http://de.news.yahoo.com/051010/3/4pxv6.html Montag 10. Oktober 2005, 16:26 Uhr
Marokko schiebt Flüchtlinge in die Westsahara ab
Rabat/Madrid (dpa) - Nach dem Flüchtlingsdrama in den spanischen Nordafrika-Exklaven Ceuta und Melilla hat Marokko mit der Abschiebung von 900 illegalen Zuwanderern nach Senegal und Mali begonnen.
Mit einer Luftbrücke sollten die Afrikaner, die in Melilla über die Grenze auf spanisches Gebiet gelangen wollten, in die Heimat gebracht werden. Am Montag startete in Oujda im Osten Marokkos die erste Maschine nach Senegal. Die Marokkaner hatten sich von den westafrikanischen Staaten Senegal und Mali die Zusicherung eingeholt, dass die Flüchtlinge einreisen dürfen.
Derweil wurden über 1200 illegale Immigranten aus anderen afrikanischen Staaten in Marokko mit Bussen in Richtung Westsahara abtransportiert. Die marokkanischen Behörden ließen unklar, was mit ihnen geschehen soll. Nach Angaben von Hilfsorganisationen herrschten auf den Transporten «unmenschliche Bedingungen». Die Flüchtlinge seien in den Bussen mit Handschellen gefesselt, teilten Helfer mit. Sie erhielten kaum Nahrung und Wasser.
Nach spanischen Rundfunkberichten waren in Marokko drei Konvois von insgesamt 30 Bussen mit Flüchtlingen aus Ghana, Kamerun, Nigeria und anderen Staaten in Richtung Westsahara unterwegs. Internationale Hilfsorganisationen äußerten die Befürchtung, die Afrikaner sollten an der Grenze zu Mauretanien oder Algerien in der Wüste sich selbst überlassen werden. Die Grenzen der Westsahara sind teilweise vermint. Marokko, das den größten Teil der spanischen Ex-Kolonie vor 30 Jahren annektiert hatte, führte dort bis zum Waffenstillstand von 1992 Krieg gegen die saharauischen Polisario-Rebellen.
Der marokkanische Regierungssprecher Nadil ben Abdallah bezeichnete die Berichte, wonach die Afrikaner in der Wüste ausgesetzt werden sollen, als «Gerüchte», die durch nichts belegt seien. Allerdings machte er keinerlei Angaben, wohin die Afrikaner gebracht werden sollten. Ein Teil der Flüchtlinge war in den vergangenen Tagen von den Sicherheitskräften in Ostmarokko an der Grenze zu Algerien am Rande der Sahara ausgesetzt worden. Nach internationalen Protesten ließ Marokko die Flüchtlinge in Bourfa zusammenziehen und von dort mit Bussen abtransportieren.
Die Westsahara ist militärisches Sperrgebiet, zu dem ausländische Helfer und Journalisten nur mit Sondergenehmigungen Zutritt bekommen. «Dies ist wie in einem Horrorfilm», meinte MarÃa Luisa Cava de Llano, Stellvertreterin des spanischen Ombudsmanns. «Das ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, ein Völkermord.»
Der spanische Außenminister Miguel Angel Moratinos wollte sich am Abend bei einem Besuch in Rabat für eine menschliche Behandlung der Flüchtlinge einsetzen. Madrid setzte die Abschiebung von Flüchtlingen aus Melilla und Ceuta nach Marokko bis auf weiteres aus. Wie es in Madrid hieß, soll zuerst geklärt werden, was mit den Afrikanern in dem nordafrikanischen Land geschieht. Spanien hatte in der vorigen Woche eine Gruppe von 73 Flüchtlingen nach Marokko abgeschoben, seither aber nicht mehr.
http://de.news.yahoo.com/051009/12/4pw2v.html Sonntag 9. Oktober 2005, 15:43 Uhr
Amnesty kritisiert Abschiebung von Flüchtlingen nach Marokko
Madrid/Rom (AP) Amnesty International hat Spanien die Verletzung von Menschenrechtsabkommen bei der Abschiebung von Flüchtlingen nach Marokko vorgeworfen. Abschiebung in ein Land, in dem die Gefahr von Folter oder unmenschlicher Behandlung bestehe, sei durch die Europäische Menschenrechtskonvention verboten, sagte der Leiter von Amnesty für Spanien, Esteban Beltran. Marokkanische Behörden hätten Flüchtlinge ohne Wasser in der Sahara ausgesetzt, erklärte die Menschenrechtsorganisation weiter.
Hunderte Flüchtlinge seien in Bussen in das Grenzgebiet zu Algerien gefahren und in der Wüste ohne Trinkwasser und Nahrungsmittel sich selbst überlassen worden, sagte ein Amnesty-Sprecher. «Das ist ein menschliches Drama da draußen», sagte Angel Gonzalez.
Beltran erklärte, die Menschen seien abgeschoben worden, ohne dass ihre Namen oder ein möglicher Flüchtlingsstatus geprüft worden seien. Außerdem sei der Tod von mindestens 14 Flüchtlingen nicht untersucht worden, die beim Versuch, die Grenzbefestigungen zu den spanischen Exklaven Ceuta und Melilla zu überwinden, ums Leben kamen. Einige von ihnen wurden von marokkanischen Grenzbeamten erschossen. Die Marokkaner kämen faktisch straffrei davon, kritisierte Beltran.
Nach einem Pressebericht über unmenschliche Zustände in einem Auffanglager für Flüchtlinge auf Lampedusa hat die italienische Regierung eine Untersuchung angeordnet. Ein Reporter des Magazins «L'Espresso» hatte sich in dem Lager als irakischer Kurde ausgegeben und war mehrere Tage festgehalten worden. Das italienische Büro von Amnesty International forderte das Innenministerium in Rom auf seinen Bericht hin auf, «zu klären, ob es wirklich schwere Verletzungen von Menschenrechten ausländischer Bürger auf Lampedusa gab».
Der Reporter hatte in seinem Artikel unvorstellbar unhygienische Bedingungen beschrieben und dazu mehrere Fotos veröffentlicht. In den Waschräumen habe es kein Toilettenpapier gegeben, außerdem seien die Flüchtlinge von einem Polizisten gezwungen worden, pornografische Bilder auf seinem Mobiltelefon anzusehen.
Innenminister Giuseppe Pisanu beauftragte einen ranghohen Beamten am Freitagabend damit, am Samstag das Auffanglager zu inspizieren. Alessandro Pansa sagte laut der Nachrichtenagentur Ansa jedoch, er wolle zwar mit örtlichen Sicherheitsvertretern zusammentreffen, aber die Insel zwischen Sizilien und Afrika nicht besuchen.
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Viele Flüchtlinge, haben in ihrem Land keine Chance zu überleben, warum versucht man nicht eine Lösung finden, Nahrung und Wasser ist das wichtigste aber auch das haben viele nicht bekommen. Unter den Flüchtlingen sind Frauen und Kinder, welche Hilfe brauchen und Unterstützung.