “Beweise” gefordert, um an die Wirkung von solchen Ritualen glauben zu können.
Der Grund dafür ist, dass alles was in unserer Umgebung geschieht von uns anhand unseres persönlichen, subjektiven Weltbilds beurteilt wird.
Nicht in jeder Situation überlegen wir uns grundsätzlich, ob eine Entscheidung, die wir fällen richtig ist, sondern wir wenden unsere Erfahrung und unsere Glaubenssätze darauf an.
Meistens ist dieses Vorgehen auch sinnvoll. Unser Weltbild entwickelt sich immer weiter und es wird immer wieder bei neuen Erfahrungen modifiziert. Es ist eine gute Entscheidungsgrundlage.
Die Gefahr dabei ist es, dass man Umstände falsch beurteilt ohne es zu bemerken. Das ist dir bestimmt auch schonmal passiert und im Nachhinein wundert man sich, wie blind man sein konnte. (Dies weiter auszuführen wird Inhalt eines anderen Artikels werden, weil es hier nicht zum Thema passt.)
Analog zum Gläserrücken, dass für manche keine Realität ist kann man auch Dinge finden, die für uns Realität sind, aber für andere vielleicht gar nicht.
Kein von Geburt an Blinder hat jemals den Baum vor meinem Fenster gesehen. Er wird ihn auch niemals sehen können.
Entsprechend zur kritischen Haltung zum Gläserrücken kann er nun sagen:
Ich sehe den Baum nicht. Er hat keine Farbe, du lügst. Liefer mir einen Beweis, dass der Baum eine Farbe hat.
Das Licht von dem du immer sprichst existiert auch nicht. Es gibt überhaupt auch keine visuelle Welt.
Gegebenheiten, die nur für manche Menschen zu “beobachten” sind kann man also nicht ohne weiteres zur objektiven Realität hinzuzählen.
Auf alle Fälle existiert etwas in der subjektiven Realität von denen, die an einem Ritual wie dem Gläserrücken teilnehmen, was offensichtlich in der Realität anderer Menschen nicht existiert.
Wenn es in meiner Realität nicht existiert, wie kann es dann in der des Anderen existieren, die wiederum in meiner Realität existiert?
Wie du wahrscheinlich bemerkt hast, ist ein Widerspruch in sich.
Fazit
Man kann drei verschiedene Konsequenzen daraus ziehen:
1. Man definiert eine objektive Realität, in der alle subjektiven Realitäten liegen. Die objektive Realität wäre also die Summe aller subjektiven Realitäten.
Diese Definition stößt allerdings schnell an ihre Grenzen. Was ist wenn mein Nachbar der Meinung ist der Baum vor meinem Fenster habe einen pinken Stamm? Das ist also keine Lösung. (Damit die Gedanken von halluzinierenden Menschen objektiv real einzustufen, habe ich auch Probleme).
2. Meine Realität ist die einzige “wahre” Realität, wer etwas behauptet, was in meiner Realität nicht möglich ist lügt. Auch dieser Ansatz ist wohl schwer durchzuhalten. Denn was in meiner Realität möglich ist verändert sich gemäß meinem Weltbild. Wenn ich heute Gläserrücken für nicht real halte, morgen aber Gläser durch meine Gedankenkraft verschieben kann, es also real ist, dann ist das meiner Meinung nach ein Paradoxon (bzw. nur in meinem bisherigen Weltbild. In meinem sich aktuell entwickelnden Weltbild ist dies durchaus erklärbar).
3. Die Realität, die maßgeblich von meiner subjektiven Realität geprägt ist, aber in die auch die Meinung der “Gesellschaft”, also der “Allgemeinheit” einfließt ist die objektive Realität. Das ist die Realität, die wohl ca. 90% aller “zivilisierten”, westlichen Menschen akzeptieren.
Deshalb fällt dort auch das Gläserrücken heraus, während das Bewusstsein meines Freundes Teil davon ist. Mir ist spätestens mit dem Schreiben dieses Textes klar geworden, dass diese dritte “Lösung”, im Endeffekt die Zweite Lösung ist. Denn das was ich persönlich und einige ausgewählte Menschen (denen ich glaube etc.) als real einstufen als objektiv anzusehen ist falsch. Es ist wiederum nur meine eigene subjektive Realität, die ich als absolut einstufe.
Eine objektive Realität kann man nur definieren, wenn man sie auch objektiv festlegen kann.
Dies ist nur möglich, wenn man sich nicht innerhalb des Systems befindet, dass beobachtet werden soll.
Dies ist für unsere “Realität” aber nicht möglich, da alle Menschen und “anderen Gegenstände” an dieses System gebunden sind.
Die Schlussfolgerung ist, dass es für uns nur die subjektive Realität existiert.
Damit sind alle Erscheinungen in unserer Realität nicht objektiv real.
Auf einem anderen Blatt steht geschrieben, ob es nicht trotzdem sinnvoll ist einige Dinge als real anzunehmen.
Doch das ist ein anderes großes Thema, über das ich in meinen weiteren Posts mehr schreiben werde.
P.S.: Wenn im Wald ein Baum umfällt, erzeugt er dann ein Geräusch, sofern niemand das Geräusch hören kann (und es auch nicht aufgezeichnet wird etc.)?
(Diese Frage nicht einfach nur anhand deines bisherigen Weltbildes beantworten, sondern nachdenken!)