...Willst Du mich mit Absicht missverstehen?...

Ein Mißverständnis ist bei diesen Themen nur allzu leicht herbeizuführen - doch wie schon zuvor gesagt, habe ich mich an die Allgemeinheit und nicht speziell an Dich gewendet, wenn ich aber aufmerksam Deinen Beitrag lese, dann hattest Du darin sehr wohl über meine persönliche Betroffenheit gemutmaßt. :-)

...dass wir hier auf sehr hohem Niveau jammern!...

aber sicher doch, denn maßgeblich ist die Basis UNSERER Gesellschaft, und nicht die Basis des Menschenmöglichen - wir sprechen ja auch nur von dem Geld, daß DIESE Gesellschaft durch DIESEN Staat verteilt. Da ist es sehr wohl ein Unterschied, ob man das "Lebensminimum" an den Verhältnisse in Deutschland oder an denen in Schwarzafrika bemißt. Die Sozialhilfe soll eine "Teilnahme am gesellschaftlichen Leben" ermöglichen, und, gnaz streng gesehen, gehört auch ein wie immer gearteter Urlaub zu dem in Deutschland üblichen gesellschaftlichen Leben. Interessanterweise sagt aber niemand, wie die Sozialhilfeempänger ihren Urlaub finanzieren, denn sie erhalten stets dasselbe Geld, ob sie nun zuhause auf dem Balkon sitzen oder am Strande von Acapulco. Vielleicht, aber auch nur vielleicht, hat sich ja diese Person einige Monate lang nicht den ihm zustehenden 1/128 Fernseher gekauft, der in dem für die Bemessung des Sozialhilfe geltenden Korb steckt? Oder hat sich lange Zeit nicht die monatliche 1/4 Theaterkarte gekauft oder die tägliche 1/2 Tageszeitung? Vielleicht hat er seine Vorsorge fürs Alter liquidiert, sein bescheidenes Sparguthaben geplündert oder ein Geburtstagsgeschenk aus der Familie dafür verwendet? Vieleicht hat er sich ja auch nur beim Bauern einen Sack mit 100kg Kartoffeln gekauft und ernährt sich nun monatelang ausschließlich gemäß den Anweisungen des Kochbuches "3791 schmackhafte Kartoffelgerichte"?
Tatsache ist, daß wir es als unmöglich bezeichnen, daß jemand, der Sozialhilfe bezieht, Geld sparen kann, weil es ja das "Lebensminimum" ist, unter das man gar nicht gehen kann. Niemand aber spricht davon, was in unserer Gesellschaft als "Lebensminimum" definiert ist bzw. betrachtet wird, sondern setzt das dann automatisch mit kreatürlichem (Über)Lebensminimum fest. Niemand redet darüber, daß auch ein armer Mensch einen Freund oder ein Familienmitglied haben kann, der ihm einmal etwas zusteckt, womöglich gar aus Dank dafür, daß dasselbe früher einmal umgekehrt geschehen ist, doch jeder ist Fachmann für Sozialmißbrauch und jeder kennt jemanden, der von jemandem gehört hat, wie jemand den Staat abzockt. Zum einen redet man von Birnen und zum anderen von Äpfeln und hofft, daß es niemandem auffällt, denn das würde dann die sorgfältige Polemik zunichte machen...