Hmm - nun, das Problem sehe ich eher darin, daß es sich nicht um "eine" Moschee, sondern eben um eine türkische Moschee handelt, die maßgeblich von Türken für die Benutzung durch Türken gebaut und finanziert wird (die angesprochenen 3 Millionen sind ja nur eine Teilfinanzierung aus Bundes- und EU-Mitteln). Der Ausländerantiel in Marxloh beträgt 35%, und 70% der in Marxloh lebenden Ausländer sind Türken, mit anderen Worten ist also der Türkenanteil in Marxloh = 25% der Bevölkerung (der nicht-türkische Anteil von Menschen islamischen Glaubens liegt um 1%, insofern also kann man hier mit Fug und Recht von einer "türkischen Moschee" reden).

Der Stadteil selbst ist etwas, was man als heruntergekommen" bezeichnen würde, zum Teil mangelhafte, zum großen Teil alte Bausubstanz, signifikant wenige Park- und Grünflächen und abgegrenzt von alten Industrien, ökonomisch gesehen wohnen dort eher Ausländer und Deutsche mit geringem Einkommen.

Die Idee, die nun entwickelt wurde, war es, zusätzliche kauf- und Wohnkraft nach Marxloh zu holen und die Abwanderung deutscher und kaufkräftiger Menschen aufzuhalten. Dies soll u.a. durch die Schaffung eines "internationalen" Zentrums mit Restaurants, Hotels, Einlaufläden - und eben auch durch die größte Moschee Europas erreicht werden. Als Kritik bleibt zuvorderst das oben gesagte anzumerken, daß nämlich unter "international" in erster Linie "türkisch/deutsch" verstanden wird. Ein zusätzliches Gefährdungspotential hingegen vermag ich nicht unbedingt zu erkennen, zwar läßt sich nicht ganz von der Hand weisen, daß ein Moscheezentrum dieser Größe und speziell vor dem Hintergrund gewollter Attraktivität eine über die Region hinausgehende Anziehung für Gläubige entfalten wird, doch Duisburg hat sich auch vorher schon als einer der Kernpunkte extremen islamischen Glaubens ausgezeichnet, die existente Gefährdung kann also nur mäßig (denn es gibt ja auch noch z.B. Köln und das mittlere Ruhrgebiet nahebei) größer werden, auf keinen Fall jedoch erst neu entstehen.

Ob die beabsichtigten Maßnahmen eine integrative Wirkung erzielen werden, bezweifele ich, sie werden eher polarisierend wirken, doch daß im Stadtteil etwas für die ausländischen, ganz speziell für die türkischen, Menschen getan werden muß, steht außer Frage, und daß hier der deutsche Staat mit finanziellen Hilfen beiträgt, ist selbstverständlich, denn die Türken haben, teilweise seit Jahrzehnten, ihre Heimat dort und haben Steuern gezahlt. Hilfe- und Begegnungsangebote für Alte, Kranke, Kinder und Familien müssen in einer Form existieren, die von der Zielgruppe angenommen wird, und die sind dann im Umfelde einer Moschee zweifellos gut positioniert.
Daß die Moschee de facto in den Besitz des türkischen Religionsministeriums übergeht, ist natürlich ein Punkt, über den man trefflich streiten kann, doch da schließt sich wieder der Kreis zum dem eingangs gesagten.

Oh - übrigens ... ich kenne Marxloh (und auch Beeck) sehr gut, seit mehr als 40 Jahren.