...So geht es nicht nur Tunesien, das kann man überall beobachten, wo der Massentourismus Fuss gefasst hat. Und AI macht alles kaputt...

Das ist zwar im Prinzip richtig, doch spezielle in Tunesien hat es mir ein Hoteldirektor so erklärt:

FRÜHER waren die Hotelbesitzer Leute vom Fach, die z.B. selbst einmal als Direktor gearbeitethatten. Sie wußten, daß man "investieren" muß und den Gast zufriedenstellen, damit der sich wohlfühlt und wiederkommt.
HEUTE werden die tunesischen Hotels von einer kleinen Gruppe von Familien/Investoren kontrolliert (abgesehen von den Hotels, die ausländischen Gesellschaften gehören) und für die ist ein Hotel ein Gegenstand, der möglichst viel Profit produzieren soll. Da werden dann günstige Arbeitskräfte angeheuert, Standards nicht oder nur gerade so eingehalten, Renovierungen nicht oder schlecht durchgeführt, bis das Hotel sozusagen unbewohnbar ist und dann alle paar Jahre einer Komplettrenovierung unterzogen wird.
AI ist ein Teil dieses Konzeptes, denn das Geld landet sofort in der Tasche des Besitzers (und des Reiseveranstalters) und führt zu sicheren und vorab kalkulierbaren Einnahmen, die sogar dann sicher sind, wenn der Gast nicht wirklich zufrieden ist (denn der Gast kann sich ja nicht dadurch wehren, daß er woanders essen und trinken geht, es ist ja alles sschon im Voraus bezahlt worden).
Entsprechend des Trendes zu den "billigeren" Arbeitskräften haben auch die Schulen für Tourismus offenbar Kreativität und Qualiät eingeschränkt, was z.B. auch ein Hauptgrund für die Gleichförmigkeit im Animationsprogramm ist. Wer sich die Mühe macht, 10 Hotels zu besuchen, wird in mindestens 8 davon identische Programmbestandteile vorfinden.

Ein Beamter im Wirtschaftsministerium sagte selbst sinngemäß, daß der Staat zwar gerne andere Qualitäten sehen würde, sich jedoch gegen die Familien, die die Hotels beherrschen, nicht durchsetzen kann.
Immerhin sollen nunmehr keine neuen AI-Anträge mehr genehmigt werden, was aber kurzfristig auch nicht hilft, da natürlich kurz vorher (2006/07) noch ein Großteil der Hotels auf jahrelange AI-Genehmigungen umgestiegen ist.

Einige Hotels haben langfristige (z.B. 5 Jahre) Verträge mit Reiseveranstaltern abgeschlossen (z.B. russischen), die noch auf Jahre hinaus einen steten Zustrom von Gästen aus Osteuropa garantieren werden (wir sehen auch hier, daß kalkulierbare Einnahmen ohne Anstrengungen im Tagesgeschäft die größte Rolle spielen). Wie ich hörte, sollen demnächst auch verstärkt chinesische Veranstalter angesprochen werden (die allerdings, so wie ich meine, lieber nach Südasien fahren werden...), von der Offensive auf dem amerikanischen Markt, die stattfinden sollte, habe ich bislang übrigens noch nichts gesehen.

Nach vorläufigen Zahlen zu urteilen, sind die Einnahmen aus dem Tourismus leicht angestiegen, aber im Wesentlichen wohl innerhalb von Schwankungsbreiten gleichgeblieben. Die Einnahmen von Restaurants und Shops hingegen dürften, nach meinen eigenen Beobachtungen und Erkenntnissen, in 2007 schwächer ausfallen - sicherlich ein Resultat von AI und der, wie ich meine, geringeren Finanzkraft der derzeitigen Touristengruppen (in Osteuropa hat man einfach weniger Geld, als in Westeuropa - und die, die Geld haben, fahren, ebenso wie reiche Deutsche oder Engländer, nicht nach Tunesien).

Nach meiner Einschätzung ist Tunesien derzeit ein Urlaubsland für Touristen mit geringem Budget, niedrige Preise, niedrige Qualität, geringer Anspruch sind alles Bestandteile eines Teufelskreises, aus dem es selbst mit erheblichen Anstrengungen wohl noch Jahre dauern wird, sich zu befreien. Mittlerweile sprinten andere Länder an Tunesien vorbei, wie etwa Kroatien, Türkei, Marokko, Ägypten und die Emirate.

Alle arabischen Länder haben dazu noch ein echtes Zusatzproblem, nämlich daß Ramadan in den nächsten Jahren in die Hauptsaison fallen wird, da dürften Einnahmeausfälle von erheblichem Ausmaß vorprogrammiert sein (das kann in bestimmten Branchen schnell 30% des Jahresumsatzes ausmachen), nicht nur, weil Reisende in dieser Zeit nicht dorthin fahren wollen, sondern alleine schon, weil die Reiseversnatlter diesem Umstand mit ihren Angeboten in den kommenden Jahren Rechnung tragen werden und im Sommer eher "un-islamische" Ziele in den Vordergrund rücken werden.